Ruggera, Camillo Luigi Maria

 

* 27. August 1885, Predazzo in Tirol

† 29. Januar 1947, Hof an der Saale

 

 

Kamillo Ruggera trat am 18. August 1904 von der Infanterie-Kadettenschule Innsbruck kommend als Kadett-Offiziers-Anwärter in das 3. k.u.k. Tiroler Kaiserjäger-Regiment ein. In diesem wurde der Sohn vom k.k. Gendarmeriewachtmeister Johann Ruggera und seiner Ehefrau Maria, geborene Prunner, am 1. November 1905 zum Leutnant befördert. Vom 10. Oktober 1909 bis zum 9. Oktober 1912 war er zur Kriegsschule Wien kommandiert, wo er am 1. November 1911 zum Oberleutnant befördert wurde. Nach seiner Kommandierung wurde er Generalstabs-Offizier der 94. Infanterie-Truppen-Brigade und ab dem 1. August 1914 bei der 94. Infanterie-Truppen-Division. Am 22. September 1914 wurde er dann Generalstabs-Offizier im Stab des V. Korps-Kommandos und am 7. Oktober 1914 bei der 66. Infanterie-Truppen-Brigade. Am 24. November 1914 musste er seinen Dienstposten nach einer Verwundung aufgeben. Im Lazarett folgte am 1. Januar 1915 seine Beförderung zum Hauptmann. Nach seiner Genesung kehrte er am 9. Februar 1915 als Generalstabs-Offizier zur 94. Infanterie-Truppen-Division zurück. Am 23. September 1915 kam er als Generalstabs-Offizier zur 12. Gebirgs-Brigade. Am 11. September 1916 erkrankte er schwer, so dass er erneut von der Front in die Heimat verlegt wurde. Am 12. November 1916 wurde er Generalstabs-Offizier beim Stab des XX. Korps-Kommandos und am 24. Januar 1917 in der Nachrichten-Abteilung des k.u.k. Armee-Oberkommandos. Ab dem 12. April 1917 diente er als Generalstabs-Offizier in der Operationsabteilung des k.u.k.Armee-Oberkommandos. Am 29. Oktober 1918 war er Parlamentär zur Anbahnung von Waffenstillstandsverhandlungen mit Italien. Danach wurde er in die Volkswehr übernommen. Er wurde dann auch in das neue österreichische Bundesheer übernommen, wo er am 3. Februar 1920 als Referent in die Abteilung für zwischenstaatlichen Verkehr im Staatsamt für Heerwesen versetzt wurde. Am 1. Januar 1920 war er bereits zum Major befördert worden und am 1. September 1920 wurde er Referent in der Abteilung 2 des Staatsamtes für Heerwesen und als solcher am 1. Januar 1921 zum Oberstleutnant befördert. Am 1. April 1921 wurde er Offizier beim Kommando der Truppenschulen im Ministerium für Heerwesen und am 1. September 1922 Chef des Stabes der 1. Brigade in Wien. Am 1. August 1926 wurde er der Heeres-Inspektion der Infanterie-Waffenschule zugeteilt und am 1. November 1926 Lehrer an der Infanterie-Waffenschule. Ab dem 1. November 1927 diente er beim Stab des Brigade-Kommandos 1 in Wien, wo er am 26. März 1928 zum Oberst befördert wurde. Ab dem 1. April 1928 war er Referent in der Abteilung 2 des Bundesministeriums für Heerwesen. Am 1. Februar 1929 wurde er als Nachfolger von Alfred Jansa zum Chef des Stabes der 3. Brigade in St. Pölten ernannt. Nachdem Alfred Jansa im Juli 1930 zum Kommandant der 3. Brigade in St. Pölten ernannt wurde, ließ er ihn als Chef des Stabes wegen Unfähigkeit ablösen. Sein Nachfolger wurde Franz Böhme. Zwischen dem 1. Februar 1931 bis zum 28. Februar 1932 war er dem Brigade-Kommando 3 zugeteilt, danach der Militär-Fachprüfungs-Kommission und dem Kriegsarchiv. Am 12. April 1933 trat er der NSDAP bei. Ab Mai 1933 war er wegen seiner nationalsozialistischen Gesinnung unter Wartegebühr (Wartegeld) beurlaubt, bis er am 28. Februar 1937, als einziger beurlaubter Generalstabsoffizier, in den Ruhestand verabschiedet wurde. Ab dem Herbst 1935 war er Stabsleiter der 6. SA-Brigade. Im gleichen Jahr trug er auch den Rang eines SA-Sturmhauptführers. Er wurde dann Stabsleiter der S-Gruppe, eine Spezialgruppe der 5. und 6. SA-Brigade. Am 15. März 1938 trat er nach dem Anschluß Österreichs in die deutsche Wehrmacht ein. Er kam dabei zum Heer und wurde Mitglied der Kommission für die Begutachtung der Reaktivierungsversuche bei der Abwicklungsstelle des Ministeriums für Landesverteidigung in Wien, wo er am 1. April 1938 zum Generalmajor befördert wurde. Am 1. Juni 1938 trat er in die Luftwaffe über und wurde er zum Stab des Luftwaffengruppen-Kommandos 1 versetzt. Ab dem 1. Februar 1939 gehörte er zum Stab der Luftflotte 1. Am 15. Mai 1939 folgte seine Kommandierung zum Wehrwirtschaftsstab im Oberkommando der Wehrmacht. Dort blieb er auch bei Ausbruch des 2. Weltkrieges im Sommer 1939 weiter eingesetzt. Am 28. September 1939 wurde er schließlich Kommandierender General und Befehlshaber vom neu aufgestellten Luftgau-Kommando II in Posen. Nach seiner Beförderung zum Generalleutnant am 1. Dezember 1940 wurde er am 20. Februar 1941 durch Generalleutnant Hellmuth Bieneck abgelöst. Dafür wurde er am 21. Februar 1941 als Offizier z.b.V. des Reichsluftfahrtministeriums und Oberbefehlshabers der Luftwaffe, der so genannten Führerreserve OKL zugeteilt. Am 24. Juli 1941 wurde er zum Inspekteur der Wehrersatz-Inspektion Düsseldorf ernannt. Am 30. November 1942 schied er auf eigenen Wunsch wegen eines Herzleidens aus dem Wehrdienst aus. Er wurde bis zum Ende des Krieges nicht wieder reaktiviert. Er starb bereits im 2. Nachkriegswinter.

 

Literatur und Quellen:

Krug, Ottomar Deutsche Generale 1918-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/10853
Karl Friedrich Hildebrand: Die Generale der deutschen Luftwaffe 1935–1945 Teil II, Band 3: Odebrecht–Zoch, Biblio Verlag, Osnabrück 1992
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955 
Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Alfred Jansa, Herta Jansa: Feldmarschalleutnant Alfred Jansa: ein österreichischer General gegen Hitler ..., Böhlau Verlag, Wien 2011