Koll, Josef Richard Hermann

 

* 7. April 1897, Koblenz

† 13. Mai 1963, Berlin

BArch Pers 6/680 im Jahr 1922 als Leutnant

BArch Pers 6/300037

 

Richard Koll war der Sohn vom späteren Regierungs- und Veterinärrat, Stabsveterinär der Landwehr, Philipp Koll und dessen Ehefrau Ida, geborene Ermat. Sein Vater starb bereits am 4. Juni 1909 in Koblenz. Er ging danach Ostern 1910 in das Kadettenhaus Oranienstein. Ostern 1913 wechselte er zur Haupt-Kadettenanstalt nach Groß Lichterfelde. Nachdem ihm die Fähnrichsprüfung im Kadettenkorps infolge der Mobilmachung für den 1. Weltkrieg erlassen wurde ist er am 10. August 1914 als Fähnrich mit einem Patent vom 2. August 1914 in die Königlich Preußische Armee eingetreten. Er kam dabei zum Telegraphen-Bataillon Nr. 4 nach Karlsruhe. Am 7. September 1914 wurde er der Reserve-Fernsprech-Abteilung 25 zugeteilt. Bei dieser wurde er am 10. September 1914 vereidigt. Am 17. September 1914 wurde er zum Leutnant, vorläufig ohne Patent, befördert. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde ihm am 27. Januar 1915 verliehen. Am 7. April 1915 wurde er als Fernsprechoffizier zur 49. Reserve-Division kommandiert. Am 1. Dezember 1915 wurde er zum Arendt-Kursus kommandiert. Dabei handelte es sich um einen Kurs zur Bedienung der Arendt-Apparate zur Fernsprechaufklärung. Danach wurde er am 13. Dezember 1915 als Arendt-Offizier zur Heeresgruppe Prinz Leopold von Bayern kommandiert. Am 16. Juni 1916 wurde er als Führer zum Fernsprech-Doppelzug 84 versetzt. Am 13. November 1916 wurde er zur Funker-Ersatz-Abteilung 1 nach Berliu versetzt. Genau einen Monat später wurde er zur Funkerschule Berlin kommandiert. Am 10. Januar 1917 wurde er als Depotführer zum Funker-Rekruten-Depot Breslau versetzt. Am 2. März 1917 wurde er als Führer zur leichten Funker-Station 1 versetzt. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde ihm am 16. März 1917 verliehen. Knapp 3 Monate später wurde er am 27. Mai 1917 als Führer zur Funker-Klein-Abteilung 70 versetzt. Vom 24. September 1917 bis zum 3. Oktober 1917 wurde er zu einem Divisions-Nachrichten-Kommandeur-Kursus an die Nachrichtenschule Namur kommandiert. Am 10. Dezember 1917 hat er ein Patent als Leutnant vom 18. Februar 1915 erhalten. Durch einen Granatsplitter wurde er am 23. März 1918 an der Gesäßbacke verwundet. Am 28. Mai 1918 wurde er zum Armee-Nachrichten-Park 26 versetzt. Von dort wurde er an diesem Tag zur Armee-Nachrichten-Schule 17 kommandiert. Am 10. Juli 1918 wurde er zum Armee-Nachrichten-Kommandeur 26 kommandiert. Am 2. September 1918 wurde er zum Divisions-NachrichtenKommandeur 7 (Divkonach 7) ernannt. Am 11. Oktober 1918 wurde er dem Nachrichten-General 3 zur Verfügung gestellt. Bei der Demobilmachung wurde er am 21. November 1918 zur Inspektion der Nachrichtentruppen versetzt. Im Ersten Weltkrieg wurde er nicht nur verwundet, was sich in der Verleihung des Verwundetenabzeichens in Schwarz wiederspiegelte. Außerdem wurde er neben beiden Eisernen Kreuzen auch mit einem Korpstagesbefehl vom 4. April 1916 durch das XXV. Reservekorps geehrt. In diesem wurde erwähnt, das seine königliche Hoheit ihm am 2. April 1916 für seine mit mutiger Entschlossenheit und Geschick ausgeführten Unternehmung vor der Front seine besondere Anerkennung ausgesprochen hat. Vom 6. März 1919 bis zum 31. März 1919 wurde er zur Garde-Kavallerie-Schützen-Division kommandiert. Vom 27. April 1919 bis zum 3. Juli 1919 wurde er zum Generalkommando Oven kommandiert. Dieses befand sich anfangs im Einsatz gegen die Münchener Räterepublik. Am 25. Juli 1919 wurde er zur Kriegstelegraphenschule kommandiert. Am 11. September 1919 wurde er als Führer des Nachrichten-Zuges zum Hessisch-Thüringisches Waldecksches Freikorps versetzt. Er wurde jetzt auch als Leutnant in das vorläufige Reichsheer übernommen. Am 18. Oktober 1919 wurde er als Führer des Nachrichten-Zuges zum Reichswehr-Gruppenkommando 2 nach Kassel versetzt. Am 4. Februar 1920 wurde er zur Nachrichten-Abteilung 10 kommandiert. Am 31. März 1920 wurde er mit Wirkung vom 1. April 1920 zur Nachrichten-Abteilung 10 versetzt. Damit gehörte er bei der Bildung des 200.000 Mann-Heeres der Reichswehr Mitte Mai 1920 zur Nachrichten-Abteilung 10 der Reichswehr-Brigade 10. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er in die Kraftfahr-Abteilung 2 übernommen und in dieser der 3. Kompanie zugeteilt. Am 12. Dezember 1920 wurde er neu vereidigt. Vom 5. Januar 1921 bis zum 5. Mai 1921 wurde er zur Pionierschule München kommandiert. Nach seiner Rückkehr wurde er am 1. Juni 1921 als Kompanieoffizier zur 1. Kompanie der 2. (Preußische) Kraftfahr-Abteilung zugeteilt. Den Militär-Führerschein der Klasse 1, 2 und 3 b hat er am 1. Juli 1921 erhalten. Am 10. September 1921 wurde er mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 als Kraftfahr-Offizier zur Divisions-Sanitäts-Abteilung 2 versetzt. Er wurde während des Wintersemesters 19211/22 und während des Sommersemesters 1922 zur Teilnahme an den psychotechnischen Vorlesungen zur technischen Hochschule Berlin kommandiert. Vom 1. März 1922 bis zum 18. März 1922 wurde er zum Militär-Kraftfahr-Sachverständigen-Kursus bei der Inspektion für Waffen und Gerät (IWG) kommandiert. Fast im Anschluß wurde er vom 20. März 1922 bis zum 1. April 1922 zum Truppen-Nachrichten-Kursus bei der 3. (Preußische) Kraftfahr-Abteilung kommandiert. Am 27. April 1922 wurde ihm der Militär-Kraftwagen-Fahrlehrerschein erteilt. Am 1. Juli 1922 hat er ein neues Rangdienstalter als Leutnant vom 1. September 1915 (276) erhalten. Vom 1. Oktober 1923 bis zum 27. Oktober 1923 wurde er zu einem psychotechnischen Lehrgang bei der IWG kommandiert. Am 1. Oktober 1924 wurde er zum Abteilungsstab der 2. (Preuß.) Sanitäts-Abteilung versetzt. Vom 1. Dezember 1924 bis zum 20. Dezember 1924 wurde er wieder zu einem psychotechnischen Lehrgang bei der IWG kommandiert. Am 31 Juli 1925 wurde er mit Wirkung vom 1. April 1925 (232) zum Oberleutnant befördert. Als solcher wurde er am 30. September 1925 mit Wirkung vom 1. Oktober 1925 wieder zur 2. (Preuß.) Kraftfahr-Abteilung versetzt. Dort wurde er jetzt als Nachfolger von Oberleutnant Reinhold Gothsche als Abteilungsadjutant und Fürsorgeoffizier verwendet. Vom 22. Oktober 1928 bis zum 4. November 1928 war er Teilnehmer am Gasschutzlehrgang A in Berlin. Vom 5. März 1929 bis zum 8. März 1929 war er Teilnehmer an der Wehrkreisprüfung. Das deutsche Sportabzeichen in Silber hat er am 19. Juli 1929 erhalten. Am 12. Januar 1931 bat er die Inspektion 6 (K) im Reichswehrministerium (RWM) um seine Verabschiedung zum 1. Februar 1931 auf Grund des § 26 Absatz I b des Wehrgesetzes und um Genehmigung zum Tragen seiner bisherigen Uniform. Diese Bitte wurde am 14. Januar 1931 durch den Chef des Stabes der In 6 (K), Oberst Oswald Lutz, befürwortend weitergereicht. Am 26. Januar 1931 wurde er mit Wirkung vom 31. Januar 1931 unter Bewilligung der gesetzlichen Versorgung mit der Berechtigung zum Tragen seiner bisherigen Uniform und dem Charakter als Hauptmann aus dem aktiven Heeresdienst verabschiedet. Sein Nachfolger als Abteilungsadjutant wurde Oberleutnant Danker.

Er ging jetzt zur Versuchstation "K" nach Kasan in die Sowjetunion. Bereits in der zweiten Augusthälfte stellte er ein Gesuch zur Enthebung von seinem Kommando in die Sowjetunion. Als Grund führte er seinen körperlichen Zustand an. Am 1. September 1931 fand im Kasino in Kasan anlässlich der Anwesenheit der D.-Herren (Kustos, Küster, Markus, Strauss, Jordan) ein Herrenabend statt. Dabei kam es zu einem kleinen Eklat. Er hatte den ganzen Tag nichts gegessen und hatte von Dienstschluss bis zum Beginn des Abends im Bett gelegen, und fortwährend Arzeneimittel eingenommen. Nachdem ihm Direktor Raabe, Major a.D. Ludwig Ritter von Radlmaier, vor seinem Dienstantritt am 11. August 1931 darauf hingewiesen hatte sich Beschränkungen im Alkoholgenuss aufzuerlegen. Diese Anregung hatte er während der Abwesenheit des Leiters eingehalten. Auf ausdrücklichen Wunsch des Kursältesten nahm er an diesem angesprochenen Heerenabend teil und war bereits vor Mitternacht erheblich angetrunken. Er saß rechts von Herrn Kustos (Oberstleutnant Kühn) gegenüber Herr Goerbig und auf seiner rechten Seite saß Herr Jordan (KB techn.7), diesem wiederum saß der Kursälteste, Herr Gerth gegenüber. Es entspann sich ein längeres Gespräch über die Erhaltung des Persönlichkeitswertes im Allgemeinen und unter den besonderen Verhältnissen in Kama. Bei dem schon vorher gespannten Verhltnis zwischen Koll und Goerbig, nahm das Gespräch solche Formen an, dass sich Herr Kustos dreimal gezwungen sah, Koll zur Aufgabe des Gesprächsthemas zu berwegen. Nach dem dritten vergeblichen Versuch setzte er sich auf die andere Tischseite und auch Goerbig tauschte mit Gerth den Platz. Da Koll trotzdem das Thema nicht wechselte ging Herr Kustos nach Hause und wurde vom stellvertretenden Leiter Hauptmann Adolf-Friedrich Brunn begleitet. Kustos erklärte Brunn sein Aufbrechen mit dem Verhalten Kolls. Als Brunn in den Saal zurückkehrte war Koll noch immer da, und er ließ ihn durch Herrn Schanze zur Garderobe rufen. Obwohl er auf Brunn einen recht nüchternen Eindrck machte weigerte er sich der Aufforderung, nach Hause zu gehen, nachzukommn. Daraufhin kam es ohne Augenzeugen zu leichten Handgreiflichkeiten zwischen den beiden. Brunn ging daraufhin in den Saal zurück und Koll folgte ihm und beschimpfte ihn hörbar beim Betreten. Ohrenzeugen wurden die Herren Schanze, Burkhardt und Gebauer. Er wurde dann Anfang September 1931 von Direktor Raabe in die Heimat in Marsch gesetzt. Nach Ansicht des Direktors herrschte zwischen den ehemaligen Kompaniekameraden Brunn und Koll seit einiger Zeit ein gespanntes Verhältnis, welches nach Ansicht Kolls unter dem Einfluß Goerbigs entstand. Er erheilt daraufhin vom Direktor Raabe, Major a.D. Ludwig Ritter von Radlmaier, folgende Beurteilung am 6. September 1931: "Koll ist charakterlich anständig, ehrlich, kameradschaftlich, im Wesen grosszügig und aus dieser mit Einbildung vermischten Grosszügigkeit heraus zu wenig energisch dort, wo es um seine Person geht. Er geht Quängeleien und Nörgeleien aus dem Weg, ohne sie dort, wo es angezeigt wäre, unter Benutzung der vorgeschriebenen Mittel abzuwehren. Durch das Abseitsverhalten davon kann der Eindruck des Nicht-Beigehens hervorgerufen werden. Koll unterliegt leicht dem Alkohol; besonders bei irgendwelchen seelischen Misstimmungen, die sich dann Luft schaffen. Es handelt sich aber nicht um eine Trinkleidenschaft oder Gewohnheit. Ich habe die Überzeugung, dass Koll Herr über diese Neigung bleibt. Gegen sich selbst hart; trotz ständigen Kränkelns infolge des ungewohnten Klimas hat er sich nicht geschont. Dienstlich entsprechen seine Leistungen. Er ist dem Lehrgang mit Interesse und Eifer gefolgt und hat gute Anlagen für die hier betriebenen Dienstzweige gezeigt." Koll hat sich vor Zeugen bei Brunn entschuldigt. Der Leiter der drei Versuchsstationen in Lipezk, Kasan und Saratow, Oskar Ritter von Niedermayer, schloss sich am 8. September 1931 der Einschätzung Raabes an und verwies zusätzlich darauf, das sich Brunn der Aufgabe als stellvertretender Leiter der Einrichtung in Kasan als nicht gewachsen gezeigt hatte. Am 24. September 1931 beantragte Generalmajor Oswald Lutz beim Heeres-Personalamt (PA) in Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse, Lager-Psychose, un seiner bisherigen Bewährung trotzdem die Wiederanstellung von Koll. Am 1. Oktober 1931 wurde vom Chef der Heeresleitung seine Wiederanstellung, trotz der wenig schönen Handlungsweise beim Herrenabend, beantragt. Dieser vermerkt jedoch, daß Hauptmann Koll hieraus eine ecte Lehre für sein zukünftiges Verhalten ziehen müsse. Am 10. Oktober 1931 stellte auch die In 6 (K) einen Antrag auf seine Wiedereinstellung am Standort Münster. Am 20. Oktober 1931 wurde er mit Wirkung vom 1. November 1931 wieder im 100.000 Mann-Heer der Reichswehr angestellt. Er wurde dabei als Hauptmann mit einem Rangdienstalter vom 1. April 1931 (7a)  bei der 6. (Preußische) Kraftfahr-Abteilung eingeteilt und dort der 3. Kompanie in Münster in Westfalen zugeteilt. Diese Abteilung wurde vorher aufgrund des energischen Abteilungskommandeurs auch empfohlen. Sein eigenes Gesuch auf Wiedereisntellung traf am 27. Oktober 1931 beim Heeres-Personalamt (PA) ein, nachdem dieser Antrag am 24. Oktober 1931 durch Oberstleutnant Heinz Guderian, Chef des Stabes In 6 (K), befürwortend weitergereicht wurde. Am 1. März 1933 wurde er als Nachfolger von Hauptmann Hero Breusing zum Chef der 3. Kompanie der 6. (Preußische) Kraftfahr-Abteilung ernannt, die jetzt auch schon als 6. (Preußische) Kraftfahrkampf-Abteilung bezeichnet wurde. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht gehörte er am 1. Oktober 1934 zur Kraftfahr-Abteilung Münster. Bei der Enttarnung der Einheiten wurde er am 15. Oktober 1935 als Adjutant zur 2. Panzer-Brigade nach Meiningen versetzt. Er trug jetzt die Uniform der Aufklärungs-Abteilung (mot.) 6. Am 18. Januar 1936 wurde er mit Wirkung vom 1. Januar 1936 (64) zum Major befördert. Die Zeit vom 31. Januar 1931 bis zum 31. Oktober 1931 wurde ihm im Jahr 1936 auf seine aktive Dienstzeit wieder angerechnet. Am 12. Oktober 1937 wurde er zum Kommandeur der II. Abteilung vom Panzer-Regiment 11 ernannt. Als solcher wurde er am 28. Februar 1939 mit Wirkung vom 1. März 1939 (31) zum Oberstleutnant befördert. Seine Abteilung führte er im Spätsommer 1939 im Verband der in den Polenfeldzug. Dabei wurde er am 3. September 1939 durch Armschuß verwundet, weswegen ihm am 13. Dezember 1939 das Verwundetenabzeichen in Schwarz verliehen wurde. Die Spange zum Eisernen Kreuz 2. Klasse wurde ihm bereits am 1. Oktober 1939 verliehen. Am 16. Dezember 1939 wurde er mit Wirkung vom 1. Januar 1940 zum Kommandeur vom Panzer-Regiment 11 ernannt. Er führte das Regiment als nächstes im Frühjahr 1940 in den Westfeldzug gegen Frankreich. Die Spange zum Eisernen Kreuz 1. Klasse wurde ihm am 23. Mai 1940 verliehen. Danach hat er am 14. August 1940 ein neues Rangdienstalter als Oberstleutnant vom 1. Januar 1938 (50a) erhalten. Am 20. November 1940 wurde er mit Wirkung vom 1. Dezember 1940 (11) zum Oberst befördert. Zum Sommerbeginn 1941 führte er sein Regiment in den Ostfeldzug gegen die Sowjetunion und erhielt für seine Leistungen das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes am 16. Juli 1941 verliehen. Während der Schlacht um Wjasma im Herbst 1941 befehligte Koll die nach ihm benannte Panzer-Brigade Koll, bestehend aus seinem Pz.Rgt.11 und dem Pz.Rgt.25. Nach der Schlacht wurde Koll zum Stadtkommandanten von Wjasma ernannt. Am 9. März 1942 ernannte ihn Generaloberst Walter Model, OB der 9. Armee, zeitweise zum Höheren Panzeroffizier AOK 9. Er wurde dann aber wegen des gescheiterten Entlastungsangriffs auf Tscherkassy am 29. Juni 1942 mit Wirkung vom 1. Juli 1942 in die Führerreserve OKH versetzt. Sein Nachfolger als Regimentskommandeur vom Panzer-Regiment 11 wurde Oberst Walther von Hünersdorff. Am 14. September 1942 wurde er selbst mit Wirkung vom 1. September 1942 zum Chef des Kfz-Instandsetzungswesens beim General der Motorisierung im OKH ernannt, der seinerseits dem Allgemeinen Heeresamt (AHA) unterstellt war. Am 10. September 1942 erhielt er folgende Beurteilung von Generalmajor Erhard Raus, Kdr. 6. Panzer-Division: "Charaktervolle, gewandte, vornehme Persönlichkeit. Geistig sehr regsam mit klarem Blick für das Praktische und Mögliche. Steht über der Materie und erkennt immer das Wesentliche. Persönlich tapfer und einsatzfreudig, führte er sein Regiment und gemischte Kampfgruppen aller Waffen mit Ruhe und zielsicher zum Erfolg. Auch in der Führung einer Panzer-Brigade vor dem Feinde bestens bewährt. Sehr guter Erzieher und Ausbilder seines Offizierkorps. Geniesst hohes Ansehen und volles Vertrauen bei Führern und Truppe. Sehr wohlwollender Vorgesetzter und geschätzter Kamerad. Bewertung: Füllt vorzüglich aus. Empfehlung: Zum Führer einer Panzer-Division geeignet." Am 1. März 1943 erhielt er folgende Beurteilung von Generalleutnant Fritz Kühn, General der Motorisierung: "Einwandfreier, aufrechter Charakter, energisch und zielbewußt. Nationalsozialistisch eingestellt. Vor dem Feinde hervorragend bewährt (Ritterkreuz). Geht mit Schwung und Tatkraft an die Arbeit. Klarer Kopf, weitblickend. Starke Seiten: Sehr gewandt, bestimmt und sicher bei Verhandlungen und Besprechungen, wirkt überzeugend. Schwache Seiten: Neigt bei seinem schwungvollen Temperament zuweilen dazu, die ihm dienstlich gezogenen Grenzen zu überschreiten. Bewertung: Über Durchschnitt. Empfehlung: Amtsgruppenchef, Divisionskommandeur. Wenigstens noch 1/2 Jahr in jetziger Stellung." Dazu ergänzte General der Infanterie Friedrich Olbricht, Chef vom AHA: "Zutreffend beurteilt! Erscheint mir als Truppenführer besser am Platz. Über Durchschnitt." Als letzter ergänzte am 20. Juni 1943 Generaloberst Friedrich Fromm, Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres: "Einverstanden." Bereits am 11. Juni 1943 bat General der Panzertruppe Fritz Kühn, Chef des Wehrmachtkraftfahrwesens, über die Zentralabteilung (WZ) beim Obekommando der Wehrmacht (OKW) das Heeres-Personalamt (HPA) um seine bevorzugte Beförderung zum Generalmajor: "Oberst Koll wurde mit dem 1. September 1942 in dieser Stellung versetzt und drängt, noch in diesem Sommer wieder Verwendung in der Front zu finden. Er hat die neu gebildete Stelle des Chefs des Instandsetzungswesens, die weit über einen Abteilungschef hinausgeht, mit außergewöhnlicher Tatkraft und weitblickender Umsicht in vorbildlicher Weise aufgebaut. Wenn die Instandsetzung für die Front und vor allem die Versorgung mit Ersatzteilen grundlegend gebessert worden ist und die Anerkennung der Front gefunden hat, so ist das in erster Linie das Verdienst des Oberst Koll. Er verstand als hochbewährter Frontoffizier auch auf diesem Gebiet das Wesentliche zu erkennen und dabei seine Forderungen für die Front gegen alle Widerstände durchzusetzen. Es muß dabei betont werden, daß seine Arbeit nicht nur für die gesamte Wehrmacht, sondern auch für den zivilen Sektor von ausschlaggebender Bedeutung ist. Oberst Koll hat von Kriegsbeginn an bis zu seiner Versetzung in das OKH als Truppenführer, abgesehen vom 6. September 1939 bis 28. Oktober 1939, Ausfall wegen Verwundung, vor dem Feinde gestanden, er war Abteilungs-und Regiments-Kommandeur im Panzer-Regiment 11. Für seine hervorragenden Leistungen wurde er am 16. Juli 1941 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet, nachdem er bereits am 1. Juni 1940 wegen Tapferkeit vor dem Feinde im Wehrmachtsbericht genannt wurde. Er besitzt eine Rangdienstalter vom 1. Dezember 1940, so daß bei einer Beförderung ein Überspringen anderer hochwertiger Offiziere nach hiesiger Ansicht verhindert wird. Seine uneingeschränkte Eignung zu der dem nächsthöheren Dienstgrad entsprechenden Truppenführerstelle ist erwiesen und eine diesbezügliche Verwendung vorgesehen. Demgemäß erscheinen die Bedingungen der Verfügung OKH/HPA Ag P 1 3860 (1a I) vom 14. Ma 1943 erfüllt." Das Schreiben wurde nach dem Eingang am 14. Juni 1943, bereits am 15. Juni 1943 an das HPA weitergeleitet, wo es am 17. Juni 1943 eingegangen ist. Am 8. August 1943 wurde er mit Wirkung vom 1. August 1943 (20d) zum Generalmajor befördert. Am 25. September 1943 wurde er vom 4. bis zum 11. Oktober 1943 zum 7. Divisionsführerlehrgang nach Döberitz kommandiert, sein Eintreffen war am 3. Oktober 1943 bei der Infanterieschule Döberitz (Döberitz-Dallgow). Dieses Kommando wurde am 29. September 1943 für nicht wirksam erklärt, aber er wurde für den 8. Divisionsführerlehrgang vorgemerkt. Am 6. November 1943 wurde er vom 16. November 1943 bis zum 14. Dezember 1943 zum 8. Divisionsführerlehrgang kommandiert. Eintrefftag in Döberitz-Elsgrund sollte der 15. November 1943 sein, die Meldung im Haus Zittau erfolgen.  Deswegen wurde er am 20. November 1943 wieder in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte der Wehrkreis IX, was aber einen Monat später auf den Wehrkreis III geändert wurde. Am 14. Dezember 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Kurt Brennecke, Leiter vom 8. Divisionsführerlehrgang: "Panzerführer mit Schwung und Temperament. Gewinnende Persönlichkeit. Gesunder taktischer Blick; zeigt auch für größere Verhältnisse brauchbares Urteil. In praktischen Fragen der Panzertruppe gute Erfahrung. Zum Divisionskommandeur geeignet." Am 1. Januar 1944 wurde er als Nachfolger von Generalleutnant Walter Krüger mit der Führung der 1. Panzer-Division beauftragt. Anläßlich seiner Versetzung erhielt er am 21. Januar 1944 folgenden Zusatz zur letzten Beurteilung von General der Panzertruppe Fritz Kühn: "Generalmajor Koll hat seine Dienststellung als Chef des Instandsetzungswesen sehr gut ausgefüllt. Sonst nichts hinzuzufügen." Dazu ergänzte General der Infanterie Friedrich Olbricht, Chef vom AHA: "Nichts hinzuzufügen. Richtig beurteilt." Als letzter ergänzte am 14. Februar 1944 Generaloberst Friedrich Fromm, Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres: "Von starken Ehrgeiz beseelt, hat er Gutes geleistet." Offensichtlich zeigte Generalmajor Koll keine gute Leistung bei dem Versuch der Division, die Tscherkassy-Tasche im Februar 1944 zu entlasten, denn sein Kommandierender General, General der Panzertruppe Hermann Breith, KG vom III. Panzerkorps, gab folgende wenig schmeichelhaften Beurteilung am 21. Februar 1944 ab, als er ihn vom Kommando ablöste: "Gute militärische Erscheinung. Gewandt im Auftreten. Anständiger Charakter. Aus Mangel an ausreichender Fronterfahrung taktisch unsicher und unbeholfen. Wenig energisch und entschlußfreudig. Hat führungsmäßig die Division nicht in der Hand. Schwache Seiten: Greift in kritischen Lagen nach unten nicht mit der erforderlichen Härte durch. Bewertung: Unter Durchschnitt. Empfehlung: Als Kommandeur einer Panzer-Division ungeeignet. Eröffnung: Ihm ist nach mehrfachen Belehrungen an den Vortagen am 21. Februar 1944 mündlich durch mich eröffnet worden, daß er führungsmäßig die Division nicht in der Hand hat und somit den Anforderungen, die an einen Divisionskommandeur zu stellen sind, nicht genügt." Dazu ergänzte Generaloberst Hans-Valentin Hube, OB der 1. Panzerarmee: "Einverstanden! Die Lage macht einen sofortigen Wechsel in der Führung der 1. Panzer-Division notwendig. Generalmajor Koll kommt auch späterhin für die Führung einer Panzer-Division nicht mehr in Frage." Als letztes ergänzte dann noch am 1. März 1944 Generalfeldmarschall Erich von Manstein, OB der Heeresgruppe Süd: "Einverstanden." Daher wurde er am 21. Februar 1944 erneut in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte der Wehrkreis VI. Am 25. Februar 1944 wurde er als Nachfolger von dem bei einem Bombenangriff getöteten General der Panzertruppe Fritz Kühn zum Chef des Wehrmacht-Kraftfahrzeugwesens im OKW und zum Bevollmächtigten für das Kraftfahrwesen im Vierjahresplan ernannt. Damit war er jetzt für alle Angelegenheiten des Kraftverkehrs im Felde zuständig. Gleichzeitig ist er Chef des Kraftfahrwesens im Generalstab des Heeres (Gen St d H/Gen Qu/Gen d Kfw) und leitet die Inspektion des Kraftfahrwesens im Allgemeinen Heeresamt (AHA/Gen d Kfw/In 12). Ihm unterstanden auch der Chef des Instandsetzungswesens (Chef Inst) und der Höhere Offizier der Kraftfahrparktruppe (Höh Offz d Kf Pk Tr). Seine private Anschraft war jetzt Im Dachsberg 11 in Berlin-Grunewald, wo er die Telefonnummer 896337 hatte. Seine Tätigkeit wurde von Hitlers persönlichem Beauftragten, dem Generalinspekteur für das Kraftfahrwesen (Gen Insp Kfw), eng überwacht. Es folgte am 15. Februar 1945 mit Wirkung vom 30. Januar 1945 (4) seine Beförderung zum Generalleutnant. Nach der Kapitulation geriet er am 9. Mai 1945 in englische Gefangenschaft. Aus dieser wurde er im Februar 1946 wieder entlassen. Er verbrachte seinen Lebensabend in Berlin, wo er weiterhin im Dachsberg 11 in  Berlin-Grunewald wohnte. In dieser Wohnung ist er am 13. Mai 1963 um 16:25 Uhr verstorben. Er wurde auf dem Waldfriedhof Dahlem beigesetzt.

 

Ritterkreuz (16. Juli 1941)

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Literatur und Quellen:
Krug, Ottomar Deutsche Generale 1918-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/10853
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1914, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1914
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich  Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. Mai 1933
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. April 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938
Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955 
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
Gerhard von Seemen: Die Ritterkreuzträger 1939-1945, Podzun-Verlag, Friedberg 1976
Pers 6/300037
Pers 6/680