Wenneker, Paul

 

* 27. Februar 1890, Kiel

† 17. Oktober 1979, Hamburg-.Bergstedt

 

 

Paul Wenneker trat am 1. April 1909 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Nach seiner Grundausbildung absolvierte er seine Bordausbildung auf dem Großen Geschützten Kreuzer SMS Victoria Louise. Ab dem 1. April 1910 besuchte er die Marineschule, wo er am 12. April 1910 zum Fähnrich zur See ernannt wurde. Ab dem 1. Oktober 1911 diente er auf dem Kleinen Kreuzer SMS Mainz. Hier erfolgte am 19. September 1912 seine Beförderung zum Leutnant zur See. Am 22. Januar 1913 wurde er auf den Kleinen Kreuzer Königsberg und am 20. Juni 1913 wieder auf den Kleinen Kreuzer SMS Mainz versetzt. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam es am 28. August 1914 zum Seegefecht bei Helgoland. Im Laufe deses Gefechtes wurde der Kleine Kreuzer SMS Mainz von britischen Einheiten versenkt. Paul Wenneker wurde von den Briten gerettet und geriet so in Kriegsgefangenschaft, aus der er am 15. Januar 1918 entlassen wurde. Im Anschluss daran wurde er bis zum 10. Oktober 1918 in den neutralen Niederlanden interniert und danach nach Deutschland entlassen. Nach seiner Rückkehr wurde er zunächst zur Verfügung der Marineinspektion gestellt und am 19. März 1919 dem Minensuchverband der Ostsee zugeteilt. Gleichzeitig wurde er als Wachoffizier auf das Torpedoboot S 18 versetzt. Am 1. Mai 1919 übernahm er das Kommando über das Torpedoboot T 109 und am 27. August 1919 über das Minensuchboot M 2. Am 17. Mai 1919 war er zum Oberleutnant zur See befördert worden und am 15. Februar 1920 wurde er zum Kapitänleutnant befördert. Am 23. März 1920 wurde er kurzzeitig dem Chef der Marinestation der Ostsee zur Verfügung gestellt und am 12. August 1920 zum Kommandanten des Minensuchers M 30 der 6. Halbflottille ernannt. Am 10. Oktober 1921 folgte seine Ernennung zum Kommandanten des Minensuchers M 132 der 5. Halb-Flottille. Zwischen dem 27. März 1922 und dem 26. Mai 1924 war er Ausbilder an der Schiffsartillerieschule und danach Artillerie-Offizier auf dem Kleinen Kreuzer Nymphe. Am 24. September 1926 kam er als Zweiter Admiralstabsoffizier in den Stab des Befehlshabers der Marinestation der Ostsee, wo er am 1. Oktober 1928 zum Korvettenkapitän befördert wurde. Ab dem 1. Oktober 1929 fungierte er als 1. Artillerieoffizier auf dem als Schulschiff dienenden Linienschiff Elsass und ab dem 25. Februar 1930 auf dem Linienschiff Schleswig-Holstein. Am 22. September 1931 wurde Paul Wenneker dann als 2. Admiralstabsoffizier in das Flottenkommando versetzt und am 1. Oktober 1933 zum Fregattenkapitän befördert. Nach dieser Verwendung wurde Paul Wenneker am 28. Dezember 1933 deutscher Marineattaché in Tokio. An der dortigen Botschaft wurde er am 1. April 1935 zum Kapitän zur See befördert. Im August 1937 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde am 3. September 1937 Kommandant des Panzerschiffs Deutschland. Mit diesem nahm er während des Spanischen Bürgerkrieges an der Kontrolle und Sicherung der Seewege um Spanien teil. In der Zeit vom 24. Juli bis zum 15. August 1938 hatte er als dienstältester Kommandant zusätzlich den Oberbefehl über die deutschen Seestreitkräfte vor Spanien inne. Im September 1938 bezog die Deutschland im Zuge der Sudetenkrise eine Warteposition im Seegebiet zwischen den Azoren und den Kanaren, um im Falle eines Kriegsausbruches Handelskrieg zu führen. Nach der Beilegung der Krise kehrte das Schiff im Oktober 1938 nach Deutschland zurück. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Deutschland am 24. August 1939 in den Nordatlantik entsandt, um nach Kriegsausbruch Handelskrieg zu führen. Unterstützt wurde sie von dem Trossschiff Westerwald. Am 15. November 1939 kehrte die Deutschland nach Kiel zurück. Nach ihrer Rückkehr wurde die Deutschland zum Schweren Kreuzer Lützow umbenannt. Am 29. November 1939 gab Paul Wenneke das Kommando über das Schiff ab und wurde zur Verfügung des Oberkommandos der Marine gestellt. Am 6. Februar 1940 wurde er erneut zum Marineattaché in Tokio ernannt. Außerdem wurde er zum Admiral Ostasien ernannt. Am 1. September 1941 wurde er zum Vizeadmiral und am 1. August 1944 zum Admiral befördert. Am 24. April 1944 wurde er mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Wennecke verblieb bis Kriegsende in Asien. Mit der japanischen Kapitulation am 2. September 1945 geriet er in amerikanische Gefangenschaft, aus der er am 5. November 1947 entlassen wurde. 1966 wurde Paul Wenneke vor dem Landgericht Hamburg wegen Mordes angeklagt. Als Marineattaché in Tokio hatte er den Befehl gegeben, an Bord von heimfahrenden Blockadebrechern befindliche Häftlinge im Falle einer Selbstversenkung mit untergehen zu lassen. Diesem Befehl fiel unter anderem der wegen Hehlerei verhaftete Matrose Alfred Poweleit zum Opfer, der am 4. Januar 1944 mit dem Blockadebrecher Rio Grande unterging. Das Gericht wertete den Befehl jedoch nicht als Mord, sondern als Totschlag und stllte das Verfahren wegen der inzwischen eingetretenen Verjährung ein.

 

Literatur und Quellen:

Hans H. Hildebrand und Ernest Henriot: Deutschlands Admirale 1849 - 1945 Band 3: P - Z, Biblio Verlag, Osnabrück 1988
Beck (Bearb.), Paßmann (Hg.): Kriegsrangliste der Intendanturbeamten des Heeres, der Marine und der Schutztruppen. Ostsee-Druck und Verlag A.G., Stettin 1929.
Ehrenrangliste der Kaiserlichen Deutschen Marine 1914–18.bearbeitet von Konteradmiral a. D. Stoelzel, Marine-Offizier-Verband, Berlin