André, Carl Arnold Theodor

 

* 24. Mai 1894, Rittergut Freimissen bei Blomberg Lippe

† 22. Januar 1985, Bückeburg

 

 

Carl André war der Sohn vom Rittergutspächter August André und dessen Frau Anna, geborene Clostermann. Er trat am 20. Juni 1912 als Fahnenjunker in die Königlich Preußische Armee ein. Er kam dabei zum 4. Hannoversches Infanterie-Regiment Nr. 164 nach Hameln. Bei diesem wurde er am 21. Dezember 1912 zum Fahnenjunker-Unteroffizier befördert. Am 22. März 1913 wurde er zum Fähnrich befördert. Nach dem Besuch der Kriegsschule wurde er am 19. Juni 1914 zum Leutnant befördert. Danach wurde er als Kompanieoffizier im 4. Hannoversches Infanterie-Regiment Nr. 164 eingesetzt. Anfang August 1914 kam er dann in dieser Funktion mit seinem Regiment an die Front. Anfang September 1914 wurde er verwundet ins Lazarett eingeliefert. Am 7. Januar 1915 wurde er nach der Entlassung zum I. Ersatz-Bataillon vom 4. Hannoversches Infanterie-Regiment Nr. 164 nach Hameln versetzt. Anfang August 1915 wurde er dann wieder zum aktiven Regiment an die Front entsendet. Dort wurde er direkt als Leiter des Ausbildungskursus für Offiziersanwärter eingesetzt. Ab dem 1. November 1915 wurde er als Kompanieführer im 4. Hannoversches Infanterie-Regiment Nr. 164 eingesetzt. Am 26. März 1916 wurde er krank in das Lazarett eingeliefert. Am 10. April 1916 kehrte er als Kompanieoffizier wieder zum aktiven Regiment zurück. Dort wurde er ab dem 15. Juni 1916 wieder als Kompanieführer eingesetzt. Am 17. April 1917 wurde er in seinem Regiment zum Regimentsadjutant ernannt. Als solcher wurde er vom 6. Oktober 1917 bis zum 20. Oktober 1917 zeitweise zum Feldartillerie-Regiment Nr. 94 kommandiert. Bis zum Ende des Krieges blieb er weiterhin der Regimentsadjutant. Am 9. Oktober 1918 wurde ihm das Ritterkreuz des Königlich Preußischen Hausordens von Hohenzollern verliehen. Im 1. Weltkrieg wurde er nicht nur verwundet, was sich in der Verleihung des Verwundetenabzeichens in Schwarz widerspiegelte. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm neben beiden Eisernen Kreuzen noch einige andere Auszeichnungen verliehen. Im Sommer 1919 wurde er in das vorläufige Reichsheer übernommen. Dabei wurde er anfangs ab Ende Juli 1919 als Kompanieoffizier im Reichswehr-Infanterie-Regiment 20 eingesetzt. Mitte September 1919 wurde er in gleicher Funktion in das Reichswehr-Infanterie-Regiment 19 versetzt. Auch bei der Bildung des 200.000 Mann-Heeres der Reichswehr Mitte Mai 1920 war er noch immer Kompanieoffizier im Reichswehr-Infanterie-Regiment 19 der Reichswehr-Brigade 10. Am 1. Juni 1920 wurde er zum Adjutant des I. Bataillons vom Reichswehr-Infanterie-Regiment 19 ernannt. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er als Adjutant des II. Bataillons vom 16. Infanterie-Regiment übernommen. Diese Position behielt er bis zum 1. Oktober 1923 bei. Am 1. Oktober 1923 wurde er als Kompanieoffizier in die 8. (MG) Kompanie vom 16. Infanterie-Regiment versetzt. Sein Nachfolger als Bataillonsadjutant wurde Oberleutnant Georg Rieke. Am 1. Februar 1924 wurde er zum Oberleutnant befördert. Am 17. März 1924 absolvierte er seine Wehrkreisprüfung. Vom 2. Oktober 1924 bis zum 18. Oktober 1924 wurde er zum MG-Kurs auf den Truppenübungsplatz Sennelager kommandiert. Vom 7. Februar 1927 bis zum 26. Februar 1927 wurde er zum Fahrlehrerkursus kommandiert. Am 1. Oktober 1927 wurde er zur 13. (Minenwerfer) Kompanie vom 16. Infanterie-Regiment nach Oldenburg versetzt. Vom 11. Oktober 1927 bis zum 31. März 1928 wurde er zum Minenwerfer-Lehrgang auf den Truppenübungsplatz Döberitz kommandiert. Bei der 13. Kompanie in Oldenburg wurde er am 1. Januar 1929 zum Hauptmann befördert. Am 1. April 1930 wurde er als Nachfolger von Hauptmann Ernst Schnarrenberger zum Chef der 13. (MW) Kompanie vom 16. Infanterie-Regiment ernannt. Vom 6. Oktober 1930 bis zum 31. Oktober 1930 wurde er zum Schießlehrgang für schwere Infanteriewaffen auf den Truppenübungsplatz Döberitz kommandiert. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 1. Oktober 1934 durch die Umbenennung seines Regiments zum Chef der 13. (MW) Kompaie vom Infanterie-Regiment Oldenburg ernannt. Als solcher wurde er am 1. Mai 1935 zum Major befördert. Bei der Enttarnung der Einheiten am 15. Oktober 1935 wurde er abgelöst. Er selbst wurde an diesem Tag zum Kommandeur vom MG-Bataillon 1 in Dortmund ernannt. Diese Position behielt er mehrere Jahre. Vom 14. November 1935 bis zum 28. November 1935 besuchte er die Unterweisung der Stabsoffiziere bei der 16. Infanterie-Division. 1937 verlegte er mit seinem Bataillon auf den Truppenübungsplatz Wahn als vorläufigen Standort. Am 1. Januar 1938 wurde er zum Oberstleutnant befördert. Nur wenige Tage später verlegte er mit seinem Bataillon nach Euskirchen. Am 15. Juli 1939 heiratete er die geschiedene Dorothea Schultz, geborene Klostermann, Tochter vom Apothekenbesitzer Adolf Klostermann. Auch bei der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg im Spätsommer 1939 war er noch immer Kommandeur vom MG-Bataillon 1. Anfang Februar 1940 wurde er zum Kommandeur vom neuen Infanterie-Regiment 521 ernannt. Dieses führte er jetzt im Verband der 296. Infanterie-Division. Im Westfeldzug kam er mit seinem Regiment als OKH-Reserve nicht zum Kampfeinsatz. Danach wurde er mit dem Regiment als Besatzungstruppe verwendet. Ende August 1940 verlegte er mit seinem Regiment an den Ärmelkanal in den Raum Dünkirchen. Zum 1. Dezember 1940 wurde er zum Oberst befördert. Am 24. Dezember 1940 wurde ihm die Spange zum Eisernen Kreuz 2. Klasse verliehen. Am 14. Februar 1941 erhielt er folgende Beurteilung von General Stemmermann, Kdr. der 296. Infanterie-Division: "Ruhige, vornehme, in sich gefestigte Persönlichkeit. Trotz Körperfülle noch genügend beweglich. Versteht es ausgezeichnet, sein Offizierskorps zu erziehen und zu führen. Sein Regiment, dass er aufgstellt hat, ist gut ausgebildet und geführt. Vor dem Feinde bewährt. Bewertung: Füllt sehr gut aus. Organisatorisches- und Lehrtalent. Empfehlung: Geeignet zum Abteilungschef im OKH und Kommandeur von Schulen." Dazu ergänzte am 20. Februar 1941 General der Artillerie Wilhelm Fahrmbacher, KG vom VII. Armeekorps: "Ein sehr guter Regimetskommandeur." Bereits Anfang März 1941 verlegte er sein Regiment im Divisionsverband an die Ostgrenze. Zum Sommerbeginn 1941 führte er das Regiment im Verband der 296. Infanterie-Division im Südabschnitt der Ostfront ins Gefecht. Am 30. Juli 1941 wurde ihm die Spange zum Eisernen Kreuz 1. Klasse verliehen. Ab Ende September 1941 wechselte er mit seinem Regiment in den Mittelabschnitt der Ostfront. Am 18. Januar 1942 wurde ihm das Infanterie-Sturmabzeichen in Silber verliehen. Am 1. April 1942 erhielt er folgende Beurteilung von General von Krischer, Kdr. der 296. Infanterie-Division: "Tüchtiger, umsichtiger Kommandeur, der seine Truppe fest in der Hand hat und es ausgezeichnet versteht, auch sein Offizierskorps zu erziehen und zu führen. Bewertung: Füllt sehr gut aus." Dazu ergänzte am 12. April 1942 General der Infanterie Heinrich Clößner, KG vom LIII. Armeekorps: "Ein sehr tüchtiger Regimentskommandeur." Am 8. August 1942 wurde er mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Im Jahr 1942 wurde er weiterhin im Bereich der 2. Panzerarmee in Mittelrussland eingesetzt. Am 15. Oktober 1942 wurde er durch die Umbennenung seines Regiments zum Kommandeur vom Grenadier-Regiment 521 ernannt. Am 1. März 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Heinrich Clößner, KG vom LIII. Armeekorps: "Vor dem Feinde bewährt. Tüchtiger, umsichtiger Regimentskommandeur. Hat seine Truppe fest in der Hand. Führt seit dem 8. Januar 1943 vertretungsweise die Division und hat gezeigt, daß er dieser Aufgabe gewachsen ist. Bewertung: Füllt sehr gut aus. Guter Organisator. Lehrtalent. Über Durchschnitt. Empfehlung: Nach Schulung Divisionskommandeur." Dazu ergänzte am 11. März 1943 Generaloberst Rudolf Schmidt, OB der 2. Panzerarmee: "Einverstanden. Muß vor Übernahme einer Division auf Kursus." Dazu ergänzte am 2. April 1943 Generalfeldmarschall Günther von Kluge, OB der Heeresgruppe Mitte: "Einverstanden." Am 25. April 1943 gab er sein Kommando über das Grenadier-Regiment 521 ab. Dafür wurde er jetzt in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte dabei der Wehrkreis VI. Vom 3. Mai 1943 bis zum 29. Mai 1943 wurde er zum 4. Divisionsführerlehrgang kommandiert. Am 13. Juli 1943 wurde er zur Heeresgruppe Mitte kommandiert, um dort als stellvertretender Divisionsführer eingesetzt zu werden. Anfangs wurde er für etwa zwei Monate als Ersatz für Generalleutnant Alfons Hitter mit der stellvertretenden Führung der 206. Infanterie-Division beauftragt. Am 13. September 1943 wurde er wieder in die Führerreserve der Heeresgruppe Mitte versezt. Am 2. Oktober 1943 wurde er als Nachfolger von Generalleutnant Fritz-Georg von Rappard mit der Führung der 7. Infanterie-Division beauftragt. Am 28. November 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General Gollnick, KG vom XXXVI. Panzerkorps: "War den Anforderungen, die an einen Divisionskommandeur gestellt werden müssen, nicht gewachsen. In der taktischen Führung sprunghaft. Ist trotz besten Willens und persönlicher Straffheit nicht mitreißend und schwungvoll genug, um Untergebene auch in schweren Lagen anzufeuern. Besitzt nicht die Gabe, die Bayern psychologisch richtig zu behandeln. Nicht geeignet zum Divisionskommandeur." Am 29. November 1943 wurde er in der Divisionsführung abgelöst, sein Nachfolger wurde Generalmajor Gustav Gihr. Dafür wurde er am 1. Dezember 1943 erneut in die Führerreserve OKH versetzt, seinen Dienst regelte wieder der Wehrkreis VI. Zur letzten Beurteilung ergänzte am 3. Dezember 1943 Generaloberst Walter Weiss, OB der 2. Armee: "Einverstanden." Am 20. Dezember 1943 wurde er zum Kommandant von Bergen ernannt. Am 1. März 1944 erhielt er folgende Beurteilung von Generalmajor Hans Wagner, Kdr. der 269. Infanterie-Division: "Von anspruchsloser, etwas gehemmter Wesensart. Vorbildlich pflichttreu und einsatzbereit. Ha sich mit viel Fleiß in sein Aufgabengebiet als Festungskommndant eingearbeitet. Ist unermüdlich tätig, hat gute Gedanken und will das Beste, ist aber zögernd und sucht Anlehnung. Geistig tiefgründig, gewandt im schriftlichen Ausdruck. Sehr zuverlässig und pflichttreu. Trotz besten Willens wirkt er nicht überzeugend. Bewertung: Durchschnitt. Empfehlung: Belassung." Dazu ergänzte am 7. März 1944 General der Infanterie Hermann Tittel, KG vom LXX. Armeekorps: "Einverstanden."  In der Funktion als Festungskommandant Bergen wurde er zum 1. Dezember 1944 zum Generalmajor befördert. Als Kommandant der Festung Bergen soltte er am 12. Januar 1945 in die Führerreserve versetzt werden, was aber nicht wirksam wurde. Dafür blieb er dann bis zur Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 9. Mai 1945. Er kam dann in britische Gefangenschaft, aus der er nach über drei Jahren am 17. Mai 1948 wieder freigelassen wurde.