Rath, Hans-Joachim
| * 11. Dezember 1894, Berlin † 10. Mai 1968, Bad Neuenahr |
Hans-Joachim Rath war der Sohn des ehemaligen Oberstabsarzt vom Invalidenhaus Dr. med. Rudolf Johann Erich Rath und dessen Ehefrau, Gabriele Bertha Friederike Eugenie Elisabeth, geborene Tegener. Er trat nach dem Besuch der Kadettenanstalt am 22. März 1914 als Leutnant in die Königlich Preußische Armee ein. Er wurde dabei zum 2. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 32 nach Meiningen überwiesen. Bei diesem wurde er anfangs als Kompanieoffizier in der 9. Kompanie des Regiments eingesetzt. Mit diesem kam er dann bei Ausbruch des 1. Weltkrieges auch an die Front. Bereits am 15. Oktober 1914 wurde er an der Ostfront schwer verwundet und verbrachte die folgenden Monate im Lazarett. Ab dem 25. März 1915 wurde er dann als Erzieher an der Haupt-Kadettenanstalt Groß-Lichterfelde eingesetzt. Ab dem 7. Juni 1915 absolvierte er eine Flugzeugführer-Ausbildung bei der Fliegerersatz-Abteilung 1 in Berlin-Adlershof. Im Anschluss kam er ab dem 24. März 1916 als Flugzeugführer beim Kampfgeschwader der Obersten Heeresleitung 5 (Kagohl 5) zum Einsatz. Am 13. Dezember 1916 wurde er zum Armeeflugpark 7 (AFP 7) kommandiert, bevor er am 7. Januar 1917 als Flugzeugführer zur Jagdstaffel 22 (Jasta 22) kam. Am 3. August 1917 folgte die Kommandierung zur Zentral-Abnahme-Kommission der Flugmeisterei und am 23. November 1917 zur deutschen Vertretung bei der k.u.k. österreichisch-ungarischen Heeresfront Südost. Am 27. Dezember 1917 kehrte er zur Flugmeisterei in die Abteilung Jagdflugzeuge zurück und wurde am 18. Juni 1918 Führer der Schlachtstaffel 5 (Schlasta 5). Dieses Kommando behielt er dann bis zum Ende des 1. Weltkrieges. Am 1. Dezember 1918 wurde er dann Führer der Bauaufsicht (Siemens) bei der Flugmeisterei und am 1. September 1919 Adjutant der Flugmeisterei. Am 1. März 1920 zur Luftfahrt-Friedenskommission in das Reichswehrministerium (RWM) nach Berlin kommandiert. Dort war er auch noch bei der Bildung des 200.000 Mann Heeres der Reichswehr Mitte Mai 1920 verzeichnet. Später gehörte er dann zum Reichswehr-Schützen-Regiment 2. Bei der Bildung des 100.000 Mann Heeres der Reichswehr wurde er am 1. Oktober 1920 noch als Kompanieoffizier in das 2. (Preuß.) Infanterie-Regiment übernommen. An seinem Geburtstag am 11. Dezember 1920 hat er die sechseinhalb Jahre jüngere Ilse Anna Marie Thieme, Tochter vom geheimen Ober-Finanzrat Paul Thieme, in Berlin-Wannsee geheiratet. Am 31. Dezember 1920 wurde er mit dem Charakter als Oberleutnant aus dem Militärdienst der Reichswehr entlassen.
Er wurde durch ein am 5. Juni 1924 rechtskräftig gewordenes Urteil vom Landgericht III Berlin geschieden. Bis zum 30. September 1924 arbeitete Hans-Joachim Rath bei der Deutschen Girozentrale in Berlin. Anschließend wurde er als L-Offizier* Sachbearbeiter im Technischen Amt (L) und zur Inspektion Waffen und Gerät (IWG) kommandiert. Von April 1925 bis Ende März 1928 arbeitete er in der UdSSR bei der geheimen Luftwaffe. Vom 1. April 1926 bis zum 31. März 1928 wurde er dort als Adjutant bei der Zentrale Moskau eingesetzt. Anschließend wurde er Sachbearbeiter im Heereswaffenamt vom Reichswehrministerium (RWM) eingesetzt. Er wohnte jetzt in der Kleiststraße 11 in Berlin-Steglitz. Am 12. September 1932 hat er die sechseinhalb Jahre jüngere Stenotypistin Hertha von Griesheim, Tochter vom Oberst a.D. der Feldartillerie Kurt Albrecht von Griesheim, in Berlin-Wilmersdorf geheiratet. Am 1. März 1933 trat er in die Luftwaffe über und wurde Referent im Amt C des Reichsluftfahrtministeriums. Ab dem 1. Mai 1933 war er dann Leider der Abwehrstelle Luft im Zentralamt des Reichsluftfahrtministeriums (RLM), wo er am 1. Januar 1934 zum Hauptmann befördert wurde. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. April 1932 festgelegt. Im März 1934 absolvierte er einen mehrwöchigen Verbandsführer-Lehrgang. Vom 15. Oktober 1934 bis zum 14. Dezember 1934 absolvierte er einen Infanterie-Lehrgang in Döberitz. Ab dem 1. April 1935 war er dann Offizier z.b.V. des RLM und Ob.d.L. und wurde zur Kampffliegerschule Lechfeld kommandiert. Am 1. Juni 1935 wurde er dann Staffelkapitän bei der Fliegergruppe Giebelstadt (Kampfgeschwader 455). Hier wurde er am 1. September 1935 zum Major befördert. Am 1. Mai 1936 wurde er zum Adjutant (IIa) vom Luftkreis-Kommando III in Dresden ernannt. Als solcher wurde er am 1. Oktober 1937 zum Oberstleutnant befördert. Durch die Umbenennung des Stabes wurde er nur wenig später zum IIa vom Luftkreiskommando 3 ernannt. Am 4. Februar 1938 wurde er bei der Umgliederung des Stabes zum IIa vom Luftwaffengruppenkommando 1 ernannt. Ab dem 1. Februar 1939 wurde er dann durch die Umbenennung seines Stabes zum IIa der Luftflotte 1 ernannt. Ab dem 15. November 1939 wurde er von Oberstleutnant Nikolaus-Wolfgang Maier als Gruppenkommandeur bei der I. Gruppe vom Kampfgeschwader 4 "General Wever" eingewiesen, deren Kommandeur der am 27. November 1939 wurde. Ab dem 23. Mai 1940 führte er als Nachfolger von Oberst Martin Fiebig das Kampfgeschwader 4 "General Wever" als Kommodore. Seine Gruppe wurde von Major Hans von Ploetz übernommen. Am 1. Juni 1940 wurde er zum Oberst befördert. Am 5. Januar 1942 wurde er mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Am 9. Mai 1942 wurde ihm das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Mitte Juni 1942 gab er sein Kommando über das KG 4 an Oberstleutnant Gottlieb Wolff ab. Ab dem 16. Juni 1942 wurde er dafür als Nachfolger von Oberst Heinrich Seywald zum Kommandeur der Großen Kampffliegerschule 4 in Thorn ernannt. Am 1. Oktober 1942 wurde er zum Fliegerführer Gabes in Tunesien ernannt. Am 6. März 1943 wurde er zum Fliegerführer Kreta ernannt. Am 1. Oktober 1943 wurde er zum Kommandeur der 2. Flieger-Ausbildungs-Division in Göppingen ernannt. Ab dem 1. November 1943 wurde er dann durch die Umbenennung seiner Einheit als Kommandeur der 1. Flieger-Schuldivision in Göppingen eingesetzt, wo er am 1. Dezember 1943 zum Generalmajor befördert wurde. Bei Kriegsende geriet er in westalliierte Gefangenschaft, aus der er im Juni 1947 entlassen wurde.
Ritterkreuz (9. Mai 1942)
*Ausgeschiedene ehemalige Offiziere wurden oft als zivile Angestellte der
(schwarzen) Reichswehr in "Landesschutzangelegenheiten" beschäftigt
(L-Angestellte). Ab dem 1. Oktober 1933 taten diese als sog. L-Offiziere (L =
Landsschutz; nicht Landwehr) Dienst in Kommandostellen der Reichswehr, trugen
weiterhin Zivil und hatten an ihrem Rang ein "a.D." Das war wie eine eigene
Laufbahn mit eigener Besoldung neben dem aktiven Offizierskorps. Am 5. März 1935
erfolgte die Umbenennung in E-Offiziere für Ergänzungsoffizierskorps. Hier
trugen die Ränge dann ein (E) als Zusatz. Diese Offiziere wurden nur in
bestimmten Bereichen, meist Innendienst eingesetzt und machten während der
Aufrüstung aktive Offiziere frei für andere Verwendungen.
Literatur und Quellen:
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1914, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1914
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Gerhard von Seemen: Die Ritterkreuzträger
1939-1945, Podzun-Verlag, Friedberg 1976