Behlendorff, Johannes Wilhelm August Emil 'Hans'
| * 13. August 1889, Allenstein † 16. März 1961, Baden-Baden |
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Hans Behlendorff war das älteste Kind des Kavallerieoffiziers Sekondeleutnant Gustav August Wilhelm Behlendorff und dessen Ehefrau Elisabeth Wanda Emilie, geborene Edle von Graeve. Er trat am 25. September 1908 als Fahnenjunker in die Königlich Preußische Armee ein. Er kam dabei zur 1. Batterie vom 1. Brandenburgisches Feldartillerie-Regiment „General-Feldzeugmeister“ Nr. 3. Dort wurde er am 22. Mai 1909 (Ll) zum Fähnrich befördert. In diesem wurde er nach dem Besuch der Kriegsschule am 22. März 1910 zum Leutnant befördert. Das Patent wurde dabei auf den 22. März 1908 datiert. Am 1. Oktober 1913 wurde er zum Adjutant der reitenden Abteilung seines Regiments ernannt. Mit dieser zog er bei Beginn des 1. Weltkrieges an die Front. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde ihm am 16. September 1914 verliehen. Sein Vater starb als Oberstleutnant z.D. und Pferdemusterungskommissar vom III. Armeekorps am 19. Februar 1915 kurz vor seinem 53. Geburtstag. An der Front wurde er selbst am 25. Februar 1915 zum Oberleutnant befördert. Als solcher wurde ihm am 6. April 1915 das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. Ab dem 18. Juni 1915 wurde er durch die 4 Kavallerie-Division als Batteriechef der 2. reitenden Batterie eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt hatte man ihm bereits beide Eisernen Kreuze verliehen. Am 23. Juli 1916 wurde er durch Hufschlag vor den Unterleib verletzt und kam ins Lazarett Bevern. Am 17. August 1916 wurde er wieder zur Truppe versetzt. Während eines folgenden Urlaubes wurde er ab dem 21. August 1918 zur Kur nach Bad Pyrmont überwiesen. Am 9. Oktober 1916 kehrte er wieder ins Feld zurück. Am 26. März 1917 wurde er zum Stabe vom Generalkommando 51 kommandiert. Bei diesem wurde er als Adjutant eingesetzt. Dort wurde er am 20. Mai 1917 (V) zum Hauptmann befördert. Es folgte am 17. Oktober 1917 seine Versetzung als Adjutant zum Generalkommando 51. Vom 7. Januar 1918 bis zum 12. Januar 1918 wurde er zum 58. Lehrgang der Heeres-Gas-Schule kommandiert. Im Ersten Weltkrieg wurde er neben beiden Eisernen Kreuzen noch mit einigen anderen Orden, wie dem Ritterkreuz des Königlich Preußischen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern (28. Oktober 1918), dem Schaumburg-Lippisches Kreuz für treue Dienste (16. Oktober 1916), dem Hamburger Hanseaten Kreuz (12. Januar 1917), dem Ritterkreuz 1. Klasse des Friedrichsordens mit Schwertern (14. Dezember 1917), Großherzog-Mecklenburgisches Verdienstkreuz II. Klasse (27. Januar 1917) und dem k.u.k. Militär-Verdienstkreuz dritter Klasse mit der Kriegsdekoration (6. Februar 1918) ausgezeichnet. Nach dem Krieg wurde er am 15. Dezember 1918 wieder zum 1. Brandenburgisches Feldartillerie-Regiment „General-Feldzeugmeister“ Nr. 3 versetzt. Er stellte am 26. Juni 1919 einen Antrag auf Heiratserlaubnis. Dieser wurde am 29. Juni 1919 von der Reichswehr-Brigade 3 (Freikorps Hülsen) in Potsdam an das Reichswehr-Gruppenkommando 1 befürwortend weitergeleitet. Am 2. Juli 1919 wurde der Antrag vom Reichswehr-Gruppenkommando 1 in Berlin befürwortend an das Reichswehrministerium (RWM) übersendet. Daraufhin erhielt er am 8. Juli 1919 die Erlaubnis zur Verheiratung. Er heiratete am 16. August 1919 die Elisabeth Charlotte Osterroth, Tochter des verstorbenen Rittergutsbesitzers Hans Osterroth. Im Jahr 1919 wurde er in das vorläufige Reichsheer übernommen. Dabei kam er zum Reichswehr-Artillerie-Regiment 3. Dort führte er die 2. Batterie. Auch bei der Bildung des 200.000 Mann-Übergangsheeres der Reichswehr Mitte Mai 1920 gehörte er noch zum Reichswehr-Artillerie-Regiment 3. Sein einziger Sohn war der am 10. August 1920 geborene Hans-Wilhelm Behlendorff. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr kam er am 27. September 1920 mit Wirkung vom 1. Oktober 1920 zum 3. (Preuß.) Artillerie-Regiment. Bei diesem wurde er anfangs bei einem Abteilungsstab eingesetzt. 1922 wurde er dann zum Chef der 11. (reitende) Batterie vom 3. (Preuß.) Artillerie-Regiment in Potsdam ernannt. Vom 29. September 1924 bis zum 8. Oktober 1924 besuchte er einen Lehrgang im Artillerie-Vermessungsdienst. Im Frühjahr 1928 wurde er dann in den Stab der IV. (reitende) Abteilung vom 3. (Preuß.) Artillerie-Regiment in Potsdam versetzt. Am 11. September 1928 wurde er mit Wirkung vom 1. Oktober 1928 zur Kommandantur Berlin kommandiert. Dieses Kommando war einer Versetzung gleichzusetzen und seinen Dienst regelte der Chef vom Truppenamt (TA). Am 1. Februar 1929 wurde er bei diesem zum Major befördert. Das Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Februar 1928 (21a) festgelegt. Als solcher wurde er am 17. Juli 1929 mit Wirkung vom 1. Oktober 1929 in den Stab vom Artillerieführer III versetzt. Bereits am 13. September 1929 wurde er in das Reichswehrministerium (RWM) in Berlin kommandiert, wobei dises Kommando einer Versetzung gleichzusetzen war. Dort wurde er am 21. September 1929 der Heeres-Personalabteilung 2 (P2) vom Heeres-Personalamt (PA) zugeteilt. Am 16. Januar 1930 wurde er mit Wirkung vom 1. Februar 1930 in das RWM versetzt. Er wohnte jetzt privat im Holsteiner Ufer 17 in Berlin NW 87 und hatte dort die Telefonnummer C5 Hansa 7530 (ab 1931 C9 Tiergarten 7530). Am 16. Oktober 1931 wurde verfügt, das er ab dem 19. Oktober 1931 der Heeres-Personalabteilung 1 (P1) zur Einarbeitung zur Verfügung steht, unter Belassung in P2. Am 24. März 1932 wurde er mit Wirkung vom 1. April 1932 in die Heeres-Personalabteilung 1 (P1) vom Heeres-Personalamt (PA) im RWM versetzt. Vom 30. Mai 1932 bis zum 2. Juni 1932 wurde er zum 4. Artillerie-Regiment auf den Truppenübungsplatz Königsbrück kommandiert. Bei der P1 wurde er am 1. Oktober 1932 (9) zum Oberstleutnant befördert. Im Sommer 1933 verreiste er mit dem Dampfer Columbus der Norddeutschen Lloyd. Am 1. September 1934 (9) wurde er zum Oberst befördert. Am 15. Oktober 1934 wurde er mit Wirkung vom 1. November 1934 zum Abteilungsleiter im RWM ernannt. Am 22. Oktober 1934 wurde bestimmt, dass er zu diesem Tag die neue Heeres-Personalabteilung 4 (P4) im PA übernimmt. Er wohnte danach in der Westfälische Straße 34 in Berlin-Halensee und hatte dort die Telefnnummer J7 Hochmeister 1953. Im Zuge der großen Personalverschiebung zur Blomberg-Fritsch-Affäre wurde er am 4. Februar 1938 zum Artillerie-Kommandeur 31 (Arko 31) ernannt. Er befand sich aber bis zum 31. März 1938 im Urlaub und konnte die neue Stelle erst am 1. April 1938 antreten. Als solcher wurde er am 1. März 1938 (1) zum Generalmajor befördert. Er wohnte damals privat in der 2. Etage der Kasernenstraße 23 in Braunschweig und hatte die Telefonnummer 8701. Am 30. April 1938 informierte die 31. Infanterie-Division das Generalkommado XI. Armeekorps das er für die Dauer von etwa 4 Wochen an Phlegmone erkrankt sei, aber mit Wiederherstellung der Dienstfähigkeit zu rechnen sei. Am 19. Juli 1939 wurde er mit sofortiger Wirkung zum Kommandeur der 34. Infanterie-Division ernannt. Eigentlich sollte laut Verfügung vom 30. Juni 1939 Generalmajor Kurt von Briesen dieses Kommando übernehmen, was aber wieder aufgehoben wurde. Bei Beginn des 2. Weltkrieges bezog er mit seiner Division Stellungen im Westen. Am 1. Februar 1940 wurde er zum Generalleutnant befördert. Bereits zu Beginn des Westfeldzuges wurden ihm beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen verliehen. Am 1. Tag des Feldzuges wurde er auch schwer verwundet und musste sein Kommando für fast ein halbes Jahr abgeben. Er befand sich im Kriegslazarett 1/571 wo ein Kopfschß (Einschuß unterhalb rechtes Ohr, Ausschuß oberhalb linker Augenhöhle, Gehirn und Sehnerven nicht verletzt) bahndelt wurde. Sein Zustand wurde Mitte Mai 1940 vom Standortarzt Trier als befriedigend angegben. Er wurde längere Zeit im Reservelazarett Heidelberg (Abteilung Augenklinik) von Prof. Dr. Ernst Engelking behandelt. Ihm wurde am 2. Juli 1940 das Verwundetenabzeichen in Gold verliehen. Am 30. November 1940 wurde er mit Wirkung vom 1. November 1940 wieder zum Kommandeur der 34. Infanterie-Division ernannt. Bei Beginn des Ostfeldzuges führte er die 34. Infanterie-Division beim Angriff auf Mittelrussland. Am 11. Oktober 1941 wurde ihm das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Anfang November 1941 gab er sein Kommando an Generalmajor Friedrich Fürst ab, den er schon eingearbeitet hatte. Er wurde am 15. Dezember 1941 mit Wirkung vom 5. Dezember 1941 in die Führerreserve OKH versetzt. Er sollte eigentlich am 17. Oktober 1941 im Hotel Riesenfürstenhof in Koblenz abgeholt werden, um durch einen Ordonanzoffizier über Tourcoing - Paris nach St. Lo gebracht zu werden, wo er General der Infanterie Max von Viebahn ablösen und die stellvertretende Führung vom Höheres Kommando z.b.V. LX übernehmen sollte. Da er aber vorher einen Erholungsurlaub genehmigte, den er anfangs im Hotel Europäischer Hof in Heidelberg verbrachte, wurde dieser Plan anfänglich auf den 10. Dezember 1941 verschoben. Am 5. Dezember 1941 wurde er mit Wirkung vom 15. Dezember 1941 für genau einen Monat mit der Führung vom Höheres Kommando z.b.V. LX in Nordfrankreich beauftragt. Der Ordonanzoffizier sollte ihn am 7. Dezember 1941 in Koblenz im Hotel Riesenfürstenhof abholen. Am 17. Dezember 1941 wurde er zum General der Artillerie befördert. Das Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Oktober 1941 (1b) datiert. Als solcher wurde er am 11.Januar 1942 mit Wirkung vom 1. Januar 1942 auch zum Befehlshaber vom Höheres Kommando z.b.V. LX ernannt. Durch die Umbenennung des Stabes wurde er Ende Mai 1942 zum Kommandierenden General des LXXXIV. Armeekorps ernannt. Am 15. Juli 1942 erhielt er einen Urlaub vom 18. Juni 1942 bis zum 14. Juli 1942 genehmigt. Dabei handelte es sich um einen ärztlich genehmigten Erholungsurlaub den er im Sanatorium Buehler Höhe im Schwarzwald verbrachte. Seine Vertretung übernahm der Kommandeur der 320. Infanterie-Division, Generalleutnant Karl Maderholz. Am 1. April 1943 gab er sein Kommando ab und wurde in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte der Wehrkreis XII. Im Mai 1943 wohnte er in der Bahnhofstraße 38 in Lübbn im Spreewald. Ihm wurde am 3. Juni 1943 (Verfügung 24. August 1943) mit Wirkung vom 1. Juni 1943 Baden-Baden als neuer dienstlicher Wohnsitz zugewiesen und der Umzug sei durchzuführen. Er bezog eine Wohnung in der Bismarckstraße 10 in Baden-Baden. Am 22. Juli 1943 reiste er zur Front, um den Auffrischungsstab Mitte von General der Panzertruppe Alfred Ritter von Hubicki zu übernehmen, damit dieser für eine Verwendung im Südostraum frei werden würde. Er besuchte den stellvertrenden Chef vom HPA und erklärte diesem über diesem Auftrag nicht erfreut zu sein. Er führte verschidene private Dinge, wie die Hochzeit seines Sohnes an. Am 27. August 1943 wurde er mit Wirkung vom 6. September 1943 für die Dauer von über 4 Monaten als Offiziersrichter zum Reichskriegsgericht kommandiert. Das Kommando lehnte er aber wegen seiner Kopfverletzung ab und daher wurde es nicht wirksam. Bereits am 9. September 1943 wurde er unter Aufhebung diees Kommandos vom 15. September 1943 bis zum 15. Oktober 1943 zur Einarbeitung zum Befehlshaber Südwestfrankreich kommandiert. Sein Eintreffen verzögerte sich aber bis zum 20. September 1943. Deshalb wurde sein Kommando auch am 20. Oktober 1943 bis zum 27. Oktober 1943 verlängert. Er war eigentlich vorgesehen für die Verwendung als Befehlshaber Nordost-Frankreich, was aber von General der Infanterie Carl-Heinrich von Stülpnagel als Militärbefehlshaber in Frankreich (MBF) abgelehnt wurde. Am 10. November 1943 wurde er wirtschaftlich mit Mirkung vom 1. November 1943 dem Wehrkreis V zugeteilt. Am 1. März 1944 wurde er erneut in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte jetzt der Wehrkreis V. Zum 1. November 1944 war sein Abschied vorgesehen. Er wurde aber erst 15. Dezember 1944 mit Wirkung vom 31. Dezember 1944 endgültig aus dem aktiven Dienst der Wehrmacht verabschiedet. Er war damals wirtschaftlich und truppenärztlich der Kommandantur der Befestigungen Oberrhein zugeteilt. Dabei wurde ihm das Recht zum Tragen seiner bisherigen Uniform zugesprochen. Die Übergangsgebührnisse für die Monate Januar bis märz 1945 wurde ebenfalls bewilligt. Seine Mutter starb am 26. Februar 1957. Er selbst wohnte mindestens bis 1960 in der Bismarckstraße 10 in Baden-Baden und hatte dort die Telefonnummer 3464.
Aus der am 5. Oktober 1888 (standesamtlich) und 6. Oktober 1888 (kirchlich)
in Sonnenborn geschlossenen Ehe seiner Eltern sind weitere Geschwister bekannt:
Seine jüngere Schwester war die am 30. Oktober 1890 geborene Elisabeth Christine
Antonie Therese Margarethe Behlendorff.
Ritterkreuz (11. Oktober 1941)