Schnarrenberger, Ernst
| * 27. Juli 1893, Buchen im Odenwald / Baden † 10. Juni 1966, Bad Mergentheim |
Ernst Schnarrenberger war der Sohn des Gymnasialproffessors Wilhelm Schnarrenberger und dessen Ehefrau Helene, geborene Bleicher. Er trat am 1. Juli 1912 als Fahnenjunker in die Königlich Preußische Armee ein. Dabei kam der Sohn eines Professors zum 4. Unter-Elsässisches Infanterie-Regiment Nr. 143. Bei diesem wurde er am 22. März 1913 zum Fähnrich befördert. Nach dem Besuch der Kriegsschule wurde er am 17. Februar 1914 zum Leutnant befördert. Sein Patent wurde dabei auf den 21. Februar 1912 datiert. Als solcher wurde er dann als Kompanieoffizier im 4. Unter-Elsässisches Infanterie-Regiment Nr. 143 eingesetzt. Nach der Mobilmachung für den 1. Weltkrieg rückte am 2. August 1914 als Zugführer in der 12. Kompanie vom 4. Unter-Elsässisches Infanterie-Regiment Nr. 143 an die Front aus. Am 23. August 1914 wurde er dort verwundet. Anfang November 1914 kehrte er dann wieder zu seinem Regiment zurück. In der Folge wurde er als Führer verschiedener Kompanien eingesetzt. Im Sommer 1915 wurde er dann zum Adjutant des I. Bataillons vom 4. Unter-Elsässisches Infanterie-Regiment Nr. 143 ernannt. Ab Anfang Februar 1916 führte er dann die 4. Kompanie vom 4. Unter-Elsässisches Infanterie-Regiment Nr. 143. Am 1. November 1916 geriet er an der Somme in Kriegsgefangenschaft. Am 10. Februar 1920 wurde er aus dieser Gefangenschaft wieder in die Heimat entlassen. Im Ersten Weltkrieg wurde er nicht nur verwundet, was sich in der Verleihung des Verwundetenabzeichens in Schwarz widerspiegelte. Außerdem wurden ihm neben beiden Eisernen Kreuzen auch andere Auszeichnungen verliehen. Nach der Entlassung aus der Gefangenschaft wurde er dann als Leutnant in das vorläufige Reichsheer übernommen. Er wurde jetzt dem Reichswehr-Schützen-Regiment 113 zugeteilt. Auch bei der Bildung vom 200.000 Mann-Übergangsheer der Reichswehr im Frühjahr 1920 gehörte er zu diesem Regiment. Bei diesem wurde er am 29. Juni 1920 zum Oberleutnant befördert. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 18. April 1917 festgelegt. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er dann in das 14. (Badisches) Infanterie-Regiment übernommen. Anfänglich wurde er bei diesem als Kompanieoffizier eingesetzt. Am 1. Oktober 1921 wurde er als solcher dann zum 15. Infanterie-Regiment versetzt. Spätestens ab dem Frühjahr 1924 gehörte er dann als Kompanieoffizier zur 13. (Minenwerfer) Kompanie vom 15. Infanterie-Regiment in Kassel. Am 1. November 1924 wurde er zum Hauptmann befördert. Am 1. Juni 1925 wurde er als Nachfolger von Hauptmann Fritz Neidholdt zum Chef der 13. (Minenwerfer) Kompanie vom 16. Infanterie-Regiment in Oldenburg ernannt. Diese Funktion übte er dann mehrere Jahre aus. Am 22. Oktober 1926 hat er Else Schmid geheiratet. Am 1. April 1930 wurde er dann als Chef der 5. Kompanie und Nachfolger von Hauptmann Friedrich Schmidt vom 16. Infanterie-Regiment nach Hannover versetzt. Seine vorherige Kompanie wurde durch Hauptmann Carl André übernommen. Am 1. April 1933 wurde er dann in den Stab des II. (Preuß.) Bataillons vom 16. Infanterie-Regiment ebenfalls in Hannover versetzt. Zum 1. April 1934 wurde er zum Major befördert. Während der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er dann als Inspektionschef zur Kriegsschule Hannover versetzt. Diese Funktion übte er dann fast zwei Jahre aus. Dabei wurde er zum 1. August 1936 zum Oberstleutnant befördert. Am 6. Oktober 1936 wurde er dann zum Kommandeur des III. Bataillons vom Infanterie-Regiment 55 nach Mergentheim versetzt. Als solcher wurde er dann zum 1. April 1939 zum Oberst befördert. Auch bei Beginn des 2. Weltkrieges im Sommer 1939 wurde er weiter als Kommandeur des III. Bataillons vom Infanterie-Regiment 55 im Verband der 17. Infanterie-Division im Polenfeldzug eingesetzt. Am 17. September 1939 wurde er dann als Nachfolger von Oberst Siegmund Freiherr von Schacky auf Schoenfeld mit der Führung vom Infanterie-Regiment 95 beauftragt. Am 1. Oktober 1939 wurde er dann zum Kommandeur vom Infanterie-Regiment 95 ernannt. Dieses Kommando sollte er dann mehrere Jahr behalten. Im Frühjahr 1940 führte er sein Regiment im Divisionsverband in den Westfeldzug. Nach dem Ende vom Frankreichfeldzug blieb er mit seinem Regiment als Besatzungstruppe in Frankreich. Er trug jetzt bereits beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen. Zum Ende vom Frühjahr 1941 verlegte es mit der gesamten Division nach Polen. Er führte sein Regiment dann zum Sommerbeginn 1941 im Verband der 17. Infanterie-Division im Ostfeldzug beim Angriff auf Mittelrussland. Am 22. November 1941 wurde ihm das Deutsches Kreuz in Gold verliehen. Auch Anfang 1942 wurde er mit seinem Regiment im Divisionsverband im Mittelabschnitt der Ostfront eingesetzt. Mitte Oktober 1942 gab er sein Kommando über das Infanterie-Regiment 95 ab. Er wurde dafür jetzt zum Kommandant für das rückwärtige Armeegebiet 556 (Korück 556) ernannt. In dieser Funktion unterstand er jetzt der Deutsch-Italienische Panzerarmee in Afrika. Zum 1. November 1942 wurde er zum Generalmajor befördert. Zum Ende des Afrikafeldzuges wurde er im Frühjahr 1943 auch noch Festungskommandant von Tunis. Am 11. Mai 1943 geriet er dann in Tunis in englische Gefangenschaft. In dieser wurde er dann bereits nach wenigen Tagen den Amerikanern übergeben. Während dieser erarbeitete er folgende Werke für die Historical Division: D-005 "Fortress Tunis (1-11 May 1943)"; D-070 "Report of Army Rear Area Commander, Army of North Africa, Part I (Nov 1942)"; D-072 "Aus dem Arbeitsgebiet des Kommandanten des Rueckwaertigen Armeegebiets Nordafrika, Teil II". Die Werke basierten zum großen Teil auf seinen persönlichen Aufzeichnungen. Aus der amerikanischen Gefangenschaft wurde er nach über vier Jahren am 27. Juni 1947 wieder entlassen. Sein älterer Bruder war der am 30. Juni 1892 in Buchen im Odenwald geborene Maler Wilhelm Schnarrenberger. Sein Bruder starb fast genau zwei Monate früher als er am 12. April 1966 in Karlsruhe.