Befehlshaber der Seestreitkräfte vor Spanien

 

1. Einsatz und Unterstellung:

Am 17. Juli 1936 begann der spanische Bürgerkrieg durch eine Militärrevolte in Spanisch-Marokko. Zum Schutz deutscher Staatsbürger und deutscher Interessen entsandte die Kriegsmarine am 24. Juli 1936 die Panzerschiffe "Deutschland" und "Admiral Scheer", später zusätzlich den Kreuzer "Köln" sowie die 2. Torpedobootsflottille in die spanischen Gewässer. Die Schiffe liefen sowohl Häfen im aufständischen sowie im rotspanischen Bereich an. Mit 26 Handelsschiffen wurden in 62 Transporten rund 9.500 Personen, darunter 4.550 Deutsche, aus Spanien evakuiert. Während der Einsatz der Kriegsmarine zunächst dem Schutz deutscher Staatsbürger und Interessen diente, änderte sich dies im Laufe der Zeit. Als National-Spanien praktisch als befreundete Macht angesehen wurde, unterhielt die Kriegsmarine bis Mitte 1938 ständig schwere Flotteneinheiten sowie Unterseeboote in spanischen Gewässern. Bei dem "Unternehmen Ursula" (benannt nach der Tochter von Karl Dönitz) entsandte die Kriegsmarine am 20. November 1936 die U-Boote "U 33" und "U 34" in das Mittelmeer. Um dies geheim zu halten, wurden alle hoheitlichen Zeichen der U-Boote unkenntlich gemacht. Ziel der Operation war es, die republikanischen Nachschubwege abzuschnüren. Die U-Boote erreichten das Mittelmeer in der Nacht vom 27. auf den 28. November und übernahmen Patrouillen von italienischen U-Booten, die bereits republikanische Häfen blockierten. Ende November hielten sich die beiden deutschen U-Boote im Seeraum zwischen Cartagena und Almería auf. Am 1. Dezember 1936 eröffneten die deutschen U-Boote im Mittelmeer einen völkerrechtswidrigen Unterwasserkrieg gegen die Spanische Republik. "U 33" versuchte am 2. Dezember einen Schiffskonvoi zu torpedieren. Wegen eines voranlaufenden republikanischen Zerstörers konnte der Konvoi nicht torpediert werden. Am nächsten Tag versuchte "U 33" erneut, den Konvoi anzugreifen. Dieser Angriff wurde durch die Anwesenheit eines britischen Zerstörers gestört. Nach einem Fehlschuss auf einen Frachter brach "U 34" den Angriff ab. Francos Flottenchef Admiral Moreno wusste von einem weiteren, für den 7.–9. Dezember geplanten Konvoi mit vier republikanischen Dampfern und drängte das Deutsche Reich erneut zum Angriff. Am 8. Dezember feuerte "U 34" seinen dritten Torpedo gegen einen Begleitzerstörer des Konvois, traf diesen aber nicht. Am 9. Dezember 1936 erhielten die beiden U-Boote den Befehl, das Operationsgebiet binnen drei Tagen zu verlassen. Auf der Fahrt in den Atlantischen Ozean sichtete Kapitänleutnant Harald Grosse von "U 34" am 12. Dezember vor der Hafeneinfahrt von Málaga das republikanische U-Boot "C-3" und versenkte es. Am 13. Dezember 1936 passierten die beiden deutschen U-Boote ungesehen die Straße von Gibraltar. Die Rückkehr der U-Boote nach Wilhelmshaven im Dezember markiert das offizielle Ende des "Unternehmens Ursula". Im Februar 1937, während der Schlacht von Málaga, beschoss die "Admiral Graf Spee" Málaga. Auch nahm die Kriegsmarine an dem zum 8. Mai 1937 festgelegten Kontrollplan des Nichteinmischungskomitees (Abschnitt spanische Ostküste von Cap da Gata bis Cap Oropesa) teil. Faktisch diente dieser Einsatz der Unterstützung der putschenden spanischen Nationalisten unter Franco. Die Kriegsmarine entsandte die Panzerschiffe "Admiral Scheer" und "Deutschland". Bis Mitte Oktober wurden des Weiteren der Leichte Kreuzer "Köln" und vier Torpedoboote nach Spanien entsandt. Am 29. Mai 1937 wurde das Panzerschiff "Deutschland" vor Ibiza bombardiert und beschädigt. Dieser Angriff der republikanischen Luftwaffe forderte 31 Tote und 75 Verwundete. Nach dem Angriff erhielt die "Admiral Scheer" den Befehl, einen Vergeltungsschlag gegen den befestigten Hafen von Almería, den Liegeplatz der republikanischen Flotte, durchzuführen. Da viele Granaten ihre Ziele verfehlten und in der Stadt einschlugen, war der Einsatz wenig erfolgreich. 21 Bewohner kamen bei dem Beschuss ums Leben, weitere 55 wurden verletzt. Beteiligt an den Operationen der Kriegsmarine waren in den Jahren 1936 bis 1939 zwölf Torpedoboote, sechs Leichte Kreuzer und drei Panzerschiffe. Unmittelbar nach dem Bombenangriff republikanischer Flugzeuge gegen das Panzerschiff "Deutschland" am 29. Mai 1937 wurden vier U-Boote der U-Bootsflottille „Saltzwedel“ in spanische Gewässer geschickt, um an der internationalen Seekontrolle teilzunehmen. Ihr Kontrollgebiet war die spanische Atlantikküste. Eines dieser vier U-Boote, "U 35", sichtete am 3. Juni 1937 vor Santander einen Konvoi, der von zwei republikanischen Zerstörern begleitet wurde. Als einer der Zerstörer das U-Boot erkannte und abdrehte, tauchte "U 35" auf und versuchte den Zerstörer zu versenken. Nachdem der deutsche Kreuzer "Leipzig" mit vier Torpedos am 15. Juni 1937 angegriffen wurde, bereitete Hermann von Fischel eine neue geheime U-Boot-Aktion im Mittelmeer vor, einem Gebiet in dem sich deutsche U-Boote nicht aufhalten durften. Vor der Durchfahrt der Straße von Gibraltar übermalten "U 28", "U 33" und "U 34" ihre Nummern- und Neutralitätszeichen. Zu dieser Zeit hielt sich bereits "U 14" ohne Kennzeichen und Flagge im Mittelmeer auf. Der Einsatzbefehl zum Angriff auf republikanische Schiffe wurde aus unbekannten Gründen nicht erteilt. Offiziell beendete die deutsche Kriegsmarine ihre Tätigkeit in Spanien Ende 1938. Als letztes U-Boot verließ "U 35" Ferrol am 5. Januar 1939 das Mittelmeer in Richtung Brunsbüttel.
Zunächst führte den Befehl über die dorthin entsandten Seestreitkräfte der Befehlshaber der Linienschiffe bzw. Panzerschiffe im Wechsel mit dem Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte, abgesehen von einer kurzen Übernahme des Befehls durch den Flottenchef anstelle des erkrankten Befehlshabers der Panzerschiffe. Erst vom 8. Oktober 1937 an war die Personalunion nicht mehr gegeben und es wurde ein gesonderter Befehlshaber für Spanien ernannt.

 

2. Befehlshaber

24. Juli 1936 Konteradmiral Rolf Carls

25. August 1936 Konteradmiral Hermann Boehm

5. Oktober 1936 Konteradmiral Rolf Carls

14. November 1936 Konteradmiral Hermann Boehm

16. Dezember 1936 Konteradmiral Hermann Fischel

20. März 1037 Vizeadmiral Hermann Boehm

14. Mai 1937 Konteradmiral Hermann v. Fischel

23. Juni 1937 Vizeadmiral Hermann Boehm

3. August 1937 Admiral Rolf Carls

8. September 1937 Konteradmiral Hermann von Fischel

8. Oktober 1937 Konteradmiral Wilhelm Marschall

8. Februar 1938 Konteradmiral Hermann von Fischel

14. März 1938 Kapitän zur See Leopold Bürkner (m.d.W.d.G.b., zugleich Kdt des Kreuzers Emden)

22. März 1938 Kapitän zur See Otto Ciliax (m.d.W.d.G.b., zugleich Kdt des Panzerschiffs "Admiral Scheer")

24. Juli 1938 Kapitän zur See Paul Wenneker (m.d.W.d.G.b., zugleich Kdt des Panzerschiffs "Deutschland")