Ritter von Niedermayer, Prof. Dr. phil. Oskar Friedrich Georg Hermann
| * 8. November 1885, Freising † 25. September 1948, Wladimir (Sowjetunion) |
Oskar Niedermayer war der Sohn vom Geheimen Rat Friedrich Niedermeyer und dessen Ehefrau Emma, geborene Vogel. Er trat nach seinem Abitur am Humanistischen Gymnasium in München am 15. Juli 1905 als Fahnenjunker in die Königlich Bayerische Armee ein. Er kam dabei zum 10. Königlich Bayerisches Feldartillerie-Regiment nach Erlangen. Nach dem Besuch der Kriegsschule wurde er am 8. März 1907 bei seinem Regiment zum Leutnant befördert. 1909 bis 1911 besuhte er die Artillerieschule. Er begann nebenbei von 1910 bis 1912 auch ein Studium an der Universität in Erlangen. 1912 bis 1914 unternahm er eine Forschungsreise nach Persien. Am 7. Januar 1914 wurde er zum Oberleutnant befördert. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges zog er dann mit seinem Regiment an die Westfront. Er wurde aber bereits nach wenigen Tagen durch das Auswärtige Amt angefordert, um an einer deutsch-türkischen Expedition teilzunehmen, um in einigen Ländern antibritische und antirussische Bewegungen anzufachen. Der Anforderung wurde durch das Bayerische Kriegsministerium entsprochen. Ende 1912 traf er in Alleppo mit den anderen Teilnehmern der Expedition zusammen. Auch sein Bruder Fritz gehörte als Expeditionsarzt mit dazu. Zuerst führte ihn der Weg nach Afghanistan. Im Mai 1916 musste man aus verschiedenen Gründen die Hauptstadt Kabul verlassen. Am 17. August 1916 wurde er dann zum Hauptmann befördert. Außerdem hatte man ihm den Königlich Bayerischen Militär-Max-Joseph-Orden verliehen. Damit war der persönliche Adelstand verbunden, weshalb er fortan Oskar Ritter von Niedermayer hieß. Anfang 1917 begab er sich zur Berichterstattung nach Berlin. Im Sommer 1917 wurde er wieder in den Orient versetzt. Im Frühjahr 1918 kehrte er wieder nach Deutschland zurück. Das Kriegsende erlebte er dann als 2. Generalstabsoffizier (Ib) der 8. Reservedivision. Nach dem Krieg schloss er sich anfangs dem Freikorps Epp an. Außerdem studierte er von 1919 bis 1922 an der Universität München. Am 22. August 1919 schloss er seine Promotion zum Doktor der Philosophie ab. Er wurde dann als Hauptmann in das vorläufige Reichsheer übernommen. Beim 200.000 Mann-Übergangsheer im Frühjahr 1920 kam er dann als Adjutant zum Reichswehrminister Dr. Geßler. Bei diesem tat er auch nach der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr weiter Dienst. Er gehörte jetzt zur Heeres-Friedenskommission. Am 1. Oktober 1921 wurde er fälschlicherweise als Batterieoffizier im 7. (Bayer.) Artillerie-Regiment verzeichnet. Ende 1921 oder im Sommer 1922 schied er aus dem aktiven Dienst der Reichswehr aus. Dabei wurden ihm die Charakter als Major verliehen. Er diente der Reichswehr jedoch weiter als Vertreter der deutschen Wirtschafts- und Rüstungsinteressen im Ausland. Er heiratete am 24. November 1922 die etwas über ein Jahr jüngere Bertha Maria Siebert. Ab 1924 weilte er in der Sowjetunion, wo er bis 1931 unter einem Tarnnamen lebte. 1928 wurde ihm dann auch die Leitung der drei Versuchsstationen in Lipezk, Kasan und Saratow übertragen. Dort spielte sich die geheime Zusammenarbeit zwischen der Roten Armee und der Reichswehr ab. Am 1. Mai 1932 kehrte er als Major in den aktiven Dienst der Reichswehr zurück. Dort kam er jetzt zum 2. (Preuß.) Artillerie-Regiment. Von diesem wurde er zur Kommandantur Berlin kommandiert. Dort wurde er dann am 1. Oktober 1932 zum Oberstleutnant befördert. Am 31. Januar 1933 nahm er erneut seinen Abschied. Er schlug jetzt eine Universitätslaufbahn in Berlin ein. Am 31. Juli 1933 erreichte er seine Habilitation. Am 1. November 1933 trat er mit der Mitgliesnummer 1.801.063 in die NSDAP ein. 1936 wurde er dann zum ordentlichen Professor ernannt. Als solcher wurde er Anfang 1937 zum Direktor des Instituts für allgemeine Wehrlehre an der Universität Berlin ernannt. Am 1. Oktober 1938 kam er dann als Oberst zum Oberkommando der Wehrmacht. Ab dem Beginn des 2. Weltkrieges versuchte er dann ein Truppenkommando zu erhalten. 1942 erschien sein Buch "Wehrgeographie". Am 1. September 1942 wurde er dann zum Kommandeur des Divisionsstabes der aufgelösten 162. Infanterie-Division ernannt. Dieser wurde im Raum Stettin als Aufstellungs- und Ausbildungsstab für ausländische Freiwilligen-Verbände aus sowjetrussischen Kriegsgefangenen eingesetzt. Als solcher wurde er am 1. September 1942 zum Generalmajor befördert. Durch die Umbenennung des Stabes beim Ausbau zur Volldivision wurde er dann Mitte Mai 1943 zum Kommandeur der 162. (Turk.) Infanterie-Division ernannt. Im Frühjahr 1944 musste er sein Kommando abgeben, da sich seine Division auf dem italienischen Kriegsschauplatz nicht bewährt hatte. Er wurde dafür am 21. Mai 1944 zum Kommandeur der Osttruppen z.b.V. 703 beim Oberbefehlshaber West ernannt. Dort wurde er wegen Defätismus verhaftet und in das Wehrmachtsgefängnis nach Torgau eingeliefert. Er wurde dann von den Amerikanern befreit. Auf dem Weg in seine Heimat wurde er durch die sowjetischen Besatzungskräfte aufgegriffen und nach Russland verschleppt. Dort wurde er in der Lubjanka in Moskau eingesperrt. Er wurde dann zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er starb bereits im Herbst 1948 in Wladimir.