Bock von Wülfingen, Detlef Burghard Heinrich Georg Friedrich Otto

 

* 10. Dezember 1895, Kassel

† 30. Dezember 1984, Nordstemmen

 

 

Detlef Bock von Wülfingen war der Sohn vom Major a.D. Richard Carl Georg Heinrich Bock von Wülfingen und dessen Ehefrau Emmy Mathilde, geborene von Hügel. Er trat nach seinem Abitur am 10. März 1914 in die Königlich Preußische Armee ein. Er kam dabei als Fahnenjunker zum 2. Hannoversches Dragoner-Regiment Nr. 16 in Lüneburg. Am 23. März 1914 wurde er vereidigt. Am 31. Juli 1914 wurde er zum Fahnenjunker-Unteroffizier befördert. Am 21. September 1914 folgte seine Beförderung zum Fähnrich. Am 23. Oktober 1914 wurde er zum Leutnant, vorläufig ohne Patent, befördert. Sein Patent wurde am 15. November 1914 auf den 19. Februar 1913 datiert. Am 30. November 1914 wurde er in den Stab der 49. Reserve-Division kommandiert. Am 4. Dezember 1914 wurde ihm das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. Am 29. Dezember 1914 wurde er als Ordonanzoffizier zur 98. Reserve-Infanterie-Brigade kommandiert. Am 1. Juni 1915 wurde er in gleicher Funktion in den Stab der 213. Infanterie-Brigade versetzt. Ab dem 29. Februar 1916 wurde er er als Kompanieführer der 6. Kompanie zum Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 232 versetzt. Am 24. März 1916 wurde er als Ordonanzoffizier zum Stab der 221. Infanterie-Brigade kommandiert. Am 1. Juni 1916 kehrte er wieder zum 2. Hannoversches Dragoner-Regiment Nr. 16 zurück. Bei diesem wurde er jetzt als Führer der 6. Eskadron verwendet. Ab dem 5. März 1917 wurde er als 2. Ordonanzoffizier zum Stab der 187. Infanterie-Division versetzt. Am 25. Mai 1917 wurde ihm das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. Am 20. Juni 1918 wurde er zum Oberleutnant befördert. Als solcher wurde er gemäß Verfügung der 187. Infanterie-Division am 20. Juli 1918 zum Infanterie-Regiment Nr. 188 versetzt, blieb aber noch zum Divisionsstab kommandiert. Ab dem 8. August 1918 wurde er im Infanterie-Regiment Nr. 188 mit der Stelle als Kompanieführer der 2. Kompanie beliehen. Vom 13. August 1918 bis zum 30. August 1918 wurde er mit der Führung des I. Bataillons vom Infanterie-Regiment Nr. 188 beauftragt. Am 18. Oktober 1918 wurde er gemäß Verfügung der 187. Infanterie-Division zur Verwendung als Regimentsadjutant zum Infanterie-Regiment Nr. 189 versetzt. Am 19. Oktober 1918 wurde er mit der Stelle beim Infanterie-Regiment Nr. 189 als Regimentsadjutant beliehen. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm neben beiden Eisernen Kreuzen noch andere Orden verliehen. Am 9. Februar 1919 wurde er wieder in das 2. Hannoversches Dragoner-Regiment Nr. 16 versetzt. Ab März 1919 wurde er in diesem ebenfall als Reimentsadjutant verwendet. Im Jahr 1919 wurde er als Oberleutnant in das vorläufige Reichsheer übernommen. Am 1. Oktober 1919 wurde er als Regimentsadjutant in das Reichswehr-Kavallerie-Regiment 10 versetzt. Am 12. Oktober 1919 wurde er neu vereidigt. Am 15. März 1920 wurde er in das Reiter-Regiment 13 versetzt und direkt als Regimentsadjutant zum Stab kommaniert. Etatmäßig gehörte er zur 2. Eskadron des Regiments. Zu dieser gehörte er auch bei der Bildung des 200.000 Mann-Heeres der Reichswehr Mitte Mai 1920. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr im Herbst 1920 blieb er weiter Adjutant beim Reiter-Regiment 13. Am 24. Oktober 1921 wurde er von seinem Kommando als Regimentsadjutant entbunden. Dafür wurde er jetzt als Eskadronoffizier in die 2. Eskadron vom 13. (Preuß.) Reiter-Regiment versetzt. Vom 17. Juli 1922 bis zum 13. Dezember 1922 wurde er zum V. Lehrgang für Leibesübungen nach Wünsdorf kommandiert. Am 24. Oktober 1922 erhielt er die Erlaubnis zur Verheiratung. Am 14. Dezember 1922 (standesamtlich) und 18. Mai 1923 (kirchlich) heiratete er die über viereinhalb Jahre jüngere Marianne Albertine Anette Luise Gustave Freiin von der Wenge Gräfin von Lambsdorff, Tochter vom Generalleutnant Gustav Richard Wilhelm Freiherr von der Wenge, Graf von Lambsdorff, in Hannover. Am 22. März 1923 absolvierte er seine Wehrkreisprüfung. Spätetens ab dieser Zeit wurde er mehrere Jahre als Eskadronoffizier in der 4. Eskadron seines Regiments in Lüneburg eingesetzt. Am 17. Juni 1924 wurde sein Sohn Joachim Richard Albrecht Gerhard Fritz Hans-Adolf Bock von Wülfingen in Lüneburg geboren. Sein Regimentskamerad Hans-Adolf von Arentstorff war einer der Taufpaten. Im Frühjahr 1927 gehörte er dann als Eskadronoffizier zur 3. Eskadron seines Regiments am gleichen Standort. Vom 4. April 1927 bis zum 20. August 1927 wurde er zum V. Offiziers-Waffenschullehrgang kommandiert. Am 6. September 1927 wurde er mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 in das 3. (Preußisches) Reiter-Regiment versetzt. Dort wude er jetzt als Führer des MG-Zuges der Ausbildungs-Eskadron in Rathenow eingesetzt. Vom 11. Oktober 1927 bis zum 18. November 1927 wurde er zum Lehrgang am schweren MG nach Döberitz kommandiert. Während des Lehrgangs wurde er zum 1. November 1927 zum Rittmeister befördert. Als solcher gehörte er auch danach weiter zur Ausbildungs-Eskadron vom 3. (Preuß.) Reiter-Regiment in Rathenow. Am 6. Dezember 1928 wurde er mit Wirkung vom 1. Dezember 1928 in das 7. (Preußisches) Reiter-Regiment nach Breslau versetzt. Dort wurde er jetzt als Chef der Ausbildungs-Eskadron verwendet. Eigentlich sollte Rittmeister Hans-Erich von Schroeter diese übernehmen, was aber im Hintergrund nachträglich geändert wurde. Sein Schwiegervater war sehr gut bekannt mit dem damaligen Chef vom Personalamt (PA) Generalmajor Joachim von Stülpnagel. Diese Position als Eskadronchef behielt er für einige Jahre. Privat wohnte er mehrere Jahre in der Oskar Heymann Straße 46 in Breslau-Carlowitz. Am 14. März 1929 wurde sein Sohn Arnulf Bock von Wülfingen geboren. Vom 24. März 1929 bis zum 29. März 1929 war er Teilnehmer an einer Divisionsübungsreise der 2. Kavallerie-Division. Am 19. Mai 1931 wurde sein Sohn Wolfram Bock von Wülfingen in Breslau-Carlowitz geboren. Am 1. Oktober 1933 wurde er Standortältester in Lüben. Am 15. März 1934 wurde er in den Stab der 2. Kavallerie-Division nach Breslau versetzt. Am 2. August 1934 wurde er auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler neu vereidigt. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht gehörte er am 1. Oktober 1934 zum Reiter-Regiment Breslau. Am 1. November 1934 wurde er zum Major befördert. Am 9. Januar 1935 wurde er mit dem 1. Februar 1935 in die Nachrichten-Abteilung Breslau versetzt. Diese wurde auch als Kavallerie-Nachrichten-Abteilung 2 bzw. Kavallerie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 2 bezeichnet. Bei der Enttarnung der Einheiten wurde er am 15. Oktober 1935 zum Kommandeur der Nachrichten-Abteilung 28 in Breslau ernannt. Im Jahr 1936 wohnte er in der Kaiser-Wilhelm-Straße 106 in Breslau XIII und hatte dort die Telefonnummer 84560. Am 31. Juli 1937 wurde er zum 1. August 1937 zum Oberstleutnant befördert. Ab 1939 wohnte er mehrere Jahre privat in der Korsoallee 63 in Breslau XVI und hatte die Telefonnummer 40209. Auch bei Beginn des 2. Weltkrieges im Spätsommer 1939 behielt er sein Kommando. Er führte die Abteilung im Verband der 28. Infanterie-Division in den Polenfeldzug. Dort wurden ihm bereits beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen verliehen. Am 12. März 1940 wurde er mit Wirkung vom 1. März 1940 zum Kommandeur vom Armee-Nachrichten-Regiment 589 ernannt. In dieser Funktion wurde er im Frühjahr 1940 im Westfeldzug eingesetzt. Am 17. Mai 1940 wurde er zum 1. Juni 1940 zum Oberst befördert. Am 20. Dezember 1940 wurde er zum Armee-Nachrichtenführer der 17. Armee ernannt. Am 15. Februar 1941 erhielt er folgende Beurteilung von Generalmajor Vincenz Müller, Chef des Generalstabes der 17. Armee: "Vornehmer, ritterlicher Charakter, sehr nervös, unermüdlich fleissig. Hat nach Urteil des Armee-Nachrichtenführer 4. Armee im Westfeldzug sein Regiment bei persönlich unermüdlichem Einsatz sehr gut geführt und zu erheblichen Leistungen gebracht. Besonders bewährt in Erziehung seines Offizierskorps. Bewertung: Füllt gut aus." Am 1. April 1941 wurde er zum Armee-Nachrichtenführer der 15. Armee ernannt. Ende Juni 1942 wurde er zum Wehrmacht-Nachrichten-Offizier Budapest ernannt. Am 1. Februar 1943 wurde er zum Kommandeur vom Armee-Nachrichten-Regiment 521 ernannt. Am 10. März 1943 erhielt er folgende Beurteilung von Generalmajor Rudolf Hofmann, Chef des Generalstabes der 15. Armee: "Tüchtiger Fachmann im Nachrichtenwesen, gewissenhaft, fleissig. Gute praktische Kenntnisse in Truppenführung und Technik. Aufgeschlossener Charakter. Guter Kamerad. Musikalische Neigungen. Nationalsozialist. Bewertung: Durchschnitt. Empfehlung: Nachrichtenführer einer Heeresgruppe." Am 14. April 1943 gab er sein Kommando ab und wurde in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte der Wehrkreis VIII. Am 1. Juni 1943 wurde er zum Kommandeur vom Grenadier-Regiment 311 ernannt. Dieses sollte er im Verband der 217. Infanterie-Division im Nordabschnitt der Ostfront führen. In der Beurteilung vom 16. August 1943 schrieb Generalleutnant Otto Lasch, Kdr. der 217. Infanterie-Division: "Oberst Bock von Wülfingen hat sich vom Zeitpunkt der Übernahme des Grenadier-Regiment 311 in mehrfachen Äußerungen in so verletzender Weise über die Tätigkeit seines bewährten und allseitig geachteten Vorgängers, des Oberst von Monteton, geäussert, dass sein Ansehen beim Offizierskorps und im Regiment aufs Schwerste gelitten hat. Als Neuling in der Führung eines Regiments ist Oberst von Wülfingen zu seiner Kritik in keiner Weise berechtigt. Es kommt hinzu, dass Oberst von Wülfingen in seiner Haltung und in seinen Massnahmen eine so große Nervosität an den Tag legt, dass ich ihm die Führung eines Grenadier-Regiments im Großkamp nicht anzuvertrauen vermag. Ich bitte daher, Oberst von Wülfinger aus der Division zu versetzen und ihm eine andere Verwendung zu geben. Stark nervös. Bewertung: Durchschnitt. Empfehlung: Bei der Nachrichtentruppe." Dazu ergänzte General der Artillerie Kurt Herzog, KG vom XXXVIII. Armeekorps: "Oberst von Wülfingen macht einen stark bervösen Eindruck, der wohl zum Teil auf die starke Spannung zwischen seinem Divisionskommandeur und ihm zurückzuführen ist. Leistungen und Haltung im Einsatz kann ich nicht beurteilen, da sein Regiment während der Unterstellung zur Ausbildung im rückwärtigen Gebiet lag. Für die Ausbildung hat er sich mit Erfolg eingesetzt. Ich stimme dem Urteil des Divisionskommandeurs zu, dass seine Nervosität im Grosskampf sich nachteilig auswirken kann. Charakterliche Mängel habe ich bei ihm in der kurzen Zeit der Unterstellung nicht feststellen können. Ich befürworte seine Versetzung und beantrage, ihn mit der Führung eines Regiments bei einer Ausbildungs-Division zu beauftragen. " Am 24. August 1943 wurde er wieder in die Führerreserve OKH versetzt, den Dienst regelte wieder der Wehrkreis VIII. Am 15. September 1943 wurde er zum Höheren Nachrichtenführer bei der Deutschen Heeres-Mission in Rumänien ernannt. In dieser Funktion wurde er zum 1. Dezember 1943 zum Generalmajor befördert. Am 10. März 1944 erhielt er folgende Beurteilung von General der Kavallerie Erik Hansen, Chef der Deutschen Heeresmission in Rumänien: "Soldat alter Schule von hohen menschlichen Qualitäten. Besonders gewissenhaft und vorbildlich fleissig. Sein Bestreben, Bestes zu leisten, führt ihn jedoch in Verbindung mit einer gewissen Nervosität zu leichter Reizbarkeit, in der er ungerecht gegenüber Leistungen anderer ist und sich im Ton vergreift.Wegen eines derartigen Einzelfalls hinsichtlich Befehslahber und Chef musste seine Ablösung beantragt werden. Überzeugter Nationalsozialist, vor dem Feinde bewährt. Als Höherer Wehrmacht-Nachrichten-Führer und Höherer Nachrichtenführer Deutsche Heeresmission (DHM) mit sehr gutem Fachwissen, lebhaft interessiert, initiativ. Gute Zusammenarbeit mit Rumänen, daher gute Fortschritte im Ausbau. Sieht vorhandene Schwierigkeiten übertrieben und macht sich auch dadurch das Leben schwer. Bewertung: Durchschnitt. Empfehlung: Feldkommandant, Kriegsgefangegenwesen, Höherer Wehrmacht Nachrichtenführer." Am folgenden Tag wurde per Fernschreiben die Ursache für die erwünschte sofortige Ablösung gegen einen besonders geeigneten Ersatz begründet: "Generalmajor Bock von Wülfingen hat in einem privatdienstlichen Schreiben an einen deutschen Ausbildungsleiter bei der DHM von außerordentlichen Schwierigkeiten geschrieben, die er dadurch habe, (wörtlich) dass sowohl dem Befehlshaber wie dem Chef des Generalstabes jedes Verständnis für die Aufgaben und Schwierigkeiten der Nachrichtentruppe abgehe. Weitere Zusammenarbeit daher ausgeschlossen." Das HPA antwortete am 21. März 1944, dass der besonders geeignete Ersatz für Generalmajor Bock von Wülfingen erst zum 1. Mai 1944 gestellt werden könne. Der avisierte Nachfolger war zu dieser Zeit Kommandeur eines Lehrstabes an der Heeres-Nachrichten-Schule und stand daher zur Zeit noch nicht zur Verfügung. Es wurde vom General der Kavallerie Erik Hansen das Einverständnis zum Dienststellenwechsel zum 1. Mai 1944 erbeten. Am 1. April 1944 wurde Generalmajor Bock von Wülfingen erneut in die Führerreserve OKH versetzt, den Dienst regelte auch wieder der Wehrkreis VIII. Dabei wurde ihm anfangs bis zum 21. Mai 1944 Urlaub gewährt. Am 7. August 1944 wurde er zum Wehrmachtbefehlshaber in Belgien und Nordfrankreich zur Einweisung als Feldkommandant kommandiert. Am 1. September 1944 wurde er mit der Wahrnehmung der Geschäfte al Kommandant der Feldkommandantur 681 (FK 681) beauftragt. Dies geschah unter Aufhebung der Kommandierung zum Wehrmachtbefehlshaber Belgien und Nordfrankreich. Am 8. oder 9. September 1944 ging er in Lüttich in westalliierte Gefangenschaft. Am 17. September 1944 wurde er im Camp Nr. 2 D.C. eingeliefert. Am 22. September 1944 erreichte er das Camp Nr. 11 Trent Park. Er wurde dort als egozentrisch und nicht besonders intelligent eingeschätzt. Am 25. Oktober 1944 verließ er das Camp Nt. 11 wieder. Am 10. Februar 1945 wurde auf seiner Karteikarte vom Personalamt vermerkt: "P2-Fall, Beförderung sperren." Aus der Gefangenschaft wurde er im Jahr 1947 wieder entlassen.