Freiherr von Mauchenheim genannt Bechtolsheim, Gustav Maria Benno

 

* 16. Juni 1889, München

† 25. Dezember 1969, Nonnenhorn

 

Gustav Freiherr von Mauchenheim genannt Bechtolsheim trat am 15. Juli 1907 als Fahnenjunker in die Königlich Bayerische Armee ein. Er kam dabei zum Königlich Bayerisches Infanterie-Leibregiment. In diesem wurde er am 26. Mai 1909 zum Leutnant befördert. Am 18. August 1916 wurde er zum Hauptmann befördert. Im Ersten Weltkrieg wurde er neben beiden Eisernen Kreuzen noch mit anderen Orden ausgezeichnet. Nach dem Krieg wurde er in das Reichsheer übernommen. Dabei kam er beim Übergangsheer im Frühjahr 1920 zum Reichswehr-Schützen-Regiment 42. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr kam er dann zum 19. (Bayer.) Infanterie-Regiment. Am 1. Oktober 1921 wurde er bei diesem als Kompaniechef eingesetzt. Zumindest zwischen 1924 und 1926 war er Chef der 12. (MG.) Kompanie vom 19. (Bayer.) Infanterie-Regiment in München. Im Frühjahr 1927 und 1928 wurde er als Chef der 13. (Minenwerfer) Kompanie vom 19. (Bayer.) Infanterie-Regiment in München eingesetzt. Im Frühjahr 1929 wurde er beim Stab des Ausbildungs-Bataillons vom 19. (Bayer.) Infanterie-Regiment in Landshut eingesetzt. Am 1. Oktober 1929 wurde er dort zum Major befördert. Als solcher wurde er bei der Kommandantur Cuxhaven eingesetzt. Ab Frühjahr 1931 wurde er als Kommandeur des II. Bataillons vom 20. (Bayer.) Infanterie-Regiment in Ingolstadt eingesetzt. Als solcher wurde er am 1. Oktober 1933 zum Oberstleutnant befördert. Am 1. September 1935 wurde er zum Oberst befördert. Am 1. September 1936 wechselte er zu den Ergänzungsoffizieren und wurde dann als Oberst (E) bezeichnet. Er wurde jetzt die nächsten Jahre als Ausbildungsleiter Heidelberg eingesetzt. Bei der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg im Sommer 1939 wurde er zum Kommandeur vom Infanterie-Regiment 404 ernannt. Mit diesem bezog er dann nach der Aufstellung Stellungen im Westen. Anfang Mai 1941 übernahm er die Führung über die neue 707. Infanterie-Division. Am 1. Juni 1941 wurde er wieder aktiviert. Am 1. August 1941 wurde er zum Generalmajor befördert. Noch im Sommer 1941 verlegte er mit der Division an die Ostfront. Dem Wehrmachtbefehlshaber im Reichskommissariat Ostland, später dem Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes der Heeresgruppe Mitte sowie dem Korück 532 der 2. Panzerarmee im Raum Brjansk unterstellt, war die Division zur "Sicherung und Befriedung" des rückwärtigen Frontgebietes eingesetzt. Wie zahlreiche Befehle belegen, war Gustav Freiherr von Mauchenheim ein radikaler Antisemit. Er trug eine hohe Verantwortung für die Beteiligung seiner Division an Massenmorden an Juden, welche die Division verübte. So lautete einer seiner Befehle: "Wo kleinere oder größere Judengruppen auf dem lande angetroffen werden, können sie entweder selbst erledigt oder aber in Ghettos an einzelnen größeren Orten (...) zusammengebracht werden". Bis Dezember 1941 wurden unter seiner Führung 19.000 Personen durch Angehörige der 707. Infanterie-Division, des Reserve-Polizei-Bataillons 11 und ein litauisches Schutzmannschaftsbataillon erschossen. Am 22. Februar 1943 gab er sein Kommando ab. Er wurde jetzt in die Führerreserve versetzt. Am 1. April 1943 wurde er zum Inspekteur der Wehrersatz-Inspektion Heidelberg ernannt. Diese Funktion behielt er dann bis Kriegsende.
Nach Kriegsende wurde 1961 aufgrund der Aussage eines ehemaligen Polizeikommandeurs, der Bechtolsheim beschuldigte Judenmorde befohlen zu haben, gegen Bechtolsheim ermittelt. Bechtolsheim stritt die Anschuldigungen mit dem Argument ab, seine Division hätte weder an Judenmorden teilgenommen noch diese an Polizeieinheiten delegiert. Der Untersuchungsrichter sowie die Staatsanwaltschaft meinten, dass nach allgemeiner Erfahrung die Wehrmacht nicht an Judenaktionen beteiligt gewesen wäre, und so wurde das Ermittlungsverfahren gegen Bechtolsheim im März 1962 eingestellt. Bis zu seinem Tod lebte Bechtolsheim unbehelligt in Bayern.

Er war nicht näher verwandt mit den Brüdern, General der Artillerie Anton-Reichard Freiherr von Mauchenheim genannt Bechtolsheim, bzw. Kapitän zur See Theodor Freiherr von Mauchenheim genannt Bechtolsheim.

 

Literatur und Quellen:

Ders.: Extreme Normalität. Generalmajor Gustav Freiherr von Mauchenheim gen. Bechtolsheim. Umfeld, Motive und Entschlussbildung eines Holocaust-Täters. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Nr. 51 (2003)

Ders.: Gustav Freiherr von Mauchenheim, genannt Bechtolsheim – ein Wehrmachtsgeneral als Organisator des Holocaust. In: Klaus-Michael Mallmann, Gerhard Paul (Hrsg.): Karrieren der Gewalt. Nationalsozialistische Täterbiographien. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2. Aufl., Darmstadt 2004

Peter Lieb: Täter aus Überzeugung? - Oberst Carl von Andrian und die Judenmorde der 707. Infanterie-Division 1941 / 42. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte. Im Auftrag des Institutes für Zeitgeschichte München, Heft 4, Oktober 2002