Lindemann, Adolf Karl Wilhelm

 

* 4. April 1873, Düben, Mulde

† 10. August 1943, Berlin

 

 

Wilhelm Lindemann war der Sohn vom Rechnungsrat Albert Lindemann und dessen Ehefrau Marie, geborene Just. Er trat am 17. März 1894 als Fahnenjunker in die Königlich Preußische Armee ein. Er kam wie seine Brüder zum Brandenburgisches Pionier-Bataillon "von Rauch" Nr. 3 nach Torgau. Am 18. Oktober 1894 wurde er vom Fahnenjunker-Unteroffizier zum Portepeefähnrich befördert. Am 18. August 1895 wurde er nach dem Besuch der Kriegsschule zum Sekondeleutnant befördert. Als solcher wurde er jetzt als Kompanieoffizier in der 1. Kompanie seines Bataillons in Spandau eingesetzt. Am 1. Oktober 1897 wurde er zur Artillerie- und Ingenieur-Schule kommandiert. Etatmäßig gehörte er weiter zur 1. Kompanie seines Bataillons. Durch die Umbenennung seines Dienstgrades wurde er am 1. Januar 1899 zum Leutnant ernannt. Nach seiner Rückkehr wurde er als Kompanieoffizier wieder in der 1. Kompanie vom Brandenburgisches Pionier-Bataillon "von Rauch" Nr. 3 in Spandau eingesetzt. Am 1. Oktober 1900 wurde er als Nachfolger von Oberleutnant von Dücker zum Adjutant vom Brandenburgisches Pionier-Bataillon "von Rauch" Nr. 3 in Spandau ernannt. Am 17. Mai 1902 wurde er in die 4. Ingenieur-Inspektion nach Metz versetzt und zum Fortifikationsdienst in Metz kommandiert. Sein Nachfolger als Bataillonsadjutant wurde später Leutnant Willführ. Am 16. Dezember 1902 wurde er zum Oberleutnant, vorläufig ohne Patent, befördert. 1904/05 wurde er zum 1. Elsässisches Pionier-Bataillon Nr. 15 nach Straßburg im Elsaß versetzt. Kurz danach schied er aus dem Heer aus und wurde dafür bei der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika angestellt. Dort wurde er bei der 1. Scheinwerfer-Abteilung eingesetzt. Dort wurde ihm ein Patent als Oberleutnant vom 18. August 1903 verliehen. Am 27. Januar 1906 wurde er innerhalb der Schutztruppe als Adjutant zum Etappenkommando versetzt. Am 30. Juni 1907 schied er aus der Schutztruppe wieder aus. Daraufhin wurde er am 1. Juli 1907 wieder beim Heer angestellt. Er kam dabei zum Brandenburgisches Pionier-Bataillon "von Rauch" Nr. 3 in Spandau. Am 11. September 1907 wurde er unter Ernennung zum Hauptmann ohne Patent, als Nachfolger von Hauptmann Friedrich zum Chef der 4. Kompanie vom Brandenburgisches Pionier-Bataillon "von Rauch" Nr. 3 in Spandau ernannt. Als solcher hat er am 27. Januar 1911 sein Patent als Hauptmann erhalten. Am 4. Juni 1911 wurde er Taufpate seiner am 27. Dezember 1910 in Graudenz geborene Nichte Madelaine Eva Ruth Lindemann. Am 19. Dezember 1911 wurde er in die 4. Ingenieur-Inspektion versetzt und von dort zum Fortifikationsdienst nach Diedenhofen kommandiert. Sein Nachfolger als Chef der 4. Kompanie vom Brandenburgisches Pionier-Bataillon "von Rauch" Nr. 3 in Spandau wurde Hauptmann Schröder. Ende 1913 wurde er zum Stab der 6. Festungs-Inspektion in Metz kommandiert. Diesem unterstanden die Festungen Diedenhofen, Metz Ost und Metz West. Im Dezember 1914 gehörte er zum Stabe des Pionier- und Ingenieurkorps. Am 5. Dezember 1914 hat er die die fast zwölf Jahre jüngere verwitwete Tilla Emilie Louise von Davidson, geborene Hermann, Tochter vom Stabsarzt a.D. Dr. Julius Gotthard Peter Joseph Hermann, in Koblenz geheiratet. 1915 war er als Kompaniechef im Hannoversches Pionier-Bataillon Nr. 10 im Einsatz. Am 27. Januar 1917 wurde er zum Major befördert. Im Jahr 1917 wurde er als solcher sogar zum Kommandeur dieses Bataillons ernannt. Im Krieg wurde er nicht verwundet. Im 1. Weltkrieg wurden ihm neben beiden Eisernen Kreuzen noch einige weitere Auszeichnungen verliehen. Privat wohnte er damals in der Kaiserstraße 6 in Minden und hatte die Telefonnummer 756. Nach dem Krieg wurde er im Jahr 1919 in das vorläufige Reichsheer übernommen. Er wurde dabei am 1. Oktober 1919 als Kommandeur in das Reichswehr-Pionier-Batallion 8 eingeteilt. Auch bei der Bildung des 200.000 Mann-Heeres der Reichswehr Mitte Mai 1920 war er noch immer Kommandeur vom Reichswehr-Pionier-Batallion 8 der Reichswehr-Brigade 8. Am 16. Juni 1920 wurde er zum Major befördert. Am 27. September 1920 ist er als Pionieroffizier der Festung zur Kommandantur Marienburg hinzugetreten. Spätestens ab Mitte Juni 1921 wurde er als Kommandant der Kommandantur Marienburg eingeetzt. Als solcher wurde er am 1. April 1922 zum Oberstleutnant befördert. Am 1. Oktober 1923 wurde er als Nachfolger von Oberstleutnant Albert Gehre zum Kommandeur vom 6. (Preußisches) Pionier-Bataillon in Minden ernannt. Privat wohnte er jetzt in der Pionierstraße 2 in Minden. Am 1. April 1926 wurde er als Bataillonskommandeur vom 6. (Preuß.) Pionier-Bataillon durch Oberstleutnant Karl Wachtel abgelöst. Er selbst wurde an diesem Tag als Pionieroffizier zum Stab der 1. Division der Reichswehr nach Königsberg versetzt. Am 1. Februar 1927 wurde er zum Oberst befördert. An diesem Tag wurde er auch als Stabsoffizier der Pioniere (Stopi) zum Stab vom Gruppenkommando 1 nach Berlin versetzt. Am 31. Oktober 1928 wurde er abgelöst. An diesem Tag wurde er aus dem aktiven Dienst der Reichswehr verabschiedet. Dabei wurden ihm die Charakter als Generalmajor verliehen.

Bei der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg trat er am 26. August 1939 wieder zur Verfügung der Wehrmacht. Er wurde zum Kommandeur vom Oberbaustab 10 ernannt. Am 14. April 1940 gab er sein Kommando ab und wurde dafür als Nachfolger von Generalmajor Rudolf Sintzenich zum Kommandant der Oberfeldkommandantur 671 (OFK 671) ernannt. Mit dieser kam er während des folgenden Westfeldzuges nach Angers. Anfang Juli 1940 wurde er durch die Umbenennung seines Stabes zum Kommandant der Oberfeldkommandantur B (OFK B) ernannt. Am 1. Dezember 1940 wurde er zum Generalmajor z.V. befördert. Im Mai 1941 wurde er in die Führerreserve OKH versetzt. Am 31. Juli 1941 wurde er aus dem Dienst verabschiedet. Er wohnte damals in der Rohrweihstraße 39/41 in Berlin-Konradshöhe. Am 10. August 1943 um 1 Uhr ist er im Paul-Gerhardt-Stift-Krankenhaus in Berlin gestorben. Als Todesursache wurden Krebsmetastasen in Wirbelsäule und Kiefer, sowie Kreislaufschwäche angegeben. Seine Frau lebte noch mindestens 20 Jahre in der gemeinsamen Wohnung.

Er hatte mehrere Brüder:
Sein am 3. Mai 1871 in Steinkirchen, Kreis York (bei Stade), geborener Bruder, Adolf Wilhelm Ernst Albert Lindemann, war ebenfalls Offizier. Dieser trat 1891 als Fahnenjunker in die Königlich Preußische Armee ein. Er kam dabei zum Brandenburgisches Pionier-Bataillon "von Rauch" Nr. 3 in Torgau. Bei diesem wurde er am 18. Oktober 1891 zum Portepeefähnrich befördert. Am 17. Mai 1892 wurde er nach dem Besuch der Kriegsschule zum außeretatmäßigen Sekondeleutnant befördert. Als solcher wurde er anfangs als Kompanieoffizier in der 1. Kompanie vom Brandenburgisches Pionier-Bataillon "von Rauch" Nr. 3 in Torgau verwendet. Spätestens ab dem Frühjahr 1894 wurde er in gleicher Funktion in die 2. Kompanie seines Bataillons versetzt. Von dort wurde er am 1. Oktober 1894 zur Artillerie- und Ingenieur-Schule kommandiert. Etatmäßig blieb er weiterhin bei der 2. Kompanie, auch als das Bataillon nach Spandau verlegt wurde. Nach seiner Rückkehr wurde er zur Dienstleistung beim 8. Brandenburgisches Infanterie-Regiment "General-Feldmarschall Prinz Friedrich Karl von Preußen" Nr. 64 nach Prenzlau kommandiert. Nach der erneuten Rückkehr zum Brandenburgisches Pionier-Bataillon "von Rauch" Nr. 3 wurde er als Nachfolger von Sekondeleutnant Eilsberger zum Bataillonsadjutant ernannt. Bereits 1899 war er als Kompanieoffizier in der 1. Kompanie seines Bataillons im Einsatz. Sein Nachfolger als Bataillonsadjutant wurde Leutnant von Dücker. Im Frühjhr 1900 gehörte er als Kompanieoffizier zur 2. Kompanie vom Brandenburgisches Pionier-Bataillon "von Rauch" Nr. 3 in Spandau. Dort wurde er am 20. November 1900 zum Oberleutnant befördert. Als solcher wurde er zur 3. Ingenieur-Inspektion nach Straßburg im Elsaß versetzt und von dort zum Fortifikations-Dienst nach Neubreisach kommandiert. Spätestens im Frühjahr 1902 wurde er zum Adjutant der 8. Festungs-Inspektion in Freiburg im Breisgau ernannt. Als solcher heiratete er am 27. Oktober 1903 die fast zwölf Jahre jüngere Otilie Eva Maria Magdalena Lenoir, Tochter des Königlichen Hoflieferanten Karl Theodor David Lenoir, in Berlin. Am 27. April 1904 wurde er behufs Verwendung im Württembergisches Pionier-Bataillon Nr. 13 nach Württemberg kommandiert. Er wurde jetzt als Kompanieoffizier bei der 1. Kompanie in Ulm eingesetzt. Am 28. Dezember 1904 wurde seine Tochter Marie Margarete Eva Irmgard Lindemann geboren. Vom 15. Juni 1905 bis zum 19. Juli 1905 wurde er zum III. Lehrkurs zur Infanterie-Schießschule kommandiert. Am 18. November 1905 wurde er behufs Verwendung im Pommersches Pionier-Bataillon Nr. 2 von seiner Stellung in Ulm enthoben. Am 13. Februar 1906 wurde er zum Hauptmann, vorläufig ohne Patent, befördert und als Nachfolger von Hauptmann Krause zum Chef der 1. Kompanie vom Pommersches Pionier-Bataillon Nr. 2 in Stettin ernannt. Diese Funktion behielt er für einige Jahre. Am 10. September 1908 hat er sein Patemt als Hauptmann erhalten. Ende 1910 wurde er zur 2. Ingenieur-Inspektion versetzt und von dort zur 9. Festungs-Inspektion nach Graudenz kommandiert. Sein Nachfolger als Chef der 1. Kompanie in Stettin wurde Hauptmann Schmid. Am 27. Dezember 1910 wurde seine Tochter Madelaine Eva Ruth Lindemann in Graudenz geboren. Er selbst wurde bereits am 21. April 1911 als Ersatz für Hauptmann Werdelmann zur Kriegsschule Danzig versetzt. Dort wurde er mit der Uniform der 2. Ingenieur-Inspektion als Lehrer eingesetzt. Erst 1913/14 wurde er von der Kriegsschule Danzig zum Bataillonsstab vom Hannoversches Pionier-Bataillon Nr. 10 nach Minden versetzt. Privat wohnte er in der Kaiserstraße 6 in Minden und hatte die Telefonnummer 756. Am 22. März 1915 wurde er zum Major befördert. Zum Ende des Krieges wurde er als Stabsoffizier der Pioniere 55 eingesetzt. Nach Ende des Krieges wurde er als Kommandeur vom Hannoversches Pionier-Bataillon Nr. 10 in Minden verwendet. Privat wohnte er noch immer in der Kaiserstraße 6 in Minden und hatte auch noch die Telefonnummer 756. Am 12. Juni 1919 wurde er unter Verleihung des Charakters als Oberstleutnant und der Erlaubnis zum Tragen der Uniform seines Bataillons zur Disposition gestellt. Spätestens ab 1921 wohnte er als Oberstleutnant a.D. in der Rodenbeckerstraße 31. Nach einigen Jahren bekam er dort die Telefonnummer 1450. Seine Tochter Ruth wohnte 1939 als Angestellte noch bei ihm unter der gleichen Adresse. Er war 1941 Angehöriger vom Wehrbezirkskommando Minden. Er selbst starb am 7. August 1941 um 12:15 Uhr im Reservelazarett Minden (Westfalen). Als Todesursache wurde Schrumpfleber und thrombotischer Erweiterungsherd in der Leber angegeben.
Sein am 22. November 1875 in Mühlberg, Kreis Liebenwerda geborener Bruder Ernst Lindemann brachte es in der Reichswehr bis zum Oberstleutnant.