Freiherr von Böhm-Ermolli, Eduard

 

* 12. Februar 1856, Ancona (Kirchenstaat)

† 09. Dezember 1941, Troppau (Sudetenland)

 

Der spätere Generalfeldmarschall Eduard von Böhm wurde am 12. Februar 1856 in Ancona geboren, wo sein Vater als Angehöriger der österreichischen Besatzungstruppen im damaligen Kirchenstaat stand. Der Vater war als Feldwebel in Anbetracht seiner Tapferkeit in der Schlacht bei Novara im Feldzug 1848/49 zum Offizier befördert worden und ließ sich später als Major a.D. in Troppau, der Hauptstadt der österreichisch-schlesischen Heimat der Familie, nieder. Eduard von Böhm wurde 1866 im Alter von zehn Jahren Kadett und am 18. August 1875 als Leutnant zum k.u.k. Dragoner-Regiment Nr. 4 ausgemustert. In den folgenden Jahrzehnten war ihm eine glänzende Laufbahn beschieden, die ihn 1911 als General der Kavallerie an die Spitze des k.u.k. 1. Korps in Prag führte. In dieser Stellung wurde er geadelt. Als Prädikat wählte er den Mädchennamen seiner Mutter und hieß fortan von Böhm-Ermolli. Zu Beginn des 1. Weltkrieges gegen Serbien eingesetzt, übernahm er am 23. August 1914 die Führung der k.u.k. 2. Armee gegen Russland. Seit 5. Oktober 1916 Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Böhm-Ermolli, erzielte er mit den ihm unterstellten k.u.k, und reichsdeutschen Truppen große Erfolge. Nach dem Durchbruch bei Zborow vom 19. bis zum 21. Juli 1917 befreite er weite Gebiete Galiziens und des Buchenlandes von feindlicher Besetzung. Für seine erfolgreiche Truppenführung ernannte ihn Kaiser Karl zum "Commandeur des Maria-Theresien-Ordens " und Kaiser Wilhelm zum 53. Ritter des Ordens Pour le Merite mit Eichenlaub. Im Januar 1918 wurde der Feldherr von seinem Souverän zum Feldmarschall befördert und in den Freiherrenstand erhoben. Im Frühjahr 1918 drangen seine Truppen bis tief in die Ukraine vor und besetzten Odessa.

Der Zusammenbruch der Mittelmächte beendete seine Laufbahn. Am 1. Dezember 1918 wurde der Feldmarschall pensioniert. Zu seinem Ruhesitz wählte er Troppau, wo schon sein Vater den letzten Teil seines Lebens verbracht hatte. Ungeachtet der Tatsache, dass dieser Teil Österreichs jetzt unter tschechischer Herrschaft stand, waren Stadt und Land fast nur von deutschen Menschen bewohnt, denen er sich uneingeschränkt zugehörig fühlte. Die Tschechen begegneten dem k.u.k. Feldmarschall wohlwollend. Sie zahlten seine Pension und nahmen ihn als General 1. Klasse in der Reserve in ihre Armee auf, wo er 1928 sogar zum Armeegeneral ernannt wurde, was dem höchsten Rang in der tschechoslowakischen Armee entsprach. Er durfte aber zunächst keine Uniform tragen, weil er kein "Legionär" gewesen war. Damit hatte es folgende Bewandtnis: Im Juni 1917 hatte eine tschechische Schützen-Brigade, bestehend aus drei Regimentern, die auf russischer Seite kämpfte, bei Zborow - zwischen Lemberg und Tarnopol gelegen - einen Einbruch an der Front der Mittelmächte erzielt. Auf österreichischer Seite standen die mehrheitlich von Tschechen gebildeten Inf.-Regimenter 35 und 75. Dieser Erfolg der "Legionäre", wie sich die Tschechen auf russischer Seite nannten, wurde später jährlich festlich begangen, weil dies ein errungener "Schlachtenerfolg" der späteren Armee der Tschechoslowakei darstellen sollte. Da aber der verantwortliche Führer auf österreichischer Seite Feldmarschall von Böhm - Ermolli gewesen war, sollte er nach Ansicht zahlreicher Tschechen keinesfalls als Angehöriger der jungen Armee auch noch einen hohen Rang bekleiden. Die Erregung legte sich aber im Laufe der Zeit; übrig blieb jedoch bis 1928 das Verbot, Uniform zu tragen.

Als die überwiegend deutsch besiedelten Teile Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens und mit ihnen Troppau 1938 aus 20 Jahre währender Unterdrückung in die Hoheit des Deutschen Reiches entlassen wurden, war auch der k.u.k. Feldmarschall v. Böhm-Ermolli Reichsdeutscher geworden. Seiner deutschen Gesinnung entsprach dieser Vorgang in vollem Umfang. Er wurde jetzt in die Wehrmacht übernommen. Dabei wurden ihm als letzten lebenden k.u.k. Feldmarschall die Charakter als Generalfeldmarschall der Wehrmacht verliehen. Als äußeres Zeichen seiner Würde trug er den österreichischen Marschallstab und wurde 1940 zum Chef des Infanterie-Regiment 28 ernannt. Dieses Regiment hatte seine Friedensstandorte in Troppau, Sternberg (Sudetenland) und Neutitschein und war im Mai 1939 zum Traditionsträger des ehem. k.u.k. Inf.Rgt. Kaiser Franz Joseph I. Nr. 1 geworden. Der Vater des nunmehrigen Chefs hatte in dieser Kerntruppe der k.u.k. Monarchie mit höchster Auszeichnung gekämpft und war wegen Tapferkeit vor dem Feind zum Offizier aufgestiegen. Das gleiche Regiment gehörte vor dem 1. Weltkrieg zum I. Korps, dessen Kommandierender General Generalfeldmarschall v. Böhm-Ermolli bei Kriegsausbruch gewesen ist. So hatte sich in diesem bedeutungsvollen Soldatenleben ein Kreis geschlossen. Als am 9. Dezember 1941 der Feldmarschall die Augen für immer schloss, fand ihm zu Ehren in Wien ein Staatsakt statt. In Vertretung des Obersten Befehlshabers der Wehrmacht, die in dieser Zeit in schwerstem schicksalhaften Ringen gegen die Rote Armee stand, erwies Generalfeldmarschall Keitel dem Verstorbenen die letzte Ehre. Ein Trauerkondukt geleitete die sterbliche Hülle des Generalfeldmarschalls Eduard Freiherr von Böhm-Ermolli vom Heldenplatz vor der Hofburg über den Ring zum Stellvertretenden Generalkommando XVII. Armeekorps. Ungezählte Tausende säumten die Prachtstraße der alten Kaiserstadt und grüßten den toten Feldherren auf seiner letzten Fahrt in ehrfurchtsvollem Schweigen. Zur letzten Ruhe wurde der tote Feldherr in Troppau, seiner Vaterstadt, gebettet. Sein Grabstein ist bis heute erhalten geblieben. Generalfeldmarschall Eduard Freiherr v. Böhm-Ermolli hatte in seinem langen Leben drei Armeen angehört. Sein Ansehen und seine Bedeutung als handelnder Feldherr erwarb er sich ausschließlich in der k.u.k. Armee.

 

Quelle:

Das Deutsche Soldatenjahrbuch 1990, Fran C. Dennis

  • Verf. A.M. (GORCH FOCK) 11.12.2008