von Stein, Johann August Hellmuth Gottlob

 

* 26. September 1891, Leipzig

† 23. Januar 1967, München

BArch Pers 6/935 im Jahr 1922 als Hauptmann

BArch Pers 6/300984

 

Johann von Stein war der Sohn vom späteren Oberstleutnant a.D. Karl von Stein und dessen Ehefrau Marie, geborene Horn. Er trat nach seiner Ausbildung im Sächsischen Kadettenkorps nach der Erlangung des Reifezeugnisses am 4. März 1911 in die Sächsische Armee ein. Er kam dabei als Fähnrich zum 1. (Leib-) Grenadier-Regiment Nr. 100 nach Dresden. Bei diesem wurde er anfangs bei der Leib-Kompanie eingesetzt. Nach dem Besuch der Kriegsschule am 4. Mai 1912 zum Leutnant befördert. Sein Patent wurde dabei auf den 18. Juni 1910 (P) festgelegt. Danach wurde er als Kompanieoffizier in der 2. Kompanie seines Regiments in Dresden eingesetzt. Bei Beginn des 1. Weltkrieges kam er mit seinem Regiment an die Front. Dort wurde er am 6. September 1914 zum Bataillonsadjutant ernannt. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde ihm bereits am 10. September 1914 verliehen. Am 15. September 1914 meldete er sich wegen Typhus für 10 Tage krank. Vom 25. September 1914 bis zum 4. Dezember 1914 befand er sich krank im Lazarett. Nach seiner Genesung wurde er am 5. Dezember 1914 als Adjutant zum Ersatz-Bataillon vom 1. (Leib-) Grenadier-Regiment Nr. 100 nach Dresden versetzt. Dort blieb er bis zum Frühjahr. Am 1. April 1915 wurde er zum Regimentsstab ins Feld kommandiert. Dort wurde er am 1. Juni 1915 zum Regimentsadjutant vom 1. (Leib-) Grenadier-Regiment Nr. 100 ernannt. Seine Beförderung zum Oberleutnant erfolgte am 13. März 1916 (Kk). Als solcher wurde er am 1. Juni 1916 als Ordonanz-Offizier zur Armee-Abteilung Falkenhausen kommandiert. Sein Vater starb am 24. November 1916 in Leipzig. Erst über ein Jahr später nach seiner Kommandierung kehrte er am 31. Mai 1917 wieder zu seinem Regiment zurück, wo er als Kompanieführer Verwendung fand. Vom 8. September 1917 bis zum 12. Oktober 1917 wurde er krank nach Leipzig beurlaubt. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde ihm am 20. September 1917 verliehen. Nach seiner Rückkehr wurde er am 27. Oktober 1917 als Kompanieführer zum Rekruten-Depot der 23. Infanterie-Division kommandiert. Am 23. Dezember 1917 wurde er als 2.Ordonanz-Offizier zur 46. Landwehr-Division (2. Königlich Sächsische) versetzt. Vom 27. Mai 1918 bis zum 1. Juni 1918 wurde er zum Lehrgang der Heeresgasschule nach Berlin kommandiert. Am 3. September 1918 wurde er als Ordonanz-Offizier zum AOK 10 versetzt. Dort wurde er am 27. Oktober 1918 zum 4. Generalstabsoffizier (Id) ernannt. Vom 7. Dezember 1918 bis zum Februar 1919 war er beim Besatzungs- und Sicherungsdienst in Weißrußland und Litauen im Einsatz. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm neben beiden Eisernen Kreuzen noch weitere Auszeichnungen wie das Ritterkeeuz 2. Klasse mit Schwertern des Sächsischen Albrechtsordens (16. Oktober 1914), Mecklenburg-Schwerinsches Verdenstkreuz 2. Klasse (21. Juni 1915), Sachsen-Meiningisches Ehrenkreuz für Verdienste im Kriege (15. Dezember 1915), Reußisches Ehrenkreuz 3. Klasse (14. Dezember 1914). Nach dem Krieg wurde er am 13. Februar 1919 als Leiter der Abwicklungsstelle der 10. Armee zum Oberkommando Grenzschutz Nord kommandiert. Am 1. Juni 1919 wurde er zum 1. (Leib-) Grenadier-Regiment Nr. 100 versetzt. Am 15. Juni 1919 wurde er als Oberleutnant in das vorläufge Reichsheer übernommen. Er wurde an diesem Tag zum Grenzjäger-Regiment 4 versetzt. Bei diesem wurde er am 1. Juli 1919 zum Regimentsadjutant ernannt. Bei der Bildung des 200.000 Mann-Heeres der Reichswehr Mitte Mai 1920 war er noch immer Regimentsadjutant vom Reichswehr-Infanterie-Regiment 38 der Reichswehr-Brigade 19. Am 5. September 1920 wurde er zur 16. (MG.) Kompanie vom Reichswehr-Infanterie-Regiment 37 der Reichswehr-Brigade 19 versetzt. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er in das Infanterie-Regiment 11 übernommen. Er wurde in der 8. (MG.) Kompanie in Leipzig eingeteilt und neu vereidigt. Vom 25. April 1921 bis zum 30. April 1921 hat er die Wehrkreisprüfung abgelegt. Er heiratete am 12. Mai 1921 die fast genau siebeneinhalb Jahre jüngere Charlotte Hoese, Tochter vom Chemnitzer Fabrikdirektor Hoese, in Görlitz. Das Paar bezog eine 6-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoß der Artilleriestraße 10 in Leipzig-Gohlis, in die eigentlich von seiner Mutter gemietet war. Am 20. März 1922 wurde er mit Wirkung vom 1. Februar 1922 zum Hauptmann befördert. Am 1. April 1922 wurde er in die Stelle des Hauptmann beim Stabe des Ausbildungs-Bataillons vom inzwischen zum 11. (Sächsisches) Infanterie-Regiment umbenannten Regiment nach Döbeln versetzt. Gleichzeitig wurde er zur Dienstleistung beim II. Bataillon in Leipzig kommandiert. Am 1. Juli 1922 hat er ein neues Rangdienstalter als Hauptmann vom 1. Februar 1922 (6) zugewiesen bekommen. Am 14. Juli 1922 wurde sein ältester Sohn Hans-Joachim von Stein in Leipzig geboren. Bereits am 1. Oktober 1922 wurde er zur 8. (MG.) Kompanie seines Regiments in Leipzig versetzt. Am 1. April 1923 wurde er zum Chef der 11. Kompanie vom 11. (Sächs.) Infanterie-Regiment in Leipzig ernannt. Sein mittlerer Sohn Aribert von Stein wurde am 18. April 1924 in Leipzig geboren. Kurz darauf gewann sein Vermieter, der Kaufmann Düber, seine Räumungsklage gegen ihn. Sein jüngster Sohn Heinz-Jürgen von Stein wurde am 8. Juni 1926 ebenfalls in Leipzig geboren. Am 1. April 1928 wurde er als Chef der 11. Kompanie abgelöst. Dafür wurde er jetzt als Hauptmann beim Stabe zum Stab des II. Bataillons seines Regiments ebenfalls in Leipzig versetzt. Vom 23. September 1929 bis zum 6. November 1929 wurde er zur Kraftfahr-Ausbildung zur Pionierschule nach München und zur 4. Kraftfahr-Abteilung kommandiert. Dabei hat er am 30. Oktober 1929 den Militär-Kraftfahrzeug-Führerschein der Klasse 3b erworben. Vom 7. Oktober 1930 bis zum 30. Oktober 1930 wurde er zum Schießlehrgang für schwere Infanteriewaffen auf den Truppenübungsplatz Döberitz kommandiert. Am 1. Oktober 1932 (14) wurde er zum Major befördert. Seine Vereidigung auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erfolgte am 2. August 1934. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht gehörte er am 1. Oktober 1934 zum Stab vom Kommandant von Leipzig. Zum 1. Juni 1935 (14) wurde er zum Oberstleutnant befördert. Bei der Enttarnung der Einheiten wurde er am 1. Oktober 1935 zum Kommandeur des I. Bataillons vom Infanterie-Regiment 27 in Wismar ernannt. Im Januar 1937 wurden anonyme Anschuldigungen gegen ihn erhoben, er wäre bei einer Hochzeitsfeier in Wupprtal betrunken unagenehm aufgefallen. Diese Anschuldigungen wurden durch einen Augenzeugen wiederlegt. Am 12. März 1937 wurde er mit Wirkung vom 1. April 1937 zum Kommandant vom Truppenübungsplatz Arys ernannt. Seine Nachfolge als Baaillonskommandeur in Wismar trat Major Braun an. Er trug weiterhin die Uniform das Regiments. Am 31. März 1937 suchte er Oberstleutnant Viktor von Drabich-Waechter im Heeres-Personalamt (PA) auf. Anscheinend war er mit der Zuweisung des Postens nicht zufrieden. Er schrieb am 10. April 1937 diesem einem Brief, in dem er sich über die Schulmöglichkeit seines jüngsten Sohnes beklagte. Die beiden größeren Söhne befanden sich damals auf der Nationalsozialistischen Politischen Erziehungsanstalt (Napola) in Schulpforta bei Neuenburg. Der jüngste besuchte noch die Quinta des Gymnasiums in Wismar. Auf der Mittelschule in Arys bestünde keine Möglichkeit der höheren Schulausbildung und das nächste Gymnasium befinde sich in Lyck, was eine nicht zumutbare Reisezeit notwendig machen würde. Er bat ihn darum, eine persönlichen Belange einer Prüfung zu unterziehen und wies daraufhin, dass sein ca. 1500 RM teurer Umzug nach Arys erst Mitte Mai geplant wäre. Dieser gab den Brief an den Chef der Abteilung P1, Oberst Adolf-Friedrich Kuntzen, weiter, der ihm am 17. April 1937 unter anderem folgendes als Antwort zukommen lies: "Ich muss Ihnen offen mitteilen, eine andere Verwendung im aktiven Offizierkorps für Sie nicht in Frage kommt, da Ihnen Ihre bisherigen Vorgesetzten nicht die Eignung zum Regimentskommandeur zugesprochen haben. Wenn Sie mit der Schulausbildung Ihres Sohnes so große Schwierigkeiten haben, daß Sie eine Übersiedlung nach Arys für nicht tragbar halten, bliebt nur Ihre Überführung zu den E-Offizieren* übrig. In diesem Falle bin ich gerne bereit, Ihnen bei Ihren Wünschen für einen Standort behilflich zu sein." Als Truppenübungsplatzkommandant wurde er am 31. Dezember 1937 mit Wirkung vom 1. Januar 1938 (6) zum Oberst befördert. Am 10. Dezember 1938 wurde er zum Kommandant der Kommandantur von Leipzig ernannt. Bei der Mobilmachung des 2. Weltkrieges wurde er zum Kommandeur vom neuen Infaterie-Regiment 185 ernannt. Mit seinem Regiment bezog er nach der Aufstellung im September 1939 im Verband der 87. Infanterie-Division Stellungen in der Eifel. Am 8. Juni 1940 wurde ihm die Spange zum Eisernen Kreuz 2. Klasse verliehen. Wegen eines truppenärztlichen Attest, wurde er von seinem Kommando entbunden. Daraufhin wurde er am 9. Juni 1940 zum Infanterie-Ersatz-Bataillon 185 nach Zwickau versetzt. Die Führung vom Infaterie-Regiment 185 übernahm dafür Oberstleutnant Hellmuth Pfeiffer. Durch seinen bisherigen Divisionskommandeur, Generalmajor Bogislav von Studnitz, erhielt er am 12. Juni 1940 folgende Beurteilung: "Eine ehrenhafte Persönlichkeit mit guten Anlagen. Verdient um die Ausbildung seines Regiments, das er aufgestellt und seit der Mobilmachung geführt hat. Erfolgreich in der Erziehung des Offiziernachwuchses. Im Ganzen jedoch zu weich. In der taktischen Führung traten starke Mängel auf. Es fehlt an Entschlussfreudigkeit und Übersicht, die offenbar unter dem Einfluss der Krankheit so nachliessen, dass er der Stellung eines Regimentskommandeurs nicht meh gewachsen war. Eine Verwendung als Regiments-Kommandeur im Felde erscheint bis auf Weiteres nicht angängig. Für eine Verwendung in der Heimat in der Stellung eines Kommandanten oder Kommandeurs eines Ersatz-Regiments ist er nach Wiederherstellung seiner Gesundheit geeignet." Am 8. Juli 1940 wurde er ab dem 5. August 1940 bis zum 30. September 1940 zur Dienststelle für Eignungsuntersuchungen IV kommandiert. Am 15. August 1940 bat das Stellvertretende Generalkommndo IV. Armeekorps darum, ihn wieder als Kommandant von Leipzig einzusetzen. Das Kriegsverdienstkreuz 2.Klasse mit Schwertern wurde ihm am 1. September 1940 verliehen. Am 7. September 1940 (Verfügung 24. September 1940) wurde er mit Wirkung vom 1. Oktober 1940 wieder in seine Friedensstellung als Kommandant von Leipzig eingesetzt und löste dabei Oberst z.V. Zander ab. Privat wohnte er in der Fechnerstraße 14 in Leipzig N22 und hatte dort die Telefonnummer 581300. Am 1. Februar 1941 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Erich Wöllwarth, KG vom Stellvertretende Generalkommndo IV. Armeekorps: "Als Kommandant von Leipzig hat er sch sowohl im Frieden als auch jetzt durchaus bewährt. Besonders gewandt im Verkehr mit zivilen Dienststellen. Ehrgeizig, fleissig und rührig. Ist mit Erfolg bestrebt, die Disziplin in seinem Bereich aufrecht zu erhalten. Bewertung: Füllt Stelle gut aus." Am 31. Dezember 1941 wurde General der Infanterie Erich Wöllwarth darüber informiert, das Oberst von Stein seinem Rangdienstalter nach eigentlich zum 1. Januar 1942 zur Beförderung zum nächtshöheren Dienstgrad heranstehen würde. Man hätte aber auf Grund vorliegender Beurteilungen entschieden, ihn bei der Beförderung zu übergehen. Dies sollte ihm durch den Vorgesetzten eröffnet werden. Die Eröffnung erfolgte am 12, Januar 1942. Am 15. Juli 1942 wurde er zum Generalmajor befördert. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Juli 1942 (21a) festgelegt. Am 8. September 1942 (Verfügung vom 30. September 1942) wurde er mit Wirkung vom 15. September 1942 als General z.b.V. zur Oberfeldkommandantur Donez (OFK Donez) nach Stalino versetzt und dorthn in Marsch gesetzt. Am 11. September 1942 wurde der 190 Zentimeter große Offizier im Reservelazarett IV Leipzig (St. Georg) untersucht. In Stalino ist er zwar eingetroffen hat aber seine Stelle nicht angetreten. Stattdessen hat er sich auf Befehl von Generalmajor Bernhard von Claer bei der Inneren Abteilung vom Kriegslazarett 2/607 untersuchen lassen. Diese haben ihm wegen seiner Hypotonie mit ausgesprochener Labilität der Gefäße attestiert, dass eine Verwendung im Aussendienst im Osten nicht möglich sei. Deswegen bat Generalmajor Bernhard von Claer, Kommanant der OFK Donez, am 22. September 1942 seine Versetzung nicht wirksam werden zu lassen und um Ersatz, der möglichst über Osterfahrung verfügen und körperlich leistungsfähig sein sollte. Am 24. September 1942 (Verfügung vom 30. Oktober 1942) wurde entschieden, dass er mit Wirkung vom 25. September 1942 wieder in seine frühere Dienststelle als Kommandant von Leipzig zurücktritt. Dem Befehlshaber Heeresgebiet B wurde für die OFK Donez am 8. Oktober 1942 mitgeteilt, das für ihn kein Ersatz gestellt würde, da die Wiederbesetzung der Stelle des Generals z.b.V. durch den Generealquartiermeister als nicht erforderlich bezeichnet wurde. Durch die Medizinische Ambulanz im Reservelazarett IV Leipzig (St. Georg) in der Delitzscher Landstraße 41 wurde am 1. Januar 1943 ein Wehrmachtfachärztliches Zeugnis zu seiner Person aufgestellt: "Generalmajor von Stein, geb. 26.9.1891, leidet an Angina pectoris mit periodischer Schwäche des Herzmuskels. Im Vordergrund des klinischen Bildes steht eine essentielle Hypotonie mit herabgesetzter Leistungsbreite des Herzens. Zustände von Dekompensation sind in letzter Zeit nicht mehr zur Beobachtung gekommen. Der niedrige Blutdruck hat sich durch ambulante Behandlung wesentlich gebessert. Wenn auch die derzeitige Kriegsbrauchbarkeit des Generalmajor von Stein im allgemeinen nach L 49 g.v.H. zu bewerten wäre, so kann doch sein sofortiger Einsatz unter normalen klimatischen Verhältnissen (keine ausgesprochen hohen Kälte- oder Hitzegrade) im gesamten übrigen Kriegsgebiet verwantwortet werden es kann deshalb unter diesen Voraussetzungen der Tauglichkeitsgrad des Generalmajor von Stein auf L 49 g.v.Feld festgesetzt werden." Unterschrieben wurde es vom Chefarzt, Oberstabsarzt Prof. Dr. Seyfarth, und dem Abteilungsarzt, Stabsarzt Sauneis. Am 2. Januar 1943 wurde sein Tauglichkeitsgrad als "Nicht Osteinsatzfähig" durch die Adjutantur vom Stellvertretende Generalkommndo IV. Armeekorps an das Heeres-Personalamt (HPA) AG P 1 Gr. 12 gemeldet. Am 17. Februar 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Walter Schroth, KG vom Stellvertretende Generalkommndo IV. Armeekorps: "Ehrenhafte Persönlichkeit voll Selbstbewußtsein, der ein Geltungsbedürfnis nicht abzusprechen ist. Nationalsozialistisch in Haltung und Auffassung. Im Westfeldzug als Regimentskommandeur mit der Spange zum EK II ausgezeichnet. Als Kommandant von Leipzig kam ihm langjährige Verbundenheit mit der Stadt zu Gute, die es ihm ermöglichte, den Aufbau im allgemeinen gerecht zu werden; mit Erfolg bestrebt die Disziplin in seinem Bereich aufrecht zu erhalten. Geistig durchschnittlich beanlagt. Körperlich infolge eines Herzschadens nicht frontverwendungsfähig. Starke Seiten: Rührig und tätig. Schwache Seiten: In taktischer Hinsicht nicht voll ausreichend, mitunter gegen sich etwas weich, veranlasst durch sein Leiden. Bewertung: Durchschnitt. Empfehlung: Kommt für die Verwendung als Divisionskommandeur nicht in Frage." Am 24. Februar 1943 wurde er mit Wirkung vom 31. Dezember 1942 in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte der Wehrkreis IV. Seine Nachfolge als Kommandant von Leipzig trat Oberst Hans von Ziegesar an. Am 18. März 1943 wurde er mit Wirkung vom 1. Februar 1943 zum Wehrmachtkommandant von Litzmannstadt ernannt. Am 1. März 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General der Artillerie Walter Petzel, KG vom Stellv. Generalkommando XXI. Armeekorps: "Mir noch nicht genügend bekannt, um ein abschließendes Urteil abgeben zu können. Ich habe den Eindruck, dass Generalmajor von Stein sehr rührig ist und sich schnell in die nicht ganz leichten Verhältnisse in Litzmannstadt hineinfinden wird, so dass er ein brauchbarer Kommandant zu werden verspricht. Bewertung: Durchschnitt. Empfehlung: Belassung als Kommandant von Litzmannstadt." Dazu ergänzte am 5. Mai 1943 der Chef er Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres, Generaloberst Friedrich Fromm: "Ist mir nicht bekannt geworden." Am 1. März 1944 erhielt er folgende Beurteilung von General der Artillerie Walter Petzel, KG vom Stellv. Generalkommando XXI. Armeekorps: "Einwandfreier Charakter, selbstbewußte energische Persönlichkeit. Nationalsozialistisch in Haltung und Auffassung. Im Westfeldzug als Regimentskommandeur mit Spange zum E.K. II ausgezeichnet. Als Kommandant von Litzmannstadt hat er sich schnell eingearbeitet und sorgt für Ordnung und Disziplin, sehr fürsorglich. Die Ausbildung der unterstellten Landesschützen-Bataillone und des Transport-Sicherungs-Regiments leitet er verständnisvoll. Geistig gut beanlagt, körperlich infolge eines Herzleidens nicht voll einsatzfähig. Starke Seiten: Sehr überlegt. Schwache Seiten: Nicht in Erscheinung getreten. Bewertung: Guter Durchschnitt. Empfehlung: Belassung in jetziger Stellung." Dazu ergänzte am 18. April 1944 der Chef er Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres, Generaloberst Friedrich Fromm: "Einverstanden." Am 11. April 1944 wurde er als bedingt k.v. (kriegsdienstverwendungsfähig) eingestuft. Am 15. August 1944 wurde er in die Führerreserve OKH versetzt. Am gleichen Tag wurde er mit Wirkung vom 20. August 1944 zur Einweisung in die Geschäfte als Militärkommandant zum Bevollmächtigten General der deutschen Wehrmacht in Italien kommandiert. Am 14. September 1944 wurde er mit Wirkung vom 15. September 1944, unter Aufhebung des Kommandos zum Bevollmächtigten General der deutschen Wehrmacht in Italien, mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Kommandanten der Militärkommandantur 1005 (MK 1005). Am 4. Dezember 1944 wurde er mit Wirkung vom 5. Dezember 1944 zum Kommandanten der Militärkommandantur 1005 (MK 1005) ernannt. Am 24. Januar 1945 wurde er mit Wirkung vom 25. Januar 1945 in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte wieder der Wehrkreis IV. Am 10. März 1945 wurde er zum Chef der Wehrmachtordnungstruppen kommandiert. Nach dem Krieg lebte er in München. Anfang der 50iger Jahre war er Repräsentant er Vulkan-Werke und wohnte privat in der Posostraße 9 in München-Pasing, wo er die Telfonnummer 83658 hatte. Ende der 50iger Jahre war er Landesbauftragter. Anfang der 60iger Jahre zog er im gleichen Ortsteil in die Strindbergstraße 29, wo sich seine Telefonnummer 1961 zur 886658 änderte. 1963 zog er mit dieser Nummer in die Ernsbergerstraße 6a in München-Pasing. Seine Witwe wohnte nach seinem Tod auch weiter in dieser Wohnung.

 

Ausgeschiedene ehemalige Offiziere wurden oft als zivile Angestellte der (schwarzen) Reichswehr in "Landesschutzangelegenheiten" beschäftigt (L-Angestellte). Ab dem 1. Oktober 1933 taten diese als sog. L-Offiziere (L = Landsschutz; nicht Landwehr) Dienst in Kommandostellen der Reichswehr, trugen weiterhin Zivil und hatten an ihrem Rang ein "a.D." Das war wie eine eigene Laufbahn mit eigener Besoldung neben dem aktiven Offizierskorps. Am 5. März 1935 erfolgte die Umbenennung in E-Offiziere für Ergänzungsoffizierskorps. Hier trugen die Ränge dann ein (E) als Zusatz. Diese Offiziere wurden nur in bestimmten Bereichen, meist Innendienst eingesetzt und machten während der Aufrüstung aktive Offiziere frei für andere Verwendungen.

 

Literatur und Quellen:
Krug, Ottomar Deutsche Generale 1918-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/10853
Rangliste der Königlich Sächsischen Armee für das Jahr 1910, Dresden 1910
Rangliste der Königlich Sächsischen Armee für das Jahr 1911, Dresden 1911
Rangliste der Königlich Sächsischen Armee für das Jahr 1912, Dresden 1912
Rangliste der Königlich Sächsischen Armee für das Jahr 1913, Dresden 1913
Rangliste der Königlich Sächsischen Armee für das Jahr 1914, Dresden 1914
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. Mai 1933
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. April 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938
Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955 
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
Pers 6/1935
Pers 6/300984