Reichert, Rudolf Werner

 

* 24. November 1893, Nebra / Unstrut

† 10. März 1967, Bremen

 

 

Rudolf Reichert war der Sohn des Sanitätsrates Dr. Carl Reichert und dessen Ehefrau Margareta, geborene Averdieck. Am 18. November 1912 trat er als Fahnenjunker in die Königlich Preußische Armee ein. Er kam dabei zum 1. Elsässische Deutsch-Ordens-Infanterie-Regiment Nr. 152 in Marienburg. Bei diesem wurde er am 18. Juni 1913 zum Fähnrich befördert. Nach dem Besuch der Kriegsschule wurde er am 19. Juni 1914 zum Leutnant befördert. Während des Ersten Weltkrieges war er in seinem Regiment Zug- und Kompanieführer sowie Bataillons-Adjutant. Im 1. Weltkrieg wurde er nicht nur verwundet, was sich in der Verleihung des Verwundetenabzeichens in Schwarz widerspiegelte. Im Ersten Weltkrieg wurde er auch mit beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnet. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges kämpfte er ab dem 1. Oktober 1919 im Freikorps Görlitz. Im Jahr 1920 wurde er in das vorläufige Reichsheer übernommen. Dabei wurde er bei der Bildung des 200.000 Mann Heeres der Reichswehr Mitte Mai 1920 im Reichswehr-Infanterie-Regiment 12 der Reichswehr-Brigade 6 eingesetzt. Bei der Bildung des 100.000 Mann Heeres der Reichswehr wurde er am 1. Oktober 1920 in das 3. (Preußisches) Infanterie-Regiment übernommen. Dort wurde er als Kompanieoffizier eingesetzt. Am 2. November 1920 heiratete er Charlotte Moritz. Im Frühjahr 1923 gehörte er zur 1. Kompanie vom 3. (Preuß.) Infanterie-Regiment in Marienburg. Am 1. Oktober 1923 wurde er zur 9. Kompanie vom 8. (Preußisches) Infanterie-Regiment nach Görlitz versetzt. Dort wurde er am 1. Februar 1924 zum Oberleutnant befördert. Ab dem Frühjahr 1925 gehörte er mehrere Jahre zur 12. (MG.) Kompanie vom 8. (Preußisches) Infanterie-Regiment ebenfalls in Görlitz. Am 1. Dezember 1928 wurde er dort auch zum Hauptmann befördert. Als solcher wurde er zum Stab des Ausbildungs-Bataillons vom 8. (Preußisches) Infanterie-Regiment nach Lübben versetzt. Vom 4. März 1929 bis zum 23. März 1929 besuchte er einen Lehrgang für Leibesübungen. Am 1. Oktober 1930 wurde er zum Chef der 16. Kompanie vom 8. (Preußisches) Infanterie-Regiment in Lübben ernannt. Vom 3. Oktober 1932 bis zum 20. Oktober 1932 besuchte er einen Schießlehrgang für schwere Infanteriewaffen. Am 15. Januar 1934 wurde seine Tochter Ilse-Karin Reichert geboren. Vom 15. April 1934 bis zum 29. April 1934 besuchte er einen Lehrgang an der Infanterieschule. Ab dem 1. Juni 1934 war er als Taktiklehrer für den Luftkrieg an der Marineschule Mürwik im Einsatz. In dieser Position verblieb er auch während der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht. Seit dem 1. April 1935 wurde er dann als Lehrgangsleiter an der Marineschule Mürwick eingesetzt. Am 1. Mai 1935 wurde er dort zum Major befördert. Ende August 1935 besuchte er einen Luftkriegsschullehrgang. Am 11. Mai 1936 nahm er an der 4. Südamerikafahrt des Luftschiffes LZ 127 "Graf Zeppelin" teil. Ab dem 1. April 1936 wurde er als Lehrgangsleiter an die Luftkriegsschule in Berlin-Gatow versetzt. Ab dem 1. Juni 1936 wurde er als Lehrgangsleiter an der Heeres-Waffenmeisterschule in Berlin-Treptow eingesetzt. Vom 29. November 1937 bis zum 11. Dezember 1938 besuchte er einen Lehrgang für Stabsoffiziere. Am 1. Januar 1938 folgte in dieser Funktion seine Beförderung zum Oberstleutnant. Am 10. November 1938 wurde er zum Kommandeur vom Maschinengewehr-Bataillon 59 in Kassel ernannt. Seine letzte private Anschrift vor dem Krieg war das Rittergut Wirchenblatt beim Gutsbesitzer Georg Fischer mit der Telefonnummer Jessnitz 1. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 wurde er in die Führerreserve OKH versetzt. Er wurde bis zum 31. Januar 1940 zur Truppenluftschutzschule kommandiert. Am 1. Februar 1940 wurde er zum Kommandeur vom Infanterie-Regiment 67 ernannt, welches seine Garnison in Berlin-Spandau hatte. Mit diesem Regiment nahm er im Frühjahr 1940 am Westfeldzug teil. Danach trug er bereits beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen. Am 1. Dezember 1940 wurde er zum Oberst befördert. Am 9. Februar 1941 erhielt er folgende Beurteilung von seinem Divisionskommandeur Generalmajor Heinz Hellmich: "Gut aussehende militärische Persönlichkeit mit reichem Können, bildet sein Regiment gut aus und führt es sicher, erzieht Offizierskoprs gut, gesunde taktische Anschauungen, anständiger Charakter. Vor dem Feinde voll bewährt. Bewertung: Führt gut aus. Empfehlung: Divisionskommandeur." Dazu ergänzte General der Infanterie Walter Schroth, KG vom XII. Armeekorps: "Nach meinen Eindrücken wird er noch vieler Erfahrungen bedürfen, ehe er zum Divisionskommandeur geeignet ist, sonst einverstanden." Ab Juni 1941 führte er sein Regiment im Verband der 23. Infanterie-Division im Ostfeldzug gegen Rußland teil. Am 28. November 1941 wurde ihm die Ehrenblattspange des Heeres verliehen. Am 15. Dezember 1941 wurde er mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Am 11. Januar 1942 musste er das Kommando über das Infanterie-Regiment 67 abgeben uns sich ins Lazarett begeben. Am 1. Februar 1942 wurde er erneut in die Führerreserve OKH versetzt. Dabei wurde er dem Wehrkreis III zugeteilt. Am 1. August 1942 wurde er zum Kommandeur vom Infanterie-Ersatz-Regiment 218 in Spandau ernannt. Im Ersatzheer wurde er am 19. September 1942 Kommandeur des umgebildeten Reserve-Infanterie-Regiments 218. Durch die folgende Umbenennung des Regimentsstabes wurde er am 15. Oktober 1942 zum Kommandeur vom Reserve-Grenadier-Regiment 218 ernannt. Kurz darauf verlegte er er mit seinem Regiment in die Ukraine. Am 15. Januar 1943 erhielt er von Generalleutnant Diether Boehm-Bezing, Kommandeur der 153. Feldausbildungs-Division, folgende Beurteilung: "Hat Regiment gut ausgebildet. Guter Erzieher seines Offizierskorps." Am 1. März 1943 wurde er für fünf Monate zum Kommandeur der Osttruppen z.b.V. 740 in der Ukraine ernannt. Er unterstand jetzt dem Wehrmachtsbefehlshaber Ukraine. Am 31. März 1943 erhielt er von Generalleutnant René de l'Homme de Courbière, Kommandeur der 153. Feldausbildungs-Division, aus vorheriger Unterstellung noch folgende Beurteilung: "Zu wenig bekannt. Kann nach der kurzen Zeit der Unterstellung der Beurteilung vom 15. Januar 1943 nur beipflichten." Am 23. April 1943 urteilte General der Infanterie Franz Mattenklott, KG vom XXXXII. Armeekorps über ihn: "Dienstlich nicht ausreichend bekannt geworden." Am 21. Juli 1943 erhielt er von General der Flieger Karl Kitzinger, Wehrmachtbefehlshaber Ukraine, folgende Beurteilung: "Als Kommandeur der Osttruppen weniger geeignet. Neubesetzung erwünscht. Reichert ist nach früheren Beurteilungen ohne Bedenken als Divisionskommandeur zu verwenden." Am 1. August 1943 wurde er daraufhin wieder in die Führerreserve OKH versetzt. Er wurde auch wieder dem Wehrkreis III zugeteilt. Sein Nachfolger wurde Generalmajor Max Ilgen. Am 20. November 1943 wurde er zum Kommandierenden General der Sicherungstruppen und Befehlshaber im Heeresgebiet Nord kommandiert. Am 7. Dezember 1943 wurde er mit der Wahrung der Geschäfte des Kommandeurs der Feldkommandantur 619 (FK 619) beauftragt. Am 28. Januar 1944 erhielt er von Generalleutnant Kurt Agricola, Korück 580, folgende Beurteilung: "Ich habe in der kurzen Zeit seiner Unterstellung einen guten Eindruck gewonnen. Klare taktische Vorstellungen, einsatzbereit und zupackend. Führt gut aus." Am 18. Februar 1944 wurde er dann auch richtig zum Kommandant ernannt und damit auch als Feldkommandant 619 bezeichnet. Am 1. März 1944 wurde er erneut in die Führerreserve OKH versetzt, dieses mal beim XXIII. Armeekorps bei der 2. Armee am Narew. Dort wurde er als stellvertretender Divisionsführer vorgehalten. Am 1. März 1944 erhielt er von Generalleutnant Kurt Agricola, Korück 580, abschließend zur vorherigen Unterstellung folgende Beurteilung: "Führernatur mit klarem Blick für das Wesentliche, einsatzbereit, frisch und zupackend. Gutes taktisches Verständnis. Vorbildlich in seiner Haltung. Bewertung: Über Durchschnitt. Empfehlung: Kommandeur einer Infanteriedivision. Belassung." Am 14. August 1944 erhielt er von General der Pioniere Otto Tiemann, KG vom XXIII. Armeekorps, folgende Beurteilung: "Ruhig, zurückhaltend. Klare aufrechte Persönlichkeit. Besitz geschulten taktischen Blick und handelt überlegt und entschlossen. Hat sich als Vertreter des Divisionskommandeurs in 7wöchiger Führung der 7. Infanterie-Division im Abwehrkampf und als Führer von Kampfgruppen während der Rückzugskämpfe seit Juni diesen Jahres in schwierigen Lagen und unter erschwerten Umständen (unbekannte Führer und Truppe, ohne Versorgungseinrichtungen) gut bewährt. Krisenfest. Geistig und körperlich frisch und voll leistungsfähig. Bewertung: Durchschnitt Empfehlung: Divisionskommandeur." Am 20. August 1944 ergänzte Generaloberst Walter Weiß, OB der 2. Armee: "Einverstanden! Zum Divisionskommandeur voll geeignet." Am 1. September 1944 ergänzte dazu noch Generaloberst Georg-Hans Reinhardt, OB der Heeresgruppe Mitte: "Mir noch nicht bekannt geworden." Ab dem 2. September 1944 wurde er mit der Führung der 292. Infanterie-Division beauftragt. Am 16. Oktober 1944 erhielt er folgende Beurteilung von General der Kavallerie Gustav Harteneck, KG vom I. Kavallerie-Korps: "Oberst Reichert hat vom 30. April 1944 bis zum 18. Juni 1944 die 7. Infanterie-Division geführt und ist seit dem 4. September 1944 mit der Führung der 292. Infanterie-Division beauftragt. In dieser Zeit hat sich Oberst Reichert in schweren Kämpfen hervorragend bewährt und seine volle Eignung zum Divisionskommandeur erbracht." Dazu ergänzte am 25. Oktober 1944 Generaloberst Walter Weiß, OB der 2. Armee: "Ich befürworte den Antrag auf Ernennung des Oberst Reichert zum Divisionskommandeur und seine Beförderung zum Generalmajor." Am 28. Oktober 1944 ergänzte dann noch Generaloberst Georg-Hans Reinhardt, OB der Heeresgruppe Mitte: "Einverstanden." Zusammen mit seiner Beförderung zum Generalmajor am 9. November 1944 wurde er auch zum Kommandeur der 292. Infanterie-Division ernannt. Am 26. November 1944 erhielt er folgende Beurteilung von General der Kavallerie Gustav Harteneck, KG vom I. Kavallerie-Korps: "Für ein abschließendes Urteil noch zu kurz unterstellt. Mein vorläufiger Eindruck ist: Eine klare, aufrichtige Persönlichkeit mit Schwung und Einsatzfreude. Unbedingt zuverlässig und pflichttreu. Viel Sinn für Manneszucht, setzt sich durch. Ein guter Divisionskommandeur." Am 11. März 1945 wurde er mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Ende März 1945 wurde seine 292. Infanterie-Division im Kessel von Heiligenbeil zerschlagen. Deswegen wurde sie am 4. April 1944 aufgelöst. Dafür übernahm er selbst die Führung über die 558. Volksgrenadier-Division im Raum Pillau. Am 12. April 1945 musste er die Führung abgeben und sich krank in ein Lazarett begeben. Dabei wurde er ausgeschifft und kam noch aus Ostpreußen heraus. Am 1. Mai 1945 wurde er laut seiner eigenen Angabe noch zum Generalleutnant befördert, dafür fehlen aber die Belege und es steht durch seinen Lazarettaufenthalt eher im Zweifel. Bei Kriegsende geriet er in englische Kriegsgefangenschaft. Aus dieser wurde er am 1. Juli 1947 wieder entlassen.

 

Ritterkreuz (11. März 1945)

 

Literatur und Quellen:

BArch, MSG 109/4919: Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867 - 1945 Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. Mai 1933
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. April 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938
Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955  
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
Gerhard von Seemen: Die Ritterkreuzträger 1939-1945, Podzun-Verlag, Friedberg 1976
Horst Scheibert: Die Träger des Deutschen Kreuzes in Gold und Silber, 2 Bände, Verlag Podzun-Pallas, 1983 und 1990
NARA T-78 R-891