Kommando der Kleinkampfverbände

 

1. Einsatz und Unterstellung:

Ab den späten 1930er Jahren entwickelte die kaiserlich-japanische Marine verschiedene Kleinkampfmittel, von denen einige Kleinst-U-Boote beim Angriff auf Pearl Harbor eingesetzt wurden. Während der Anfangsphase des Pazifikkriegs wurden die Mittel für die Weiterentwicklung der japanischen Kleinkampfmittel großenteils zusammengestrichen und erst wieder erhöht, als die Japaner immer weiter in die Defensive gedrängt wurden und viele ihrer großen Überwassereinheiten verloren. Die ersten maritimen Kleinkampfverbände auf dem europäischen Kriegsschauplatz wurden vom Königreich Italien mit der Gründung der Decima MAS im Frühjahr 1941 aufgestellt. Italien konnte dabei auf Entwicklungs- und Einsatzerfahrungen aus der Endphase des Ersten Weltkriegs zurückgreifen und stellte dann bis 1943 die einzig erfolgreich operierenden Kleinkampfverbände im Mittelmeerraum. Schon im Frühjahr 1942 hatte die britische Royal Navy eigene Kleinkampfmittel entwickelt. Sie orientierte sich dabei an erbeuteten bzw. geborgenen bemannten Torpedos und Kleinst-U-Booten der Italiener. Die britischen Kleinkampfmittel unterstanden gemeinsam mit den Kampfschwimmern der Underwater Working Party (UwWp). Ab dem Frühjahr 1944 begann auch die Kriegsmarine mit der Entwicklung eigener Kleinkampfmittel und der Aufstellung von Verbänden. Man orientierte sich dabei jedoch nicht hauptsächlich an den Verbänden des Achsenpartners Italien, sondern an den britischen Entwicklungen, welche als effektiver als die italienischen erachtet wurden. Ein Hauptgrund für die relativ späte Aufstellung der deutschen K-Verbände war die noch bis in die ersten Kriegsjahre dominierende Doktrin Erich Raeders, welche die deutschen Marinerüstungspläne auf große Überwassereinheiten konzentrierte. So sah das Flottenrüstungsprogramm von 1938/39 im Z-Plan keine Kleinkampfverbände vor, sondern hauptsächlich große Einheiten.
Erfolgreiche britische Kommandoaktionen und Sabotageakte in Saint-Nazaire und Nordafrika, die um die Jahreswende 1942/43 durchgeführt wurden, führten der deutschen Marineführung um den neuen Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Karl Dönitz, erstmals die Möglichkeit erfolgreicher Einsätze kleinster Marineeinheiten vor Augen. Dönitz erwog hiernach erstmals die Aufstellung eigener Kleinkampfverbände, die er zu diesem Zeitpunkt als Mountbatten-Organisation bezeichnete. Er wurde in diesen Überlegungen durch verschiedene äußere Faktoren bestärkt. So war die deutsche Werftindustrie durch die immer massiver werdenden alliierten Bombenangriffe kaum mehr in der Lage, größere Schiffe zu bauen. In den neuen Untertagewerften konnten nur U-Boote und andere kleinere Einheiten gebaut werden. Außerdem traf die Verknappung von Ressourcen wie Stahl die Kriegsmarine besonders stark, da das Panzerprogramm des Heeres und das Jägerprogramm der Luftwaffe Vorrang vor dem U-Boot-Programm der Kriegsmarine besaßen und dadurch bevorzugt Nachschub erhielten. Als weiterer wichtiger Grund trat der Leistungsbeweis durch Briten und Italiener weit in den Vordergrund. Diese hatten mit wenigen Soldaten und kleinsten Einheiten auch größere Schiffseinheiten beschädigen und versenken können und darüber hinaus massive gegnerische Kräfte gebunden. Dönitz sah daher in eigenen Kleinkampfmitteln eine kostengünstige Möglichkeit, die deutsch besetzten Küsten mit einem Sperrnetz aus schnell herzustellenden kleinen Einheiten zu überziehen, um so eine mögliche Invasion der „Festung Europa“ schwer zu behindern oder gar abwenden zu können.
Während einer Besprechung zum Amtsantritt Dönitz’ am 30. Januar erfolgte die Erwähnung des potentiellen Nutzens von Kleinkampfverbänden. In derselben Besprechung äußerte Dönitz auch den Wunsch, dass die Aufstellung derartiger Kleinkampfverbände unter der Leitung von Konteradmiral Hellmuth Heye erfolgen solle. Da dieser jedoch von seinem Posten als Stabschef des Marinegruppenkommandos Nord vorerst nicht abkömmlich war, wurde Vizeadmiral Eberhard Weichold zunächst mit der Planung und Aufstellung betraut. Während der Planungsphase, bei der auch erstmals der Begriff „K-Verbände“ gebraucht wurde, wurden folgende Schwerpunkte gesetzt, um den Aufbau der Verbände zu forcieren:
- Entwicklung und Bau eines brauchbaren Kleinst-U-Bootes nach britischem Muster sowie dessen Einsatz bei gezielten Einzelunternehmungen
- Entwicklung von mehreren kleinen Torpedoträgern für verschiedene Verwendungszwecke, darunter auch kleine Schnellboote nach dem Vorbild der italienischen Sprengboote
- Fortsetzen der Aufstellung und Ausbildung von Marineeinsatzkommandos (M.E.K.s), die als Stoßtrupps nach britischem Vorbild von kleinen Schiffen und U-Booten aus Angriffe auf feindliche Küstenobjekte wie Radarstationen, Geschützstellungen und Hafeneinrichtungen durchführen sollten.
Am 20. April 1944 übernahm Heye als Admiral der Kleinkampfverbände und Generalreferent Sonderkampfmittel im OKM die Führung der K-Verbände. Die hierfür geschaffene Dienststelle erhielt die Bezeichnung "Kommando der Kleinkampfverbände" und hatte ihr Stabsquartier in Timmendorfer Strand (Tarnname Strandkoppel). Nachdem Weichold bereits eine grobe Struktur für die künftigen Kleinkampfverbände geschaffen hatte, musste Heye diese nur noch verfeinern. Er legte den Fokus deshalb nun auf die möglichst schnelle Ausrüstung der Verbände mit geeigneten Mitteln und die Rekrutierung weiterer Freiwilliger. Eine von ihm gebildete Kommission bereiste ausgewählte Ausbildungsstandorte für Offiziere und Unteroffiziere und warb als geeignet erscheinende Personen an.
Dem Kommando der Kleinkampfverbände mit Führungsstab, Quartiermeisterstab, Gericht der K-Verbände, Personalbüro, wissenschaftlicher Abteilung und technischer Abteilung waren unterstellt:

Die Einstellungs-, Aufstellungs- und Ausbildungsabteilungen einschl. MEK-Ausbildungsabteilungen mit Ausbildungs- und Bereitstellungslagern und K-Stützpunkten Lehrkommandos Versuchskommandos
Marineeinsatzkommandos K-Regiment / K-Stäbe / K-Divisionen / K-Flottillen Fahrzeuge des Verbandes
Marinewetterwarte und meteorologisch-ozeanographische Arbeitsgruppe des Kriegsmarine    

 

Für die einzelnen Einsatzgebiete wurden K-Stäbe als taktische Führungsstäbe gebildet. In Holland und zum Teil in Norwegen ersetzten Anfang 1945 K-Divisionen diese K-Stäbe. Die K-Divisionen hatten bzw. sollten auch truppendienstliche Funktionen (im Gegensatz zu den bisherigen K-Stäben) haben, jedoch ist es zu einer allgemeingültigen Organisationsform nicht gekommen. Ursprünglich sollten die K-Divisionen alle Kleinkampfmittel betreuen, die im jeweiligen Divisionsbereich eingesetzt waren. Entsprechend sollte beim Stab jeder K-Division für jedes Kleinkampfmittel ein Einsatzleiter kommandiert werden. Im holländischen Raum jedoch erfasste in Abänderung dieses geplanten Organisationsschemas die 5. K-Division nur Seehunde, während die übrigen Kleinkampfmittel in der 4. K-Division zusammengefasst waren. Entsprechend waren die Divisionsstäbe verschieden besetzt.

 

2. Admiral der Kleinkampfverbände

20. April 1944 Vizeadmiral Hellmuth Heye