Witzell, Karl
| * 18. Oktober 1884, Berlin
+ 1976, Berlin |
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Karl Witzell trat am 1. April 1902 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Er absolvierte seine Grundausbildung und anschließend seine Bordausbildung auf der als Schulschiff verwendeten Panzerfregatte SMS Moltke. Ab dem 22. März 1903 besuchte er die Marineschule in Kiel, wo er am 11. April 1903 zum Fähnrich zur See ernannt wurde. Im August 1904 verließ er Deutschland in Richtung Ostasien, wo er ab dem 25. Oktober 1904 auf dem Großen Kreuzer SMS Hertha Dienst tat. Mit dem Schiff kehrte er Mitte Mai 1905 nach Kiel zurück Am 13. Mai wurde Karl Witzel dann auf das Linienschiff SMS Wittelsbach versetzt, anschließend diente er auf dem Linienschiff SMS Preußen. Ab dem 1. Mai 1905 diente er als Wachoffizier auf dem Kleinen Kreuzer SMS Ariadne, auf dem er am 29. September 1905 zum Leutnant zur See befördert wurde. Am 31. März 1906 kam er als Adjutant auf die als Schulschiff eingesetzte Gedeckte Korvette SMS Stein. Am 15. Oktober 1907 zum Oberleutnant zur See befördert, erfolgte am 9. März 1908 die Versetzung von Karl Witzell zur II. Torpedo-Division. Gleichzeitig wurde er Wachoffizier auf dem Torpedoboot SNS S 114. Zwischen dem 2. Oktober 1908 und dem 20. September 1910 diente er als Wachoffizier auf dem Linienschiff SMS Wittelsbach. Anschließend wurde er als Kompanieoffizier in die Matrosen-Stammabteilung Kiautschou versetzt. Ab dem 5. Januar 1911 reiste Karl Witzell an Bord des Dampfers Neckar nach Ostasien, wo er ab dem 15. Februar 1911 Kompanieoffizier und Adjutant in der Matrosen-Artillerie-Abteilung Kiautschou wurde. Ab dem 18. Februar 1913 kehrte er nach Deutschland zurück. Während der Heimreise wurde er am 22. März 1913 zum Kapitänleutnant befördert. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er zwischen dem 1. April und dem 22. September 1913 der II. Marine-Inspektion zugeteilt. Anschließend diente er als 3. Artillerie-Offizier und Rollenoffizier auf dem Linienschiff SMS Oldenburg. Auf dem Linienschiff diente er zu Beginn des Ersten Weltkrieges. Am 4. September 1915 wurde er als Artillerie-Offizier auf den Kleinen Kreuzer SMS Elbing versetzt. Die SMS Elbing und ihr Schwesterschiff SMS Pillau gehörten zur II. Aufklärungsgruppe, die am 31. Mai 1916 an der Skagerrakschlacht beteiligt war. SMS Elbing eröffnete das Gefecht und konnte auf dem britischen Kreuzer Galatea, trotz sehr großer Distanz, den ersten Treffer der Schlacht (allerdings ein Blindgänger) erzielen. Gegen 19.00 Uhr trafen die Schiffe der II. Aufklärungsgruppe überraschend auf die Grand Fleet. Die SMS Wiesbaden wurde kampfunfähig geschossen. Die SMS Elbing erhielt mittelschwere Treffer. Es gab vier Tote und zwölf Verwundete an Bord. Beim Rückmarsch der Hochseeflotte, in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 1916, lief SMS Elbing in Kiellinie mit den Kleinen Kreuzern SMS Hamburg, SMS Stuttgart und SMS Rostock an der Backbordseite des I. Geschwaders. Als plötzlich britische Zerstörer angriffen, drehten die Kreuzer nach Steuerbord, um den auf sie zulaufenden Torpedos auszuweichen und sich durch die Linie der eigenen Schlachtflotte aus dem Nachtgefecht zurückzuziehen. Hierbei kam es zu einer Kollision der SMS Elbing mit dem Großlinienschiff SMS Posen, die auf SMS Elbing zu einem verheerenden Wassereinbruch in die Kesselräume führte. Ihre Maschinen wurden beschädigt, der Dampfdruck fiel rapide, und das Schiff bekam schnell starke Schlagseite. Alle Versuche, den Kreuzer zu retten, scheiterten. Daher befahl der Kommandant, Fregattenkapitän Madlung, das Schiff zu sprengen. Nachdem die Besatzung vom Torpedoboot S 53 übernommen worden war, wurde SMS Elbing am Morgen des 1. Juni um 3:00 Uhr durch Sprengladungen versenkt. Nach dem Untergang seines Schiffes wurde Karl Witzel am 2. Juni als Artillerieoffizier auf den Kleinen Kreuzer SMS Frankfurt versetzt. Der Kreuzer wurde in der Skagerrak beschädigt und befand sich in der Werft. Am 1. September 1916 folgte seine Versetzung als Navigationsoffizier und Erster Offizier auf den Kleinen Kreuzer SMS Graudenz. Das Schiff versah Vorposten- und Sicherungsdienste in der Nordsee. Am 22. April 1916 lief sie südwestlich vom Feuerschiff Amrumbank auf eine Mine. Das Torpedoboot S 51 und der Kleine Kreuzer SMS Frauenlob schleppten sie nach Wilhelmshaven ein. Erst am 13. September 1916 war das Schiff wieder fahrklar. In den letzten beiden Kriegsjahren verrichtete die SMS Graudenz wieder Vorposten- und Sicherungsdienste in der Deutschen Bucht. Im März 1918 beteiligte sie sich am Handelskrieg im Skagerrak. Nach Kriegsende blieb die SMS Graudenz zunächst im Dienst. Sie musste nicht in die Internierung nach Scapa Flow, sondern wurde stattdessen dem Sicherungsverband des Befehlshabers Nordsee unterstellt. Am 13. Oktober 1919 wurde Kapitänleutnant Witzell zur Verfügung des Chefs der Marinestation der Nordsee gestellt und am 2. Februar 1920 der Kommandantur von Wilhelmshaven als Artillerieoffizier zugeteilt. Zwischen dem 2. Februar und dem 10. August 1920 war er zugleich Mitglied der Unterkommission der Marinefriedenskommission in Wilhelmshaven und bis zum 31. Dezember 1920 zugleich Präses der Unterkommission der Marinefriedenskommission in Wilhelmshaven. Am 29. Juni 1920 folgte seine Beförderung zum Korvettenkapitän. Ab dem 1. Januar 1921 war er zur Dienstleitung bei der Marineleitung kommandiert und ab dem 5. Februar 1921 fungierte er als Dezernent in der Waffenabteilung der Marineleitung. Am 11. Januar 1926 kam Karl Witzell als Erster Offizier auf das Linienschiff Braunschweig und bereits am 1. Februar 1926 als Erster Offizier auf das Linienschiff Schleswig-Holstein, auf dem er am 1. April 1927 zum Fregattenkapitän befördert wurde. Am 1. Oktober 1927 kehrte Karl Witzell in die Marineleitung zurück und war dort Chef der Marinewaffenabteilung (ab 1. Oktober 1934 Chef des Marinewaffenamtes, ab 7. November 1939 Chef des Marinewaffenhauptamtes). Am 1. Dezember 1928 folgte seine Beförderung zum Kapitän zur See, am 1. September 1933 zum Konteradmiral, am 1. Dezember 1935 zum Vizeadmiral und am 1. November 1937 zum Admiral. Am 1. April 1941 wurde er zum Generaladmiral befördert. Er schied am 31. August 1942 aus dem aktiven Dienst aus und wurde in den Präsidialrat des Reichsforschungsrates berufen und schließlich am 5. Oktober 1942 "in Anerkennung seiner hohen Verdienste um die Waffenentwicklung und Rüstung der Deutschen Reiches" mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Trotz seines Ausscheidens aus der militärischen Laufbahn wurde er 1945 russischer Kriegsgefangener und in der Sowjetunion wegen Kriegsverbrechen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Erst im Oktober 1955 wurde er in die Heimat entlassen. Zurück in der Bundesrepublik war er Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Wehrtechnik.
Ritterkreuz (5. Oktober 1942)
Literatur und Quellen:
Dermot Bradley, Hans H. Hildebrand, Ernest Henriot: Deutschlands Admirale 1849–1945 Band 3: P-Z Biblio Verlag, Osnabrück 1990