Armeeveterinäre

 

Bei Kriegsbeginn wurde zu jedem Armeeoberkommando ein Armeeveterinär als Leitender Veterinäroffizier mit einer Veterinärabteilung (IV c) geschaffen. Dabei wurde im späteren Kriegsverlauf nicht zwischen den Armeeoberkommandos, den Gebirgs-Armeeoberkommandos oder den Panzer-Armeeoberkommandos unterschieden. Der Armeeveterinär stand im Rang eines Generalstabsveterinärs oder Generalveterinärs und hatte folgende Aufgaben:
"In der Hand des Armeeveterinärs liegt in erster Linie die vorausschauende Seuchenvorbeuge und die Seuchenbekämpfung im Armeegebiet. Er veranlasst bzw. trifft hierzu insbesondere auch alle für die erbeuteten Tiere und für die Beaufsichtigung der Tierbestände der Zivilbevölkerung erforderlichen Maßnahmen.  Er veranlasst bzw. trifft Anordnungen jeder Art zur Förderung der Veterinärhygiene. Er wirkt im Einvernehmen mit dem Armeeintendanten mit bei der veterinären Lebens- und Futtermittelüberwachung in den Armeeverpflegungsämtern, -Lagern usw. Ihm obliegt die fachliche Überwachung der Schlächtereiverbände bzw. -Einheiten der Armee.  Er bearbeitet den Einsatz der Veterinärtruppen der Armee. Er sorgt für ständige Aufnahmefähigkeit der Armeepferdelazarette.
Er veranlasst den Abschub kleiner Pferdetransporte (bis zu 50 Pferden) aus den Armeepferdelazaretten unter unmittelbarer Anmeldung in das nächstgelegene Heimatpferdelazarett oder in eine rückwärtige Lazarettbasis.
Er meldet sämtliche größeren Transporte - über 50 Pferde - dem Veterinärinspekteur im Oberkommando des Heeres fernmündlich oder durch Fernschreiben unter Angabe von Ort und Zahl unmittelbar zum Abholen an. Er schlägt dem Oberquartiermeister erforderlichenfalls Anträge an den Oberquartiermeister der Heeresgruppe bzw. an den Generalquartiermeister auf Zuteilen weiterer Veterinärtruppen für die Armee vor.
Er bearbeitet für die Armee die Angelegenheiten des Veterinärpersonals, den Ausgleich der Veterinäroffizierstellenbesetzung und macht über Heeresgruppenveterinär dem Heeresveterinär Vorschläge auf anderweitige Besetzung der Stellen der Leitenden Veterinäroffiziere. Er bearbeitet die Angelegenheiten des Hufbeschlagpersonals.
Er bearbeitet den Pferdeersatz und das Erfassen der Pferdebestände der Zivilbevölkerung im Armeegebiet, der Beutepferde und regelt ihre Verteilung. Er sorgt dafür, dass der Nachschub an Veterinärgerät gesichert ist. Er regelt den Veterinärdienst bei den Armeetruppen"

Dem Armeeveterinär stand für die Erfüllung seiner Aufgaben die Abteilung IV c im jeweiligen Armeeoberkommando zur Verfügung. Die Veterinäroffiziere der Abteilung IV c hatten im Allgemeinen folgende Aufgaben:

a) Adjutant: Stärken und Gliederung der Veterinärtruppen; Lagekarte; Personalveränderungen und -Meldungen; Ausarbeitung von Anträgen, Einzelbefehlen und Beiträgen zu den besonderen Anordnungen; Einsatz und Verlegung der Veterinärdienste (mit d); Geschäftszimmerbetrieb und -Personal.
b) Beratender Veterinärhygieniker: Tierhygiene; Seuchenbekämpfung und -Berichterstattung; bewegliche Tierblutuntersuchungsstellen; Erfahrungsberichte; ziviler Veterinärdienst im Operationsgebiet; Seuchenlazarette; Lebensmittelüberwachung; Tierkörperverwertung
c) Beratender Veterinärchirurg: Krankenbehandlung und -Berichterstattung, Armeepferdelazarette und Veterinärkompanien; Gasschutz der Heerestiere; Hufbeschlag
d) 2. Veterinäroffizier: Abschub und Nachschub von Pferden; Nachschub von Veterinärgerät; Veterinärparke; Pferdetransportkolonnen; Pferdeparke; monatliche Erfahrungsberichte

Zu Kriegsbeginn gehörten zu jeder Armee folgende Veterinärtruppen: drei Armeepferdelazarette, zwei bewegliche Tierblutuntersuchungsstellen, ein Veterinärpark, zwei Armeepferdeparke und sechs Pferdetransportkolonnen. (Ausnahme: 3. Armee) Dazu kamen je Armee zwei Schlächtereizüge. Im Oktober 1939 wurden diese, bisher den Armee-Oberkommandos fest zugeteilten Armeetruppen in die Heerestruppen überführt und vom OKH / Generalquartiermeister je nach Bedarf den Armeen zugeteilt.

 

Literatur und Quellen:

Wilhelm Zieger: Das deutsche Heeresveterinärwesen im Zweiten Weltkrieg, Verlag Rombach Freiburg, 1973