von Ruville, Armand Ernest Alexander

 

* 11. Oktober 1880, Potsdam

† 16. Januar 1947, Münster in Westfalen

 

 

Alexander von Ruville war der Sohn des Generalmajors Louis Amand Ernest von Ruville und dessen Ehefrau Therese, geborene von Konschitzki. Nach dem Abscluß der Selekta an der Haupt-Kadettenanstalt Groß-Lichterfelde wurde er am 20. März 1899 als Leutnant an das Königlich Preußische Heer überwiesen. Er kam dabei als Kompanieoffizier anfangs zur 8. Kompanie vom Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2 in Berlin. Nach einigen Jahren wurde er 1903 für die nächsten drei Jahre in die 6. Kompanie seines Regiments versetzt. Am 1. Oktober 1906 wurde er als Nachfolger von Leutnant Freiherr von Patow für zwei Jahre zum Adjutant des Füsilier-Bataillons seines Regiments in Berlin ernannt. Am 1. Oktober 1908 wurde er für fast drei Jahre zur Kriegsakademie kommandiert. Damit wurde er auch Jahrgangskamerad von Leutnant Paul Hausser und Leutnant Hans Jaeschke. Seinen Posten als Bataillonsadjutant übernahm jetzt Leutnant Freiherr Treusch von Buttlar-Brandenfels. Am 19. August 1909 wurde er während der Kommandierung zum Oberleutnant befördert. Am 2. November 1909 heiratete er die über acht Jahre jüngere Gerda Ursula Editha Armgard Sophie Freda Hildegard von Krosigk, Tochter vom persönlichen Adjutanten von Prinz Friedrich Leopold von Preußen, Major Anton Albrecht Eberhard Ehrenreich von Krosigk, in Potsdam. Am 8. August 1910 wurde sein Sohn Karl-Anton von Ruville geboren. Im Sommer 1911 kam er wieder zum Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2, wo er jetzt wieder als Kompanieoffizier der 6. Kompanie eingesetzt wurde. Am 19. Februar 1912 wurde seine Tochter Alexandra Therese Jutta von Ruville in Berlin geboren. Vom 1. Oktober 1912 bis zum 1. Oktober 1913 wurde er als Gerichtsoffizier seines Regiments eingesetzt. Am 1. Oktober 1913 wurde er zum Hauptmann befördert. Als solcher wurde er am 10. September 1913 mit Wirkung vom 1. Oktober 1913 zum Stab des Garde-Jäger-Bataillons nach Potsdam versetzt. Dort wurde er jetzt als Hauptmann beim Stabe eingesetzt. Am 2. Mai 1914 wurde seine Tochter Heidi Maria Margarethe Elisabeth von Ruville in Potsdam geboren. Seine Ehe wurde später geschieden. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Hauptmann Alexander von Ruville am 2. August 1914 Kompaniechef im Garde-Reserve-Jäger-Bataillon. Im Sommer 1915 wurde er durch einen Kopfschuß als Chef der 1. Kompanie vom Garde-Reserve-Jäger-Bataillon schwer verwundet. Seine weitere Verwendung im Krieg ist zum großen Teil unklar. Zum Ende des Krieges war er ab dem 9. November 1918 der letzte Kommandeur vom Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 16. Im 1. Weltkrieg wurde er nicht nur verwundet, was sich in der Verleihung des Verwundetenabzeichens in Schwarz wiederspiegelte. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm neben dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern und beiden Eisernen Kreuzen noch einige andere Auszeichnungen verliehen. Seine Ehe wurde schon vor Ende des 1. Weltkrieges geschieden. Im Januar 1919 wurde er kurzzeitig zum Führer des Freiwilligen-Garde-Jäger-Bataillons ernannt. Damit gehörte er zum Freikorps Potsdam, welches beim Spartakusaufstand 1919 in Berlin zum Einsatz kam. Am 1. Mai 1919 wurde er in das vorläufige Reichsheer übernommen. Dort wurde er als Chef der 2. Kompanie vom Reichswehr-Jäger-Bataillon 3 der Reichswehr-Brigade 3 eingesetzt. Diese wurde aus den Freikorps Hülsen und Potsdam gebildet. Am 1. Oktober 1919 kam es zur Umgliederung des Bataillons. Seine 2. Kompanie wurde bei der Zusammenlegung des Reichswehr-Jäger-Bataillon 3 mit dem I. Bataillon vom Perleberger Reichswehr-Schützen-Regiment 6 und der Radfahr-Kompanie 30 (ehemals Freikorps Lützow) aufgelöst. Er übernahm dafür als Nachfolger für den ausscheidenen Rittmeister Freiherr von Berchem die neue Radfahr-Kompanie. Mit seiner Kompanie wurde er am 1. Januar 1920 für drei Monate nach Ostpreußen abbefördert um dort der Brigade von Dassel unterstellt zu werden. Im Zusammenhang mit der Abtretung des Memellandes an Litauen musste es dort die Reichsgrenze schützen. Nach dem Abschied von der Stadt Ruß räumte seine Kompanie als letzte Truppe Ende Januar 1920 das abgetretene Gebiet. Die Kompanie setzte ihre Grenzschutztätigkeit dann im Gebiet von Ragnit fort. Im April 1920 kehrte er mit seiner Kompanie wieder nach Potsdam zurück. Bei der Bildung des 200.000 Mann Heeres der Reichswehr Mitte Mai 1920 wurde das Reichswehr-Jäger-Bataillon 3 als II. Bataillon in das Reichswehr-Infanterie-Regiment 5 der Reichswehr-Brigade 3 eingegliedert. Bei der Bildung des 100.000 Mann Heeres der Reichswehr wurde er am 27. Dezember 1920 als Kompaniechef in das 9. (Preuß.) Infanterie-Regiment übernommen. Welche Kompanie genau ist nicht bekannt, aber es dürfte eine Kompanie vom II. Bataillon gewesen sein. Im Herbst 1921 wurde er mit Wirkung vom 1. Juli 1921 zum Major befördert. Als solcher folgte am 15. Dezember 1921 seine Versetzung in den Stab vom Infanterieführer III ebenfalls in Potsdam. Am 26. September 1921 heiratete er die fast sechszehn Jahre jüngere Felicitas Ella Auguste Julie Maria Fortunata von Kühne, jüngste Tochter von General der Kavallerie Alfred von Kühne, in Potsdam. Er blieb einige Jahre im Stab vom Infanterie-Führer III. Am 1. Februar 1925 wurde er als Nachfolger von Oberst Rohrbeck zum Kommandeur des II. Bataillons vom 2. (Preußisches) Infanterie-Regiment in Rastenburg ernannt. Am 15. Juni 1925 wurde sein Sohn Joachim-Ferdinand Herbert Ernest Alfred von Ruville in Rastenburg geboren. Nach etwas mehr als zwei Jahren wurde er am 1. März 1927 mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Kommandanten von Münster in Westfalen betraut. Sein Bataillon beim 2. (Preuß.) Infanterie-Regiment übernahm dafür Major von Loebell. Am 1. Januar 1928 zum Oberstleutnant befördert, wurde er am 30. Januar 1928 aus dem Militärdienst verabschiedet. Neuer Kommandant von Münster wurde Oberstleutnant Lorenz.

Ab dem 1. April 1928 wurde er als Angestellter Landesschutzoffizier Oberstleutnant a.D. (L)* beim Stab der 6. Division der Reichswehr, gleichzeitig auch Befehlshaber im Wehrkreis VI angestellt. Am 28. Juni 1928 starb sein Vater. Am 30. Oktober 1928 wurde sein Sohn Ernst Alfred von Ruville in Münster geboren. Am 17. April 1931 ist seine Mutter gestorben. Am 1. Oktober 1933 wurde er als Fürsorgereferent beim Stab der Wehr-Ersatz-Inspektion Münster als Oberstleutnant (L) eingesetzt. Seine private Anschrift war jetzt Horstmarer Landweg 433 in Münster. Am 2. Februar 1935 ist sein Sohn Ernst Alfred von Ruville im Alter von sechs Jahren gestorben. Während der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er im März 1935 als Oberstleutnant (E) in das Ergänzungsoffizierskorps übernommen. Sein Rangdienstalter auf den 1. April 1928 festgelegt. Am 1. Juli 1936 wurde er als Oberstleutnant (E) zum Leiter der Fürsorge- und Versorgungs-Abteilung vom Generalkommando VI. Armeekorps ernannt. Am 1. August 1936 folgte in dieser Funktion seine Beförderung zum Oberst (E). 1938 wurde er auch als Leiter Wehrkreis-Fürsorge- und Ersatz-Abteilung beim Stab vom Generalkommando VI. Armeekorps bezeichnet. Bei der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg am 26. August 1939 wurde er zum Leiter der Fürsorge- und Versorgungs-Abteilung beim Stellvertretendes Generalkommando VI. Armeekorps in Münster ernannt. Am 1. Juli 1942 wurde er in dieser Position noch zum Generalmajor befördert und damit gleichzeitig in den aktiven Dienst überführt. Am 4. August 1942 wurde er mit Wirkung vom 31. August 1942 unter Verleihung des Rechts zum Tragen der bisherigen Uniform aus dem aktiven Wehrdienst entlassen. Bereits am 12. August 1942 wurde das bereits wieder abgeändert. Er wurde zusätzlich mit Wirkung vom 1. September 1942 zur Verfügung des Heeres gestellt. Seinen Dienst regelte das Wehrkreiskommando VI. Am 30. Juli 1943 wurde seine z.V. Stellung mit Wirkung vom 31. August 1943 aufgehoben. Am 24. November 1943 ist sein Sohn Oberleutnant Karl Anton von Ruville als Angehöriger von der 7. Kompanie vom Grenadier-Regiment 673 in Wessely Orel, ca. 8 Kilometer südöstlich von Alexandrija in Russland durch Infanteriegschoss gefallen. Er starb nicht einmal zwei Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges in Münster in Westfalen. Seine Witwe wohnte auch noch lange nach dem Krieg im Rüschhausweg 433 in Münster. Bei ihr lebte auch die Witwe seines Sohnes, Ilse von Ruville. Später zogen beide in den Rüschhausweg 261 in Münster, wo sie noch Mitte der 60iger Jahre lebten.

 

*Ausgeschiedene ehemalige Offiziere wurden oft als zivile Angestellte der (schwarzen) Reichswehr in "Landesschutzangelegenheiten" beschäftigt (L-Angestellte). Ab dem 1. Oktober 1933 taten diese als sog. L-Offiziere (L = Landsschutz; nicht Landwehr) Dienst in Kommandostellen der Reichswehr, trugen weiterhin Zivil und hatten an ihrem Rang ein "a.D." Das war wie eine eigene Laufbahn mit eigener Besoldung neben dem aktiven Offizierskorps. Am 5. März 1935 erfolgte die Umbenennung in E-Offiziere für Ergänzungsoffizierskorps. Hier trugen die Ränge dann ein (E) als Zusatz. Diese Offiziere wurden nur in bestimmten Bereichen, meist Innendienst eingesetzt und machten während der Aufrüstung aktive Offiziere frei für andere Verwendungen.

 

Literatur und Quellen:
Krug, Ottomar Deutsche Generale 1918-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/10853
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1898, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1898
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1899, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1899
Rang- und Quartierlisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1900, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1900
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1901, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1901
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1902, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1902
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1903, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1903
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1904, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1904
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1905, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1905
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1906, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1906
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1907, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1907
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1908, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1908
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1909, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1909
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1910, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1910
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1911, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1911
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1912, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1912
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1913, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1913
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1914, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1914
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich  Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Dienstaltersliste des Ergänzungsoffizierskorps (Heer) Stand vom 1. November 1935
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Dienstaltersliste des Heeres zur Stellenbesetzung 1938 (Ergänzungsoffiziere) und Dienstaltersliste z.D. des Heeres zur Stellenbesetzung 1938
Stellenbesetzung des Heeres 1938
Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983