Marinefährprahme



Aufgrund der in sie gestellten Aufgaben befasste sich die deutsche Kriegsmarine vor Kriegsbeginn so gut wie gar nicht mit der Planung amphibischer Landeoperationen. Schon gar nicht wurden Fahrzeuge für amphibische Landungen geplant. Erst nach Kriegsbeginn erkannte man die Notwendigkeit zur Schaffung spezieller Landungsfahrzeuge. Die Fahrzeuge sollten mit einer Rampe am Bug für die Anlandung an Stränden versehen sein. Die Boote sollten bis Seegang 5 einsetzbar sein und, aufgrund der Kriegslage, aus möglichst wenig strategisch wichtigem Material gefertigt werden. Der Bau solte auch von wenig qualifiziertem Personal auf möglichst vielen Werften durchgeführt werden können.
Die Marinefährprahme wurden als flache, pontonartige Fahrzeuge aus einer genieteten Stahlkonstruktion mit hochgezogenem Boden am Heck und vor allem am Bug projektiert. Der Motorraum befand sich am Heck des Bootes, davor war der Fahrstand aufgesetzt. Sowohl der Fahrstand als auch der Motorraum waren mit 20 bis 25 mm Panzerstahl geschützt. Vor dem Fahrstand befand sich ein festes Hallendach über dem hinteren Teil des Laderaumes. Der vordere Teil des Daches konnte durch Abnahme von Wellblechabdeckungen nach oben geöffnet werden und durch eine Persennings abgedeckt werden. Der Laderaum konnte über die mechanisch absenkbare Laderampe direkt befahren werden. Die Prahme booten Platz für drei 20-Tonnen-Panzer. Wichtig für den Bau war auch die Montage aus drei Quersektionen, so daß Überland-Transporte möglich waren.
Der Prototyp F 100 wurde bereits im Dezember 1940 bei der Werft Gebr. Wiemann in Branenburg zusammen mit der Berliner Stahlbau GmbH erstellt, in der Fertigstellung jedoch etwas abgewandelt. So wurde die Zerlegbarkeit aufgegeben und durch zusätzliche Schotten sowie einen Doppelboden die wasserdichte Unterteilung verbessert. War F 100 noch voll geschweißt, wurde bei der folgenden Serie von zwanzig Prahmen im Hinblick auf Reparaturen am Einsatzort doch die Vernietung gewählt.
In den ersten Entwürfen waren neben einem Dieselmotor für die Marschfahrt für jedes Boot zwei ausgediente Flugzeugmotoren für eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 13 kn vorgesehen. Diese Lösung erwies sich jedoch schnell als störanfällig, da die Flugzeugmotoren eine zu geringe Lebensdauer und einen zu hohen Verbrauch hatten. Daher entschied man sich für den Einbau von drei gleichartigen Deutz Sechszylinder-Dieselmotoren, die den Booten immer noch eine Höchstgeschwindigkeit von 10 kn verlieh. Die Motoren wirkten auf je eine Schraube und brachten zusammen 390 PS. Die Marschfahrt mit nur einem Motor brachte die Boote auf 7,5 kn. Bei voller Zuladung oder schwerem Seegang sank die Geschwindigkeit erheblich.
Die ersten Marinefährprahme waren zur Unterstützung der anlandenden Truppen und zur Luftabwehr mit zwei 2-cm Flak bewaffnet. Schon bald wurde ein 7,5-cm Geschütz auf den Fahrstand aufgesetzt, zunächst oft noch auf den Radlafetten. Im Laufe des Krieges wurde die Bewaffnung der Boote kontinuierlich verstärkt. Die letzten Versionen trugen vier 2-cm Flak in zwei Doppellafetten auf dem Achterschiff, je eine 3,7-cm Flak auf dem Hallendach und in überhöhter Stellung hinter dem Fahrstand, eine 7,5-cm Pak auf Marinelafette auf dem Fahrstand sowie zwei 8,6-cm Raketenwerfergestelle. Allerdings war eine einheitliche Bewaffnung mangels verfügbarer Waffen meist nicht mehr möglich. So wurden u.a. 2-cm Flakvierlinge oder 8.8-cm U-Boot-Geschütze eingebaut.
Der Grundtyp A war 43,04 m lang, 6,53 m breit und hatte einen Tiefgang von 0,97 m vorne und 1,45 m hinten. Die Verdrängung betrug 220 Tonnen, die Besatzungsstärke war für 17 Mann ausgelegt. Der Antrieb erfolgte durch einen 130 PS Lkw-Diesel als Mittelmotor und zunächst zwei 600 PS-Flugzeug-Motoren an den Seiten für gut 12 kn Geschwindigkeit. Bis Ende April 1941 waren 21 MFP des Typ A ausgeliefert, von denen zwölf erstmalig bei der Besetzung der Insel Ösel, zusammen mit 27 Siebel-Fähren, eingesetzt wurden. Im Laufe des Krieges wurde der Entwurf leicht modifiziert, wobei man durch die Fertigung auf verschiedenen Bauwerften nie von vollkommen gleichen Bauweisen sprechen konnte.
Der Typ B hatte einen abgesenkten Laderaumboden, um eine Erhöhung der lichten Höhe des Laderaumes von 2,74 m auf 3,19 m zu erreichen. Dadurch verkürzte sich die waagerechte Länge des Laderaumbodens. Die Tanks, die sich bei Typ A im Doppelboden befanden, mussten in die Bordwände verlagert werden. Die Ladekapazität und die Verdrängung blieben unverändert.
Der Typ C hatte eine um 10 cm vergrößerte Laderaumhöhe (3,29 m). Auch hierbei blieben Ladekapazität und Verdrängung unverändert.
Der Typ D war eine vergrößerte Version des Marinefährprahms. Sie war 49,8 m lang, 6,6 m breit und hatten eine Seitenhöhe von 2,75 m. Der Tiefgang betrug 1,2 m vorne und 1,35 m hinten. Die Verdrängung betrug 240 t. Die bislang vollständig vernietete Konstruktion wurde auf eine teilweise geschweißte Sektionsbauweise umgestellt, um die Boote in noch größerer Anzahl in noch mehr Betrieben fertigen zu können. Der Rumpf wurde verlängert und verbreitert bei ebenfalls größerer Einfahrtbreite. Die Tragfähigkeit wurde auf bis zu 140 t erhöht. Der Fahrstand und der Motorraum wurden etwas nach vorn verlegt und die Panzerung und die Bewaffnung wurden verstärkt. Die Boote erhielten Unterkünfte für eine Besatzung von bis zu 25 Mann und einen Funkraum. Unverwechselbar wurden die Boote durch ihr vom Bug bis zum Heck durchlaufendes gerades Oberdeck. Angetrieben wurde dieser Typ durch drei Sechszylinder-Viertakt-Lkw-Diesel mit je 125 PS auf drei Wellen, die eine Geschwindigkeit von bis zu 10 kn ermöglichten.
Der Artilleriefährprahm entstand zuerst durch den Umbau der Grundtypen, später auch als komplette Neubauten. Die Umbauten variierten stark je nach Zeitpunkt und in Abhängigkeit der ausführenden Werft und dem zur Verfügung stehenden Material. Die ersten, umgebauten Artilleriefährprahme besaßen eine hohe Brücke achtern auf dem Platz des früheren MFP-Steuerstandes. Diese Ausführung war wegen der davor jetzt aufgestellten Geschütze zur besseren Übersicht für die Schiffsführung notwendig. Bei den späteren Neubauten des Typs A wurde eine Brücke mittschiffs zwischen den Waffen angeordnet. Das feste Deck über dem Laderaum und dem Heck wurde zur Aufnahme von Geschützen verstärkt und die Bugklappe verschlossen. Die Besatzungsunterkünfte für die Geschützbedienungen wurden erweitert und es wurde Raum für die Munition geschaffen. Die Panzerung des Maschinenraumes, der Munitionsräume und der Aufbau wurden verstärkt, wobei zum Teil die Schanzkleider mit 10 cm Beton ausgegossen wurden. Die vorgesehene Standard-Bewaffnung bestand aus zwei 2-cm Flakvierlingen, einem 7,5-cm und zwei 8,8-cm Geschützen. Durch das um 70 t - 80 t erhöhte Gewicht erreichten die Marinefährprahme nur noch eine Geschwindigkeit von etwa 8 kn. Auch büßten die Boote an Seegängigkeit ein. Die Artilleriefährprahme wurden primär als Sicherungsfahrzeuge eingesetzt, außerdem zur artilleristischen Unterstützung von Landungsoperationen und zum Minenlegen. Die Besatzungsstärke stieg mit den Geschützbedienungen auf über 30 Mann. Die Artilleriefährprahme trugen die Bezeichnung "AF".
Der Minenfährprahm entstand aus der Notwendigkeit, in entlegenen Seegebieten wie z.B. dem Schwarzen Meer, mit wenigen Einheiten viele verschiedene Aufgaben zu erledigen, für die keine spezialisierten Fahrzeuge zur Verfügung standen. Dabei wurden Marinefährprame zum Minenlegen eingesetzt, wobei sie rückwärts fahrend 36 Minen über die herabgelassene Bugrampe ausbrachten. Diese Aufgabe konnte nur bei ruhiger See und nur sehr langsam rückwärts fahrend durchgeführt werden. Auf Grundlage dieser Erfahrungen wurde eine spezialisierte Minenlege-Version der Marinefährprahme entwickelt. Die Marinefährprahme hatten entlang der Seite verlaufende Schienen, über die bei Vorausfahrt die Minen über das Heck abgeworfen werden konnten. Als Alternative konnten auf den Minenschienen 16 Sturmboote mitgeführt werden. Über zusätzlich installierte Rutschen konnten die Sturmboote direkt ausgesetzt und wieder aufgenommen werden. Die Minenfährprahme trugen, je nach umgebautem Grundtyp, die Bezeichnung "AM", "CM" oder "DM". Der Typ B wurde nicht zu Minenfährprahmen umgebaut. Der Typ DM konnte 54 EMC- oder UMA-Minen laden, alternativ zehn kleine Sturmboote.
Der MFP-Tanker verfügte über vier Kraftstoffbehälter von insgesamt 4.000 Kubikmetern  in seinem Laderaum.

Marinefährprahm des Typs A 1942 vor der finnischen Küste Marinefährprahm des Typs A 1942 vor der finnischen Küste Marinefährprahme des Typs A 1942 vor der finnischen Küste
 
Blick vom Heck eines MFP nach vorne. Man erkennt den geschlossenen Laderaum   Blick vom Heck eines MFP nach vorne. Im Vordergrund eine Kiste mit dem
1-m-Entfernungsmesser