Blohm & Voss Ha 140

 

Im Sommer 1935 erkannte die E-Stelle (See) in Travemünde, dass die sich in Zuführung befindliche Heinkel He 59 bereits technisch veraltet war. Am 1. November des Jahres erteilte das RLM den Auftrag zur Entwicklung eines Nachfolgemusters. Die Ha 140 entstand unter der technischen Leitung des Chefkonstrukteur Richard Vogt als Konkurrenzentwurf zur Heinkel He 115. Der Erstflug der Ha 140 V1, Werknummer 281 und Kennzeichen D–AUTO, erfolgte am 30. September 1937 auf der Elbe vor Finkenwerder. Diese Maschine wurde nach einigen Flügen und einer konstruktiven Änderung, bei der größere Seitenleitwerke montiert worden waren, am 22. Oktober 1937 nach Travemünde zur Erprobungsstelle für Seeflugzeuge überführt, wo sie am 4. Januar 1938 bei einer Bruchlandung beschädigt wurde. Der zweite Prototyp V2, Werknummer 282 und Kennzeichen D–AVEK wurde in die noch laufende Erprobung neben der wieder instandgesetzten V1 eingefügt. Das dritte und letzte Exemplar, die V3 mit dem Kennzeichen D–AMME, flog gegen Ende 1938 erstmals, wurde allerdings nicht mehr in Travemünde getestet, sondern diente in Hamburg noch als Versuchsträger für die Flettner-Klappen der Blohm & Voss BV 222. Es wurden lediglich drei Exemplare gefertigt, da die He 115 die Ausschreibung gewann, wie der Abschlussbericht vom 28. Oktober 1938 eindeutig feststellte. Die V2 verblieb in Travemünde und diente der E-Stelle als TJ+HT als Erprobungsträger für Torpedo-Abwurfverfahren. Die V1 erhielt das Stammkennzeichen CC+EQ, später kurzzeitig das Verbandskennzeichen X4+AH und war noch bis zum 30. Oktober 1939 in Travemünde nachweisbar.

Die zweimotorige Ha 140 wurde von 2 BMW 132 L Sternmotoren mit je 800 PS angetrieben. Konzipiert als Mehrzweck-Seeflugzeug war sie der Ha 139 im Aufbau sehr ähnlich und wurde als "Testobjekt" für die BV 144 im Bezug auf die "Verdrehflügel" genutzt. Die Maschinen wurden in Ganzmetall-Bauweise mit einem Rohrholm und Knickflügel gebaut. Die Besatzung bestand aus Pilot, Funker und Schütze, der im Rumpfbug in einem drehbaren Geschützturm Platz fand . Die Maschinen waren 17,6 m lang, 5,5 m hoch und hatten eine Spannweite von 21,00 m. Die Flügelfläche betrug 92,00 m². Die Maschinen wogen 6.300 kg und hatten eine Zuladung von 2.200 m. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 320 km/h, die Marschgeschwindigkeit 295 km/h. Die Dienstgipfelhöhe betrug 5.000 m, die Reichweite 1.150 - 2.500 m. Bewaffnet waren die Maschinen mit zwei MG 15. Zusätzlich konnten 1-2 Lufttorpedos mitgeführt werden.

 

Literatur und Quellen:

Heiko Müller: Blohm & Voss Ha 140. Nah am Wasser gebaut. In: Klassiker der Luftfahrt Nr. 2/2015, Motor Presse Stuttgart

Christian König: Aufklärer, Bomber, Seenotretter. See-Mehrzweckflugzeuge Heinkel He 59 und Heinkel He 115. Helios, Aachen 2020