Simon, Max
* 6. Januar 1899, Breslau
+ 1. Februar 1961, Dortmund |
Max Simon besuchte vom 1. April 1905 bis März 1913 die Städtische Evangelische Volksschule Nr. 46 seiner Heimatstadt. Anschließend absolvierte er in einem Bekleidungshaus eine Schneiderausbildung. Nach deren Beendigung arbeitete er beim Kaiserlichen Postamt 18 in Breslau. Kriegsbedingt erfolgte am 27. Juni 1917 seine Einberufung zur königlich preußischen Armee Als Sanitätssoldat nahm er an den Kämpfen in Mazedonien und an der Westfront teil. Am 23. Oktober 1918 folgte seine Versetzung zur Territorial-Inspektion des freiwilligen Sanitätsdienstes in Schlesien, dem er auch über das Ende des Krieges hinaus angehörte. Am 9. Januar 1919 wurde Simon zur 4. Schwadron des Leib-Kürassier-Regiments „Großer Kurfürst“ (Schlesisches) Nr. 1 versetzt. Mit diesem beteiligte er sich bis zu seinem Ausscheiden am 20. Oktober 1919 am Grenzschutz Schlesiens. In der Zwischenzeit hatte man ihn am 14. August 1919 zum Gefreiten ernannt. Von 22. Oktober bis 28. Dezember 1919 arbeitete er als Güterbodenarbeiter bei der Reichsbahn, ehe er wieder in den Militärdienst bei seinem alten Regiment eintrat und sich abermals im Grenzschutz betätigte. Dort erfolgte am 24. März 1920 die Beförderung zum Unteroffizier. Nach Auflösung seines Regiments versetzte man ihn mit der Übernahme in die Reichswehr nach Hofgeismar, wo er ab 1. Juni 1920 Dienst bei der 2. Eskadron des 16. Reiter-Regiments versah. Am 18. Oktober 1924 heiratete er Martha Bartsch. Am 1. November 1924 zum Wachtmeister befördert, galt er in der Reichswehr nach Stand und Bildung "nicht offiziersfähig", so dass er am 4. September 1929 aus dem Militärdienst ausschied. Anschließend arbeitete er als Angestellter in der Finanzabteilung beim Landrat des Landkreises Saalfeld und ab dem 1. März 1930 bei der Thüringischen Landesversicherungsanstalt in Weimar. Am 1. Juni 1934 wurde er als Beamter in den Staatsdienst übernommen. Bereits am 1. April 1932 war er der NSDAP eingetreten. Am 1. Mai 1933 war er dann als Anwärter in Gera in die SS aufgenommen worden und dem 47. Sturmbann zugeteilt worden. Am 3. Dezember 1933 erfolgte die Beförderung zum SS-Oberscharführer sowie am 8. März 1934 zum SS-Hauptscharführer. Als solcher wurde Simon mit der Führung der Stabswache beim SS-Oberabschnitt Mitte beauftragt. Er wechselte dann nach Dresden. Im November 1934 wurde er zum SS-Untersturmführer befördert. Simon war von August bis Oktober 1934 Lagerkommandant des Konzentrationslagers Sachsenburg. Ab 1935 baute er den Totenkopfverband "Sachsen" mit auf und wurde am 9. November 1934 zum SS-Untersturmführer befördert. Im Jahre 1935 erhielt Simon den Auftrag zur Aufstellung der 1.SS-Totenkopfstandarte "Oberbayern". 1938 wurde er zum Standartenführer befördert. Am 13. März 1938 wurden 2 Sturmbanne der 1.SS-Totenkopfstandarte dem Heer unterstellt, welche dann die Autobahn München-Salzburg sicherten und so am Einmarsch in Österreich beteiligt waren. Beim Einmarsch ins Sudetenland kamen der I. und der II. Sturmbann zusammen mit dem Sudetendeutschen Arbeitsdienst zum Einsatz. Während des Einmarsches kam es zu kurzen Schusswechseln mit tschechischen Soldaten. Eingesetzte Pak- und Infanteriegeschütze wurden von der Polizei oder der SS-Standarte "Deutschland" ausgeliehen. Am 10. Juli 1937 wurde er Kommandant der SS-Totenkopf-Standarte 1 "Oberbayern". Die Standarte wurde während des Polenfeldzuges als Polizeieinheit eingesetzt und ermordete politische Führer, Priester, Intellektuelle und Juden. Im Oktober 1939 wurde die Standarte zum SS-Totenkopf-Infanterie-Regiment 1 umbenannt. Das Regiment nahm am Westfeldzug teil und kämpfte bei Le Catillon, am La Basse-Kanal und marschierte dann über Lyon, Orleans, Tours und Bordeaux bis an die spanische Grenze. Mit Beginn des Rußlandfeldzuges kämpfte das Regiment in Rußland. Am 8. Juli 1941 wurde er in Rußland verwundet. Am 1. September 1941 zum Oberführer befördert, hatte das Regiment entscheidenden Anteil am Vormarsch der Division, wofür Max Simon am 20. Oktober 1941 das Ritterkreuz verliehen wurde. Am 26. Februar 1943 wurde er Kommandant der SS-Panzer-Grenadier-Division "Totenkopf". Im November 1943 wurde er von einem russischen Gericht in Abwesenheit für die Verantwortung am Tot von 10.000 russischen Zivilisten in Charkow zum Tode verurteilt. Am 16. Oktober 1943 wurde er zum Kommandanten der 16. SS-Panzer-Grenadier-Division "Reichsführer SS" ernannt und am 20. April 1944 zum SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS ernannt. Am 9. Oktober 1944 wurde ihm das Deutsche Kreuz in Gold verliehen, am 28. Oktober 1944 folgte das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Am 20. Oktober 1944 übernahm Max Simon das Kommando über das XIII. SS-Armee-Korps an der Westfront, das der 1. Armee unterstellt war. Am 16. November 1944 erfolgte seine Beförderung zum SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS. Ab Mitte Dezember 1944 verteidigte das Korps den Westwall. Nachdem der Gegner über die Mosel in den rücken des XIII. Armeekorps stieß, zog dieses sich ins Saarland und in die Rheinpfalz zurück, wo es zu harten Verteidigungskämpfen kam. Infolge der Einkesselungsgefahr zog es sich an den Rhein bei Germersheim zurück und begann, die Truppen überzusetzen und die Rheinbrücken zu zerstören. Bereits am 1. April 1945 kämpfte das Armeekorps zwischen Main und Jagst gegen die 4. US-Panzerdivision. Mitte April kam es zu schweren Kämpfen um die Tauber-Aisch-Linie sowie um Würzburg und Nürnberg. Crailsheim konnte längere Zeit gehalten werden und die verlorene Stadt Neumarkt konnte zurückerobert werden. Dennoch zog man sich in den Süden zurück und kämpfte an der Donau und um München.Bei Kriegsende standen die Reste des Korps am Inn und an den Alpeneingängen, wo sie in Gefangenschaft gerieten.
Nach dem Krieg klagten die Briten Max Simon als Kriegverbrecher für seine Mitschuld im September 1944 am Blutbad an den italienischen Zivilisten bei Marzabotta an. Nach seiner Befragung im Vereinigten Königreich kam Simon nach Italien zurück, wo ihn ein britisches Militärgericht zum Tod verurteilte. Die Strafe wurde später jedoch in lebenslange Haft abgemildert. Max Simon wurde 1954 aus dem Gefängnis von Werl entlassen. Im Oktober 1955 wurde Max Simon in Ansbach von einem deutschen Gericht angeklagt. In Brettheim soll er am 7. April 1945 für den Tod dreier Bürger der Stadt verantwortlich gewesen sein, die von einem Standgericht zum Tode verurteilt wworden waren, weil sie einige lokale Hitlerjungen entwaffnet und nach Hause geschickt hatten, um sie vor den Kämpfen mit den Amerikanern zu verschonen. Zweimal freigesprochen starb Max Simon vor der abschließenden dritten Verhandlung.
Ritterkreuz (20. Oktober 1941) Eichenlaub (28. Oktober 1944)
Literatur und Quellen:
Peter Stockert: Die Eichenlaubträger 1940 - 1945, 4 Bände, Bad Friedrichshall,
1996 / 1997
Franz Josef Merkl: General Simon – Lebensgeschichten eines SS-Führers. Augsburg
2010
Die Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer,
Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündeten
Streitkräften nach den Unterlagen des Bundesarchivs. Scherzers Militaer-Verlag,
Ranis/Jena 2007
Peter Stockert: Die Eichenlaubträger 1940 - 1945, 9 Bände, 4. überarbeitete
Auflage, Bad Friedrichshall 2010 / 2011