Koller, Karl
| * 22. Februar 1898, Glonn bei München + 22. Dezember 1951, Glonn bei München |
Karl Koller war der Sohn des Sicherheitskommissär der Polizei Josef Koller.
Im Frühjahr 1914 zog er mit einem Schulkameraden nach England. Ende Juli 1914
konnte er kurz vor Kriegsausbruch mit dem letzten Schiff nach Deutschland
zurückkehren. Anschließend trat er am 11. August 1914 als Kriegsfreiwilliger in
das Rekruten-Depot des bayerischen Eisenbahn-Ersatz-Bataillons ein. Nach seiner
Grundausbildung wurd eer als Kraftwagenführer bei der bayerischen
Kraftfahr-Ersatz-Abteilung, bei der Kommandantur Lechfeld, bei der Armeegruppe
von Lochow und beim Kommandeur der Pioniere der 8. bayerischen
Infanterie-Division eingesetzt. Am 16. Januar 1916 wurde er auf eigenen Wunsch
zur Fliegerersatz-Abteilung 1 nach Schleißheim versetzt, wo er zum
Flugzeugführer ausgebildet wurde. Ab dem 4. April 1916 war er dann als
Flugzeugführer in der Kampfstaffel 34 eingesetzt. Von Mai bis November 1917
folgte die Kommandierung zur Fliegerschule 1 bzw. 4 und bis Dezember 1917 zum
Armeeflugpark 3. Hier wurde er im August 1917 noch zum Gefreiten befördert. Ab
Dezember 1917 war er dann als Flugzeugführer bei der Flieger-Abteilung 273
(Artillerie) und ab dem 28. Februar 1918 bei der Flieger-Abteilung 47
eingesetzt. Am 27. Februar 1918 war er zum Vizefeldwebel befördert worden. Vom 3. April bis 25. Mai 1918 war er zur Jagdstaffelschule 2
kommandiert und anschließend wurde er als Flugzeugführer in der Jagdstaffel 76.
Am 25. Mai 1918 wurde er bei einem Feindflug abgeschossen und geriet in
britische Gefangenschaft, aus der er im Dezember 1919 entlassen wurde.
Nach seiner Rückkehr in die Heimat trat Koller in die Fußstapfen seines Vaters
und trat in die bayerische Landespolizei ein. Er wurde Flugzeugführer bei der
Polizei-Fliegerstaffel 1. Der Fliegerei blieb er auch außerberuflich treu und
widmete sich im „Bayerischen Aero Club“ dem Segelflug. 1921 vertrat er das Land
Bayern beim Segelflugwettbewerb in der Rhön mit einer Versuchskonstruktion
seines Glonner Mitbürgers Emeran Stadler, die ohne die üblichen Höhen-, Seiten-
und Querruder auskam: die Steuerung erfolgte nur über die Tragflächen. Mit 640
Meter konnte er dabei am 15. August 1921 die bis dahin längste Flugstrecke eines
Segelflugzeuges erreichen, dieser Rekord wurde kurz darauf von einem
Konkurrenten erobert. Schon am 20. August 1921 stellte er aber mit dem
neuerlichen Weltrekord von 1900 Metern zwischen Start- und Landestelle eine neue
Hürde auf, die Flugdauer betrug vielbeachtete drei Minuten. Fünf Tage später
konnte er eine weitere Leistung zeigen: den ersten vollständigen Kreis (und eine
weitere Kurve von 180°) ohne Höhenverlust mit einem Segelflugzeug. Diese Flüge
brachten ihm weltweite Aufmerksamkeit ein, er erhielt Lehr- und Vorführaufträge
aus England, Frankreich, der Schweiz und anderen Ländern. Dabei kam er auch mit
dem Flieger Ernst Udet in freundschaftlichen Kontakt. Ab dem 1. Oktober 1922
diente er als Zugführer und Ausbilder bei der Landespolizei München, wo er am
30. Oktober 1922 zum Polizei-Leutnant und am 1. August 1925 zum
Polizei-Oberleutnant befördert wurde. 1928 wurde er dann Adjutant des
Abschnitts-Kommandos III der Landespolizei München. Gleichzeitig absolvierte er
eine Führergehilfenausbildung. Ab 1932 diente er dann als Lehrer an der
Polizei-Offizier-Schule München und zugleich im Landespolizei-Führungsstab. Am
1. August 1935 trat er als Hauptmann in die Luftwaffe ein und absolvierte einen
Beobachter-Lehrgang in Faßberg. Ab dem 1. November 1935 war er an die
Luftkriegsschule in Berlin-Gatow kommandiert, um anschließend ab dem 1. März
1936 das Kommando über eine Staffel beim Kampfflieger-Lehrgang Jüterbog und
Oldenburg zu übernehmen. Am 1. August 1936 folgte die Beförderung zum Major. Vom
1. Dezember 1936 bis zum 31. Dezember 1937 war er erneut an die
Luftkriegsakademie in Berlin-Gatow kommandiert Anschließend wurde er Ia im Stab
des Luftkreis-Kommandos V eingesetzt und am 1. Juli 1938 folgte die Versetzung
als Ia in den Generalstab des Luftwaffengruppen-Kommandos 3. Ab dem 1. Februar
1939 war er dann Chef des Generalstabes der Luftflotte 3 und am 1. Oktober 1939
folgte die Beförderung zum Oberstleutnant sowie am 1. Januar 1941 die zum
Oberst. Am 10. April 1942 wurde ihm aufgrund seiner Verdienste beim Durchbruch
der deutschen Schlachtschiffe durch den Ärmelkanal das Ritterkreuz des Eisernen
Kreuzes verliehen. Am 1. März 1943 wurde er dann zum Generalmajor befördert.
Anlässlich der Umbildung der Luftwaffenspitze nach dem Selbstmord des
Generalstabschefs Hans Jeschonnek wurde Koller am 4. September 1943 zum Chef des
Luftwaffenführungsstabes ernannt und am 1. Dezember 1943 zum Generalleutnant
befördert. Als der neue Generalstabschef Günther Korten im Juli 1944 der Bombe
des Grafen Stauffenberg zum Opfer fiel, wäre Koller der logische Nachfolger
gewesen, wurde von Göring jedoch zugunsten des Generals der
Fliegerausbildung Werner Kreipe übergangen, den der Reichsmarschall für leichter
kontrollierbar hielt. Koller selbst wurde bei dem Attentat ebenfalls verletzt,
so dass er sein Amt als Chef des Luftwaffen-Führungsstabes aufgeben musste und
nach einem Lazarett-Aufenthalt in die Führerreserve versetzt wurde. In der
Zwischenzeit erwies sich General Kreipe jedoch als überfordert, so dass sich
Göring dazu gezwungen sah, Koller am 1. November 1944 schließlich doch noch zum
Chef des Generalstabes der Luftwaffe zu ernennen. Gleichzeitig erfolgte seine
Beförderung zum General der Flieger. Bei Kriegsende geriet er in Gefangenschaft,
aus der er im Dezember 1947 entlassen wurde. Nach seiner Entlassung kehrte
Koller nach Glonn zurück und wurde er als VW–Vertreter in München tätig. 1949
veröffentlichte er unter dem Titel "Der letzte Monat" sein persönliches
Kriegstagebuch. Im nächsten Jahr wählte ihn der Verband Deutscher Soldaten in
Bayern zum Vorsitzenden. Am 22. Dezember 1951 jedoch verstarb Koller im Alter
von 53 Jahren an Herzleiden in Glonn und wurde am 25. Dezember beigesetzt.
Ritterkreuz (10. April 1942)
Literatur und Quellen:
Krug, Ottomar Deutsche Generale 1918-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur
MSG 109
Absolon, Rudolf, (Bearb.), Rangliste der Generale der Deutschen Luftwaffe nach
dem Stand vom 20. April 1945. Mit einer Stellenbesetzung der Kommandobehörden
der Luftwaffe vom 1. März 1945, Dienstalterslisten der Sanitätsoffiziere usw. im
Generalsrang sowie Kurzbiographien über den Reichsmarschall und die
Generalfeldmarschälle. (Friedberg, Podzun-Pallas, 1984)
Karl Friedrich Hildebrandt: Die Generale der Luftwaffe 1935–1945, Band 3: O-Z,
Biblio Verlag, Osnabrück 1993
Karl Koller: Der letzte Monat. 14. April - 27. Mai 1945. Tagebuchaufzeichnungen
des ehemaligen Chefs des Generalstabs der Luftwaffe. Frankfurt/Main, Berlin 1995