von Stutterheim, Wolff Ludwig
| * 17. Januar 1893, Königsberg in Preußen † 3. Dezember 1940, Berlin (Charité) |
Wolff von Stutterheim war der zweite und jüngste Sohn des Infanterieoffiziers und späteren Oberstleutnant z.D. Viktor Wolff von Stutterheim und dessen Ehefrau Marie Emma Klara, geborene Hermann. Er trat nach seinem Abitur am 1. April 1912 in die Königlich Preußische Armee ein. Er kam dabei zum Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 in Berlin. Bei diesem wurde er am 18. Oktober 1913 zum Fähnrich befördert. Nach dem Besuch der Kriegsschule wurde er am 19. Juni 1914 zum Leutnant befördert. Das Patent wurde dabei auf den 23. Juni 1912 datiert. Danach wurde als Kompanieoffizier in der 3. Kompanie von seinem Regiment in Berlin eingesetzt. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges kam er mit dieser an die Front. Dort wurde er Anfang September 1914 leicht verwundet ins Lazarett gebracht. Ab Oktober 1914 übernahm er die Führung über die 5. Kompanie seines Regiments an der Westfront. Diese Kompanie führte er bis zum Ende des Jahres, als eine schwere Verwundung seine erneute Einlieferung ins Lazarett unumgänglich machte. Während der Sylvesterpredigt schlug eine Granate nahe der Kirche ein und sorgte für etwa 20 Tote und ca. 60 Verletzte. Nach seiner Genesung war er ab Februar 1915 als Adjutant des Füsilier-Bataillons vom Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 wieder an die Front zurück. Im Mai 1915 wurde er in den Kämpfen bei Tuchla wieder verwundet. Nach einem kurzen Aufenthalt im Lazarett war er ab dem kalendarischen Sommerbeginn 1915 als Führer der 4. Kompanie seines Regiments wieder an der Front. Er traf direkt nach Ende der Schlacht um Lemberg ein. Nach einem Monat in dieser Funktion wurde er erneut verwundet. Im August 1915 kehrte er wieder zum Regiment an die Front zurück, wo er aber noch im gleichen Monat bei Brest-Litowsk schwer verwundet wurde. Am 1. März 1916 kehrte er als Kompanieführer der 4. Kompanie wieder zum Regiment zurück. Am 23. August 1916 wurde er zum Adjutant des II. Bataillons ernannt. Sein Vater wurde als Kommandeur vom Reserve-Ersatz-Infanterie-Regiment Nr. 4 am 1. September 1916 an der Yser im Raum Dixmuiden verwundet. Er starb an den Wunden am 2. September 1916 in Ichteghem. Anfang Mai 1917 wurde er durch Handgranatensplitter erneut leicht verwundet, kehrte aber am 5. Juni 1917 wieder zur Truppe zurück. Seine Beförderung zum Oberleutnant erfolgte am 16. September 1917. Als solcher wurde er dort nur wenige Wochen später zum Regimentsadjutant seines Regiments ernannt. Nach der 2. Angriffsschlacht an der Marne im Juli 1918 reichte ihn sein Kommandeur Major Friedrich von Wedekind gemeinsam mit Hauptmann Otto Lancelle zum Pour le Mérite ein. Dieser wurde ihm am 29. August 1918 verliehen. Er selbst wohnte 1918 privat offiziel in der Alexanderkaserne in Berlin. Im Ersten Weltkrieg wurde er nicht nur mehrmals verwundet, was sich in der Verleihung des Verwundetenabzeichens in gelb widerspiegelte. Außerdem wurden ihm neben dem Pour le merite, dem Ritterkreuz des Königlich Preußischen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern (31. Oktober 1916), und beiden Eisernen Kreuzen noch weitere Auszeichnungen verliehen. Nach dem Krieg wurde er anfangs im Grenzschutz Ost eingesetzt. Beim Abreiten der Vorposten im Abschnitt Lublinitz verunglückte Stutterheim am 24. Dezember 1918 durch einen Sturz vom Pferd schwer. Er zog sich einen Schädelbruch zu und verbrachte daraufhin die kommenden viereinhalb Jahre in Krankenhäusern und Sanatorien. Am 5. September 1919 wurde er wieder zur Verfügung vom Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 gestellt. Bei der Bildung des 200.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er am 15. Mai 1920 aus dem Militärdienst entlassen.
Nach den ersten Schritten seiner Genesung absolvierte Stutterheim von 1923 bis Juli 1927 ein Studium der Rechts- und der Forstwissenschaft an der Universität Münster. Daran schloss sich bis zum 30. September 1929 ein Referendariat im Forstdienst an. Am 29. Juni 1928 heiratete er die anderthalb Jahre jüngere Dorothea Elisabeth Maria Agnes Gräfin Finck von Finckenstein, Tochter vom 1924 verstorbenen Rittergutsbesitzer Günther Karl Friedrich Graf Finck von Finckenstein, auf deren Familiengut Trossin (Neumark). Anschließend an das Referendariat war er für zwei Monate als Forstassessor am Forstamt Rheinsberg, um dann eine Stelle als Oberförster am Forstamt Ilfeld im Südharz zu übernehmen. Dort verblieb er über seine Ernennung zum Staatsforstmeister am 1. April 1934 hinaus. Nach anderen Angaben war er für das Wernigerodische Forstamt (Oberförsterei Hufthal - Rothesütte) zuständig. Er wohnte seit Anfang der 30iger Jahre mehrere Jahre in der Alleestraße 9 in Ilfeld und hatte die Telefonnummer 40. Seine Tochter Reinhild Ulrike Marie Gisela von Stutterheim wurde am 20. Januar 1932 in Nordhausen geboren. Als Oberförster war er auch Führer der Flieger-Ortsgruppe Nordhausen der Fliegerlandesgruppe XI, Thüringen des Deutschen Luftsportverbandes (DLB) e.V. Seine Stellvertreter waren Walter Burkhardt und Hans Werther. Während der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 1. Juli 1935 als Major reaktiviert. Dabei kam er jetzt zur Luftwaffe. Anfänglich wurde er den Offizieren z.b.V. beim Reichsminister der Luftfahrt und dem Oberbefehlshaber der Luftwaffe zugeordnet. Er absolviete jetzt eine Pilotenausbildung. Nach fast genau einem Jahr wurde er am 28. Juni 1936 bei einem Absturz schwer verletzt. Daraufhin fiel er fäst wieder zwei Jahre aus. Zum 1. Oktober 1936 wurde er zum Obersleutnant befördert. Sein Sohn Friedrich Max Heinrich Theodor von Stutterheim wurde am 18. November 1936 geboren. Am 1. April 1938 wurde er zum Stab vom Lufgau-Kommando II kommandiert. Am 1. Juli 1938 wurde er zum Stab vom Luftgau-Kommando III nach Berlin kommandiert. Am 1. November 1938 wurde er zur IV. Gruppe vom Kampfgeschwader 152 kommandiert. Dort erhielt er eine Einweisung als Gruppenkommandeur. Am 1. Janaur 1939 wurde er zum Oberst befördert. Gleichzeitig wurde er zum Kommandeur der IV. Gruppe vom Kampfgeschwader 152 ernannt. Am 1. Februar 1939 übernahm er als Kommandeur die II. Gruppe vom Kampfgeschwader 255. Am 1. Mai 1939 wurde er zum Kommandeur der III. Gruppe vom Kampfgeschwader 77 in Königgrätz ernannt. Er wurde auch Kommandant des Flugplatzkommandos vor Ort. Sein Ersatztruppenteil war das Flieger-Ausbildungs-Regiment 14 in Klagenfurt. Beim sogenannten Tannenbergtag wurde ihm am 27. August 1939 der Charakter als Generalmajor verliehen. Auch zu Beginn des 2. Weltkrieges war er weiterhin Gruppenkommandeur und führte diese in den Polenfeldzug. Als Nachfolger von Oberst Heinrich Seywald übernahm er aber nach wenigen Wochen das gesamte Kampfgeschwader 77 als Kommodore. Er führte das Geschwader nach dem Ende des Feldzuges auch bei der Verlegung in den Westen. Vom 23. März 1940 bis zum 30. Mai 1940 wurde er in die Führerreserve OKL versetzt. 1940 wohnte er privat in der Badensche Straße 17 in Berlin-Wilmersdorf und hatte die Telefonnummer 877441. Sein Nachfolger als Geschwaderkommodore wurde Oberst Dr. Johann-Volkmar Fisser. Als dieser dann wieder das Kampfgeschwader 51 übernahm, bekam er während des Westfeldzuges wieder das Kampfgeschwader 77, das er in der Folgezeit im restlichen Westfeldzug führen sollte. Am 15. Juni 1940 gegen 17 Uhr wurde er jedoch in einem Luftkampf in seiner Do 17 Z (3Z+AA) von französischen Piloten abgeschossen. Er stürzte westlich von Neufchâteau bei Leurville ab. Er wurde sofort ins Feldlazerett 623 nach St. Dizier gebracht und m nächsten Tag im Luftransport in die Berliner Charité überführt. Für seine besonderen Leistungen als Kommodore des Kampfgeschwaders 77 wurde ihm am 4. Juli 1940 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Seine Verletzungen ist er am 3. Dezember 1940 um 9:20 Uhr in der Charité erlegen. Er wurde auf dem Berliner Invalidenfriedhof beigesetzt. Seine Mutter starb am 20. Juni 1941 in Hildesheim.
Er hatte mehrere Geschwister:
Sein älterer Bruder war der am 27. November
1891 in Gotha geborene Günther Theodor Max Paul von Stutterheim. Er heiratete am
23. August 1920 die Else Helene Bertha Marianne Damsch in Göttingen. Er selbst
starb als Stiftsamtmann am 4. April 1941 in Rinteln.
Seine jüngere Schwester
war die am 2. Oktober 1894 in Gotha geborene Marie
Gertrud Luise Berta Hedwig von Stutterheim. Diese heiratete am 10. August
1918 den über einundzwanzig Jahre älteren Rittergutsbesitzer von Waldsieversdorf
und Deligierten des Roten Kreuzes Dr. der Rechte Hans
Jürgen Tam Felix von Flemming, Sohn des verstorbenen Major Felix Paul Kurt
Friedrich von Flemming, in Berlin. Oberleutnant Wolf von Stutterheim war einer
der beiden Trauzeugen.
Seine jüngste Schwester war die am 12. März 1897 in
Gotha geborene Annemarie Ludmilla Klara Emma
von Stutterheim. Diese lebte als ledige Stiftsdame.
Ritterkreuz (4. Juli 1940)
Literatur und Quellen:
Krug, Ottomar Deutsche Generale 1918-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur
MSG 109/10853
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1901, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1901
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1902, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1902
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1903, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1903
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1904, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1904
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1905, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1905
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1906, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1906
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1907, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1907
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1908, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1908
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1909, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1909
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1910, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1910
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1911, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1911
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1912, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1912
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1913, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1913
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich
Württembergischen) Armeekorps 1914, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin
1914
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII.
(königlich Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII.
(bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Horst Scheibert: Die Träger des Deutschen Kreuzes in Gold und Silber, 2
Bände, Verlag Podzun-Pallas, 1983 und 1990
Pers 6/338