Heisterman von Ziehlberg, Gustav

 

* 10. Dezember 1898, Hohensalza

† 2. Februar 1945, Berlin-Spandau (hingerichtet)

 

Gustav Heisterman von Ziehlberg trat nach dem erfolgreichen Besuch der Hauptkadettenanstalt in Berlin-Lichterfelde am 10. August 1914 als Fähnrich in das 1. Pommersches Grenadier-Regiment "König Friedrich Wilhelm IV." Nr. 2 ein. Mit diesem zog der Sohn eines aktiven Offiziers dann auf die Schlachtfelder des 1. Weltkriegs. Beim gleichen Regiment ist eine Vater als Bataillonskommandeur 1914 gefallen. Am 8. Mai 1915 wurde er dort zum Leutnant befördert. Mit seinem Regiment machte er dann auf verschiedensten Dienstposten den ersten Weltkrieg mit. Zuletzt war er Adjutant vom I. Bataillon des Regiments. Nach dem Krieg wurde er in das 100.000 Mann Heer der Reichswehr übernommen. Dort wurde er dann die ersten Jahre im 5. (Preuß.) Infanterie-Regiment eingesetzt. Dort wurde er am 1. Juli 1925 zum Oberleutnant befördert. Am 1. April 1927 wurde er dann für etwa ein halbes Jahr zum 2. (Preuß.) Artillerie-Regiment kommandiert. Danach wurde er zur Führergehilfenausbildung in den Stab der 1. Division der Reichswehr versetzt. Von dort wurde er dann in das Reichswehrministerium versetzt. Dort wurde er am 1. Februar 1932 zum Hauptmann befördert. Erst im Frühjahr 1934 wurde er wieder zum 5. (Preuß.) Infanterie-Regiment versetzt. Bei der Erweiterung der Reichswehr am 1. Oktober 1934 wurde er zum Kompaniechef vom Infanterie-Regiment Frankfurt ernannt. Ab dem 15. Oktober 1935 wurde er dann als Kompaniechef im Infanterie-Regiment 50 eingesetzt. Als solcher wurde er am 1. Januar 1936 zum Major ernannt. Am 1. August 1936 wurde er dann in die Zentralabteilung des Generalstabes des Heeres versetzt. Am 1. Februar 1939 wurde er dort zum Oberstleutnant befördert. Dieser Abteilung gehörte er auch zu Beginn des 2. Weltkrieges an. Am 1. Dezember 1939 wurde er dann zum Chef der Zentralabteilung vom Generalstab des Heeres ernannt. Als solcher wurde er am 1. Februar 1941 zum Oberst befördert. Erst am 15. November 1942 gab er das Kommando ab und wurde in die Führerreserve versetzt. Am 21. Januar 1943 erhielt er sein erstes Frontkommando im zweiten Weltkrieg und wurde zum Kommandeur vom Grenadier-Regiment 48 ernannt. Am 24. Januar 1943 traf er bei seinem Regiment ein. Mit diesem Regiment nahm er an den mit der Räumung vom Demjansk-Kessel verbundenen Kämpfen und an Unternehmungen gegen im rückwärtigen Frontgebiet operierende Partisanenverbände teil. Am 30. April 1943 gab er sein Kommando wieder ab und wurde in die Führerreserve versetzt. Am 21. Mai 1943 wurde er dann mit der Führung der 65. Infanterie-Division beauftragt, welche sich zu dieser Zeit an der Scheldemündung befand und mit Küstenschutzaufgaben beauftragt war. Anfang des Sommers wurde diese dann in das französische Flandern verlegt. Am 1. August 1943 wurde er zum Generalmajor befördert. Am gleichen Tag wurde er damit auch zum Kommandeur der 65. Infanterie-Division ernannt. Er wurde dann nicht wie geplant mit der Division an die Ostfront verlegt, sondern kam mit ihr nach Italien. Dort wurde die Division unter ihm erneut im Küstenschutz an der Adria und bei La Spezia eingesetzt. Kurz vor Mitte Oktober 1943 wurde die Division in den Raum Chieti verlegt. Dort übernahm sie unter ihm den Küstenschutz zwischen Ortona und Pescara. Außerdem richtete sie nördlich des Sangro eine Verteidigungslinie zwischen der adriatischen Küste und dem Maiella-Gebirge ein. Ende November 1943 gelang den Alliierten nach dem Erreichen des Sangro, durch starke Artillerievorbereitung unterstützt, ein tiefer Einbruch in die Divisionsfront und die Einnahme von Mozzagrogna. Ein angesetzter Gegenangriff misslang. Am Abend begab er sich in diesen Kampfabschnitt. Dort wurde er bei einem Fliegerangriff schwer verwundet und verlor dabei seinen linken Arm. Bis zum Frühjahr 1944 wurde er in die Führerreserve versetzt. Am 28. April 1944 wurde er nach erfolgter Genesung zum Kommandeur der 28. Jäger-Division ernannt. Diese sollte gerade aus dem Raum Opotschka, nördlich Pustoschka, in den Raum zwischen Lemberg und Kowel verlegt zu werden. Am 1. Juni 1944 wurde er als Divisionskommandeur der 28. Jäger-Division zum Generalleutnant befördert. Nach dem Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte wurde er mit seiner Division in den Raum um Baranowitsche verlegt. Dort sollte sie zur Stabilisierung der Front beitragen. Es gelang ihm mit seiner Division aus einer Einkesselung bei Slonim auszubrechen. Dafür wurde er dann am 27. Juli 1944 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Am 21. Juli 1944 suchte Generalmajor Henning von Tresckow, in Begleitung von Major i. G. Kuhn (Ia der Division) bei der Division den Freitod. Am 27. Juli 1944 erhielt Ziehberg nach nächtlichen Eilmärschen in Richtung Bialystok den Befehl seinen Ia zu verhaften und unter Begleitung nach Berlin zu überführen. Ziehlberg, durch seine frühere Tätigkeit im Umgang mit Personalentscheidungen für Generalstabsoffiziere wie kaum ein Zweiter vertraut, ließ Kuhn kommen und konfrontierte ihn mit dem Inhalt des Haftbefehls. Auf Befragen gab Kuhn an, dass er mit dem Attentat des 20. Juli 1944 nichts zu tun habe, aber vermute, dass seine private Verbindung zur Familie Stauffenberg der Grund zur Verhaftung sei. Daraufhin befahl von Ziehlberg, er habe sich nach der Übergabe seiner Geschäfte zum neuen Divisionsgefechtsstand zu begeben, von wo ihn der Divisionsadjutant nach Berlin begleiten werde. Nach der Übergabe der Geschäfte und Verabschiedung von seinem Vertreter nutzte Kuhn seine Kenntnis von einer Frontlücke zwischen den Jäger-Regimentern 49 und 83, um den Tod zu suchen. Verwundet wurde er dabei gefangen genommen. Dennoch hatte das Verschwinden Kuhns für von Ziehlberg schlimme Folgen. Im September 1944 musste er sich vor dem Reichskriegsgericht verantworten und wurde von diesem wegen „fahrlässigem Ungehorsam“ zu sieben Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die jedoch „zwecks Bewährung“ in der alten Dienststelle ausgesetzt werden sollte. Als er vertretungsweise ab Ende Oktober 1944 für ein paar Tage noch das XXVII. Armeekorps führen sollte, wurde er noch einmal vor das Reichskriegsgericht zitiert. Er wurde vom vorsitzenden Generalrichter zum Tode verurteilt. Er war auch Schwiegersohn des General der Infanterie Erich von Tschischwitz. Ziehlberg wurde 2. Februar 1945 in Berlin-Spandau erschossen.



Ritterkreuz (27. Juli 1944)