Lindner, Gerhard
| * 26. Dezember 1896, Bautzen + 4. Juni 1982, Aurich |
Gerhard Lindner war der Sohn des Bautzner Bürgermeisters Eduard Lindner und
dessen Ehefrau Rosa. Er trat am 22. August 1914 als Fahnenjunker in das
Königlich Sächsische 4. Infanterie-Regiment Nr. 103 ein. Nach seiner
Grundausbildung zog er zu seinem Regiment an die Westfront. Im Krieg wurde er
als Zugführer, Bataillons-Adjutant und Regiments-Adjutant eingesetzt und viermal
verwundet. Nach
Kriegsende wurde er am 30. Juni 1919 aus dem Militärdienst entlassen. Nach
seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst war Gerhard Lindner als Landwirt tätig.
Am 1. Dezember 1935 wurde er als Hauptmann (E)* im Stab der
Wehr-Ersatz-Inspektion Schwerin angestellt. Am 1. Mai 1937 kam er in den Stab
der Landwehr-Kommandantur Stargard. Am 1. Mai 1938 wurde Lindner Kompaniechef im
Infanterie-Regiment 48 und am 1. November 1938 in das aktive Offizierskorps
übernommen. Am ersten Tag der Mobilmachung, am 26. August 1939, wurde er
Kompaniechef der 7. Kompanie im neu aufgestellten Infanterie-Regiment 172. Das Regiment lag im
Herbst und Winter 1939 in der Saarpfalz. Am 1. Dezember 1939 zum Major
befördert, wurde er am gleichen Tag Adjutant im Stab der 162.
Infanterie-Division. Mit der Division nahm er 1940 am Westfeldzug und ab Juni
1941 am Feldzug gegen Rußland teil. Am 1. Januar 1942 übernahm er das Kommando
über das II. Bataillon des Infanterie-Regiments 167, das im Raum Rshew eingesetzt
war. Am 15. Februar 1941 erhielt er von seinem Divisionskommandeur folgende
Beurteilung:
"Harte Soldatennatur, vornehmer Charakter. Begabt und von reifem Urteil.
Vorzüglich durchgebildet. Hat viel Verständnis für die Truppe. Erziehungs- und
Ausbildungstalent. Sehr tapferer Führer. Vortrefflicher Adjutant und auch als
Bataillonsführer voll bewährt." Am 1. März 1942 wurde er zum Oberstleutnant befördert.
Am 1. April 1942 wurde er mit der Führung des Infanterie-Regiments 459 betraut und am 1. Mai 1942
zum Kommandeur des Infanterie-Regiments 167 ernannt. Das Regiment war das ganze Jahr
über im Raum Rshew eingesetzt. Am 1. Dezember 1942 wurde er zum Oberst befördert
und am 7. Februar 1943 mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Am 12.
November 1943 wurde Oberst Lindner zur Skijäger-Brigade 1 versetzt. Am 26.
November 1943 wurde er durch den kommandierenden General des XXXXVI. Panzerkorps
wie folgt beurteilt:
"Oberst L. hat sich als Regiments-Kommandeur sehr bewährt und steht über dem
Durchschnitt der Regiments-Kommandeure. In außerordentlich kritischer Lage wurde
er mit der Führung eines Regiments beauftragt. Auch hier hat er sich unter
schwierigsten Verhältnissen als Regiments-Kommandeur bewährt. Er hat aber nicht
Eigenschaften gezeigt, die ihn schon jetzt als Divisions-Kommandeur
uneingeschränkt geeignet erscheinen lassen. Geeignet zum Divisionskommandeur
nach weiterer Förderung." Am 12. November 1943 folgte seine Versetzung in die
Führerreserve. Am 19.
April 1944 folgte seine Versetzung als IIa in den Stab der 1. Armee und am 1.
Mai 1944 kam er als IIa in den Stab der Heeresgruppe G. Zwischen dem 21. November und
20. Dezember
1944 besuchte er einen Lehrgang für höhere Truppenführer in Hirschberg /
Schlesien. Nach Beendigung des Lehrgangs wurde er in die Führerreserve versetzt
und am 1. Februar 1945 mit der Führung der 346. Infanterie-Division beauftragt.
Die Division kämpfte zu diesem Zeitpunkt in den Niederlanden. Am 20. April 1945
folgte seine Beförderung zum Generalmajor und seine Ernennung zum Kommandeur der
346. Infanterie-Division. Noch am 5. Mai 1945 wurde Gerhard Lindner mit dem
Ritterkreuz ausgezeichnet. Mit der Division ging er bei Kriegsende im Raum
Arnheim in britische Gefangenschaft, aus der er am 1. Juli 1947 entlassen wurde.
*Ausgeschiedene ehemalige Offiziere wurden oft als zivile Angestellte der (schwarzen) Reichswehr in "Landesschutzangelegenheiten" beschäftigt (L-Angestellte). Ab dem 1. Oktober 1933 taten diese als sog. L-Offiziere (L = Landsschutz; nicht Landwehr) Dienst in Kommandostellen der Reichswehr, trugen weiterhin Zivil und hatten an ihrem Rang ein "a.D." Das war wie eine eigene Laufbahn mit eigener Besoldung neben dem aktiven Offizierskorps. Am 5. März 1935 erfolgte die Umbenennung in E-Offiziere für Ergänzungsoffizierskorps. Hier trugen die Ränge dann ein (E) als Zusatz. Diese Offiziere wurden nur in bestimmten Bereichen, meist Innendienst eingesetzt und machten während der Aufrüstung aktive Offiziere frei für andere Verwendungen.
Literatur und Quellen:
Ottomar Krug: Die Generale der Wehrmacht 1918 - 1945, Bundesarchiv Freiburg, Sig. MSG 109/10849
Dermot Bradley, Karl-Friedrich Hildebrand, Markus Röverkamp: Die Generale des Heeres 1921–1945. Die militärischen Werdegänge der Generale, sowie der Ärzte, Veterinäre, Intendanten, Richter und Ministerialbeamten im Generalsrang. Band 7: Knabe–Luz. Biblio-Verlag, Bissendorf 2004