Schnellbooteinheiten

 

Schnellboote sollten durch ihre Wendigkeit und ihre Schnelligkeit in der Lage sein, große Flotteneinheiten mit Hilfe von Torpedos mit Erfolg zu bekämpfen. Ihre relativ kleine Größe sollte ihre Bekämpfung zudem erschweren. Die deutsche Schnellbootwaffe war nach dem Ersten Weltkrieg komplett aufgelöst worden und erst 1923 begann man in der Reichsmarine wieder mit der Planung einer neuen Schnellbootswaffe. Verschleiert wurde mit der Erstellung der Pläne für den Bau der ersten Boote begonnen. Außerdem wurden mehrere schnelle Motorboote angeschafft. Um Personal für die neue Waffe ausbilden zu können, wurde der "Deutsche Hochseesportverband <Hansa> e.V." gegründet. Dort wurde in sechswöchigen Kursen jungen Leuten die technischen und seemännischen Grundkenntnisse vermittelt. Im August 1925 fand dann die erste Übung mit den ersten vier versteckt angeschafften Booten statt. Die Boote wurden eingehend untersucht und auch die taktischen Möglichkeiten waren Gegenstand der Untersuchungen. 1926 wurden die vorhandenen alten Boote mit neuen Motoren ausgestattet. Im Frühjahr 1927 wurde entschieden, diese Boote in Kiel zu stationieren und noch im selben Jahr als Halbflottille mit der veralteten "Nordsee" als Tender in Dienst zu stellen. 1925/26 wurden auch die ersten neuen Versuchsboote gebaut. Ab 1932 bildete es mit sieben verbliebenen Booten aus dem Ersten Weltkrieg und inzwischen vier neu hinzugekommenen Booten die 1. S-Flottille.[4] Gleichzeitig wurde die offizielle Typbezeichnung „Schnellboot“ eingeführt.

Das erste Boot, das zur vollen militärischen Verwendung in Auftrag gegeben wurde, war UZ (S) 16. Das Boot wurde bei der Lürssen-Werft gebaut und hatte 51,6 t Einsatzverdrängung. Angetrieben von drei Daimler-Benz Bfz-12-Zylinder-V-Ottomotoren und einem Maybach-Motor für die Marschfahrt. Die Höchstgeschwindigkeit des Bootes lag mit 34,2 kn noch deutlich unter den geforderten 40 kn. Am 16. März 1932 wurde das Boot dann in "S 1" umbenannt. Nach und nach wurde das Boot modifiziert und bildete die Grundlage für die nachfolgenden Entwicklungen. Es zeigte sich, dass Holz für den Bootsrumpf das beste Material war.

Die neuen Schnellboote wurden von drei Ottomotoren mit zusammen 3000 PS auf drei Schrauben angetrieben und hatten etwa 40 Tonnen (t) Verdrängung, zwei Torpedorohre und liefen circa 37 kn. Der Linienriss des Rumpfes erwies sich als sehr gelungen und wurde bei allen Booten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges beibehalten. Da bei den Ottomotoren aufgrund von Benzindämpfen ein erhöhtes Risiko von Bränden und Explosionen bestand, erhielten die nachfolgenden Bauten erstmals die wesentlich sichereren Dieselmotoren. Ein weiterer Vorteil lag im geringeren Verbrauch der Dieselmotoren. Dieser ermöglicht eine größere Reichweite von bis zu 700 Seemeilen. Zuerst experimentierte man mit 7-Zylinder-Reihenmotoren von MAN und 20-Zylinder-V-Motoren von Daimler-Benz. Da sich letztere als deutlich brauchbarer erwiesen, wurde die Motorenbaureihe MB 501 mit 2000 PS zum Standardmotor für deutsche Schnellboote. Die Höchstgeschwindigkeit mit diesen Motoren lag bei 39 kn. Im Rahmen der Weiterentwicklung zum MB 518 wurden die Motoren durch Aufladung auf eine Leistung von 2500 PS gebracht und damit die Höchstgeschwindigkeit auf 42 kn erhöht. Mit dieser Motorisierung erweiterte sich der Aktionsraum auf die gesamte Nordsee und Ostsee bis hinauf in den Finnischen Meerbusen.

Die deutsche Kriegsmarine stellte während des Zweiten Weltkriegs insgesamt 14 Schnellboot-Flottillen auf, die anfangs truppendienstlich dem Führer der Schnellboote unterstanden.

Die deutschen Schnellboote, die im Zweiten Weltkrieg schließlich eine Länge von etwa 35 m und ein Gewicht von 100 t hatten, erhielten (ab S 26) zwei zur Verbesserung der Seefähigkeit in der Back eingebaute Torpedorohre mit charakteristischen Aussparungen für die Klappen der Torpedorohre und (ab S 68) eine Brücke. Dazu kamen mehrere leichte Rohrwaffen verschiedenen Kalibers, deren Anzahl während des Krieges laufend zunahm. Ab der mit S 100 beginnenden Bauserie hatten die Boote eine mit 10 bis 12 Millimeter Wotan-Stahl gepanzerte Kalottenbrücke, um zumindest das Brückenpersonal vor der Waffenwirkung von Tieffliegern zu schützen. Der Rumpf war in Komposit-Bauweise mit Spantengerüst aus einer Aluminiumlegierung und mehrlagiger Holzbeplankung (Diagonalkraweel) gebaut. Diese Schnellboote, von denen über 200 Exemplare zum Einsatz kamen, griffen vor allem nachts die Küstenschifffahrt um die britischen Inseln an, wurden aber auch über Autostraßen und auf Binnenwasserstraßen ins Mittelmeer und das Schwarze Meer verlegt.

Bis Kriegsende stieg die Zahl der im S-Boot-Einsatz stehenden Männer auf 7.500 Mann. Davon fielen 767 Mann, 620 wurden verwundet und 322 gerieten in Gefangenschaft.

 

1. Schnellboot-Division

 

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