Sehmsdorf, Johannes Ludwig Georg

 

* 7. September 1885, Podanin, Kreis Kolmar in Posen

† 10. November 1964, (München)

 

 

Johannes Sehmsdorf war der Sohn des Gutsbesitzers Otto Sehmsdorf und dessen Ehefrau Olga, geborene Koenig. Sein Vater ist am 26. August 1901 in Podanin gestorben. Nach seinem Abitur am Gymnasium Schneidemühl besuchte er für vier Moante die Vorbereitungsanstakt des Dr. Ulrich in Berlin. Danach trat er am 1. April 1905 als Einjährig Freiwilliger in die Königlich Preußische Armee ein. Er kam dabei zum 3. Pommersches Infanterie-Regiment "Graf Schwerin" Nr. 14 nach Bromberg. Am 4. April 1905 wurde er dort vereidigt. Am 1. Oktober 1905 wurde er zum Gefreiten befördert. Am 25. März 1906 wurde er in die Reife der auf Befördrung Dienenden überführt. Am 1. April 1906 wurde er zum Fahnenjunker-Unteroffizier befördert. Von April 1906 bis November 1906 wurde er zur Kriegsschule Engers kommandiert. Dabei wurde er am 21. Mai 1906 zum Fähnrich befördert. Nach dem Besuch der Kriegsschule wurde er am 27. Januar 1907 zum Leutnant befördert. Danach wurde er die ersten Jahre als Kompanieoffizier in der 1. Kompanie seines Regiments in Bromberg eingesetzt. Am 16. Juli 1909 erhielt er die Erlaubnis zur Verheiratung. Am 21. September 1909 folgte die Hochzeit mit der fast fünf Jahre jüngeren Eleonora Antonie Irene Edeltraut Nickelmann, Tochter des verstorbenen königlichen Forstmeisters Richard Nickelmann, in Bromberg. Am 1. Juli 1910 wurde er als Nachfolger von Oberleutnant Strauß zum Adjutant des I. Bataillons vom 3. Pommersches Infanterie-Regiment "Graf Schwerin" Nr. 14 in Bromberg ernannt. Am 7. Oktober 1912 wurde seine Tochter Anne-Marie Sehmsdorf in Bromberg geboren. Am 30. September 1913 wurde er durch Leutnant Burandt abgelöst. Dafür wurde er am 1. Oktober 1913 als Nachfolger von Oberleutnant von Keber zum Regimentsadjutant ebenfalls in Bromberg ernannt. Auch bei Beginn des 1. Weltkrieges blieb er weiter Regimentsadjutant. Am 26. August 1914 wurde er verwundet ins Feldlazarett Sailly eingeliefert. Am 1. September 1914 kehrte er wieder zum Regiment als Regimentsadjutant an die Front zurück. Am 18. September 1914 wurde ihm das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. Am 18. Oktober 1915 wurde ihm das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. Am 24. Dezember 1914 wurde er zum Oberleutnant befördert. Am 21. Juli 1916 wurde er krankheitsbedingt dem I. Ersatz-Bataillon vom 3. Pommersches Infanterie-Regiment "Graf Schwerin" Nr. 14 überwiesen. Am 5. August 1916 wurde er zum Stab der Militäreisenbahndirektion 4 (MED 4) nach Warschau versetzt. Am 18. August 1916 wurde er zum Hauptmann befördert. Als solcher wurde er am 12. September 1916 zur Eisenbahn-Transportabteilung des Südostens kommandiert. Am 4. März 1917 wurde er zur Eisenbahn-Transportabteilung des Südostens versetzt. Am 14. Juni 1917 wurde er als Kompaniechef zum Reserve-Infanterie-Regiment 217 versetzt. Zwischen dem 13. Juni 1917 und dem 2. August 1917 übernahm er die Führung des I. Bataillons dieses Regiments. Vom 9. August 1917 bis zum 17. September 1917 wurde er zum Feldartillerie-Regiment Nr. 47 kommandiert. Am 23. September 1917 wurde er in eine Etatstelle der Militär-Generaldirektion der Eisenbahnen nach Brüssel versetzt und wurde zeitgleich zur Heeresgruppe Deutscher Kronprinz kommandiert. Am 9. Oktober 1917 wurde er mit seiner zum isherigen Uniform zur Verwendung in einer Generalstabsstelle zum Stab der 7. Landwehr-Division überwiesen. Vom 29. November 1917 bis zum 12. Dezember 1917 wurde er zur Vertretung des 1. Generalstabsoffiziers (Ia) zur 86. Infanterie-Division kommandiert. Am 12. Dezember 1917 wurde er unter Belassung der bisherigen Uniform in eine Generalstabsstelle der 108. Infanterie-Division versetzt. Am 18. Juni 1918 wurde sein Sohn Joachim Hans Eberhard Dieter Sehmsdorf in Bromberg geboren. Am 26. Juni 1918 wurde er unter Belassung der bisherigen Uniform in eine Generalstabsstelle des Generalkommandos 51 versetzt. Am 22. September 1918 wurde er unter Belassung in seiner Dienststelle in den Generalstab der Armee versetzt. Im 1. Weltkrieg wurde er nicht nur verwundet, was sich in der Verleihung des Verwundetenabzeichens in Schwarz widerspiegelte. Im Ersten Weltkrieg wurden ihm neben beiden Eisernen Kreuze noch einige weitere Auszeichnungen verliehen. Am 17. Januar 1919 wurde er wieder zum 3. Pommersches Infanterie-Regiment "Graf Schwerin" Nr. 14 zurückversetzt. Vom 31. März 1919 bis zum 30. September 1919 wurde er zum Generalkommando II. Armeekorps kommandiert. Er wurde im Jahr 1919 auch als Hauptmann in das vorläufige Reichsheer übernommen. Am 1. Oktober 1919 wurde er zum Wehrkreiskommando II versetzt. Dort wurde er am 6. Oktober 1919 neu vereidigt. Am 1. April 1920 wurde er als Kompaniechef in das Reichswehr-Infanterie-Regiment 3 versetzt. Beim 200.000 Mann-Übergangsheer der Reichswehr Mitte Mai 1920 gehörte er weiterhin zum Reichswehr-Infanterie-Regiment 3 der Reichswehr-Brigade 2. Bei der Bildung des 100.000 Mann-Heeres der Reichswehr wurde er am 27. September 1920 mit Wirkung vom 1. Oktober 1920 in das Infanterie-Regiment 5 übernommen. Ab dem Frühjahr 1921 gehörte er durch die Umbenennung des Regiments zum 5. (Preuß.) Infanterie-Regiment. Am 10. September 1921 wurde er mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 in den Generalstab der 2. Division der Reichswehr nach Stettin versetzt. Am 1. Februar 1922 wurde ihm ein neues Rangdienstalter vom 18. August 1916 zugewiesen. Vom 29. September 1924 bis zum 11. Oktober 1924 war er Teilnehmer an der Wehrkreisübungsreise. Vom 23. Juli 1925 bis zum 6. August 1925 war er Teilnehmer an der Nachschubübungsreise. Am 5. September 1925 wurde er mit Wirkung vom 1. Oktober 1925 als Nachfolger von Hauptmann Fritz Büchs als Chef der 6. Kompanie zum 16. Infanterie-Regiment nach Hannover versetzt. Dieses Funktion behielt er für die nächsten Jahre. Vom 26. November 1928 bis zum 9. Dezember 1928 wurde er als Teilnehmer zu einem Gasschutzlehrgang nach Berlin kommandiert. Am 16. März 1929 wurde er mit Wirkung vom 1. April 1929 zur Kommandantur Breslau versetzt. Bei der Kommandantur von Breslau wurde er am 1. Oktober 1929 zum Major befördert. Vom 18. August 1930 bis zum 23. August 1930 wurde er zum Flottenartillerie-Schießen kommandiert. Am 13. April 1931 wurde er mit Wirkung vom 1. Mai 1931 zum Stab des III. Bataillons vom 7. (Preuß.) Infanterie-Regiment nach Breslau versetzt. Am 1. Oktober 1933 wurde er wieder zur Standortkommandantur Breslau versetzt. Dort wurde er zum 1. November 1933 zum Oberstleutnant befördert. Privat wohnte er jetzt einige Jahre in der 2. Etage der Karlstraße 33 in Breslau I und hatte dort die Telefonnummer 21837. Am 2. August 1934 wurde er auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler neu vereidigt. Bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht wurde er am 1. Oktober 1934 beim Stab vom Grenzschutzabschnittkommando Breslau verwendet. Am 27. August 1935 wurde er vom 2. September 1935 bis zum 14. September 1935 zum psychologischen Laboratorium des Reichskriegsministeriums (RKM) kommandiert. Am 30. August 1935 wurde er mit Wirkung vom 1. September 1935 zu den Offizieren zur Verfügung des Oberbefehlshaber des Heeres (sonstige Offiziere) am Standort Breslau versetzt. Wirtschaftlich wurde er dabei dem Infanterie-Regiment Breslau zugeteilt, seinen Dienst regelte der Kommandierende General des VIII. Armeekorps. Am 1. Oktober 1935 wurde er zum Oberst befördert. Am 23. Juli 1937 wurde er mit Wirkung vom 15. September 1937 unter Anordnung des Umzuges zur Heeres-Feldzeugmeisterei kommandiert. Dieses Kommando war einer Versetzung gleichzusetzen. Am 12. Oktober 1937 wurde er zum Heeres-Feldzeug-Inspizient 3 ernannt. Am 31. Mai 1939 hat er mit Wirkung vom 1. Juni 1939 den Charakter als Generalmajor erhalten. Sein Sohn Joachim Sehmsdorf diente kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges in der I. Abteilung vom Flak-Regiment 32. Am 22. April 1940 schrieb der Feldzeugmeister, Generalleutnant Theodor Geib, folgenden Brief an den Herrn Chef des Allgemeinen Heeresamtes (AHA): "Betrifft Char. Generalmajor Sehmsdorf - Patentverleihung. Unter Bezugnahme auf meinen mündlichen Bericht vom 4.4.40 schlage ich vor, dem char. Generalmajor Sehmsdorf das Patent als Generalmajor zu verleihen. Sehmsdorf befindet sich als Feldzeuginspizient in einer Stelle im Range eines Infanterie-Kommandeurs. Er füllt diese Stelle sehr gut aus. Seine Leistungen haben sich, besonders in letzter Zeit, wiederholt veranlaßt, ihm meine Anerkennung auszusprechen. Vor seiner Beförderung zum Oberst war ihm die Eignung als Regimentskommandeur vorbehaltlos zugesprochen worden. Da mir Sehmsdorf dienstlich nur als Feldzeuginspizient bekannt ist, kann ich über seine Eignung als Truppenführer kein ausreichendes Urteil abgeben. Dafür sprechen Charakterfestigkeit, Verantwortungsbewußtsein, Entschlußkraft, bestimmtes Auftreten und reges Interesse für truppendienstliche und taktische Fragen." Dieses Schreiben wurde vom Chef des Allgemeinen Heeresamtes am 23. April 1940 befürwortend an das Heeres-Personal-Amt (HPA) weitergereicht. Vom HPA wurde vermerkt: "Kommt für Truppenverwendung nicht in Frage." Am 17. Juni 1940 wurde erbeten, ihn mit Wirkung vom 16. Juni 1940 zum Kommandeur des Oberfeldzeugstabes Paris zu ernennen. Am 24. Juli 1940 wurde er mit Wirkung vom 16. Juni 1940 zum Kommandeur des Oberfeldzeugstabes des OKH ernannt. Von Juni 1940 bis Oktober 1940 wurde er damit als Feldzeug-Inspizient West verwendet. Damit gehörte er auch zum Generalquartiermeister. Am 9. Juli 1940 erhielt er folgende Beurteilung von Generalleutnant Theodor Geib, Heeres-Feldzeugmeister: "Geistig gut beanlagt, körperlich unbehindert. Gründlich, fleißig und gewissenhaft. Bewertung: Füllt gut aus." Am 30. Oktober 1940 wurde er mit Wirkung vom 1. Oktober 1940 zum Feldzeuginspizient 3 ernannt. 1941 wohnte er in der Heilbronner Straße 2 in Berlin W 30. Am 17. Januar 1941 wurde er mit Wirkung vom 1. Februar 1941 zum Generalmajor befördert. Am 29. Januar 1941 wurde er mit dem Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet. Am 17. Februar 1941 erhielt er folgende Beurteilung von Generalleutnant Theodor Geib, Heeres-Feldzeugmeister: "Aufrecht, liebenswürdig, vornehm gesinnt. Gründlich. Denkt und urteilt klar und folgerichtig. Sprache und Ausdrucksweise gewunden, wodurch sonst gute Entschlußfassung und guter Vortrag in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden. Seine Leistungen verdienen im übrigen uneingeschränkt Anerkennung. Bewertung: Füllt sehr gut aus." Dazu ergänzten General der Infanterie Friedrich Olbricht, Chef des AHA und Generaloberst Friedrich Fromm, Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres: "Einverstanden." Sein Sohn Joachim Sehmsdorf ist am 2. August 1941 um 12:30 Uhr als Leutnant und Angehöriger der 15. Batterie vom Regiment "Hermann Göring" in Selenjkoff durch Infanteriegeschoß in der Brust, er wohnte damals privat in der Hermann-Göring-Kaserne am Spandauer Weg 42 in Berlin-Wedding. Sein Grab bekam der Sohn an der Straße Gordyschewka-Kamenetschje, 400 Meter südlich des Osteingangs Majdanezkoje (östlich der Straße). Am 15. Oktober 1941 wurde er selbst mit Wirkung vom 15. September 1941 zum Kommandeur der Feldzeuggruppe 3 in München ernannt. Auch sein Schwiegersohn ist im Jahr 1941 gefallen. Am 20. Januar 1942 wurde diese Ernennung auch auf das Friedensverhältnis übertragen und er hatte seinen Umzug durchzuführen. Seinen privaten Wohnsitz nahm er jetzt für viele Jahre in der Kaulbachstraße 91 in München M 23 und hatte dort die Telefonnummer 361956. Am 1. April 1942 erhielt er folgende Beurteilung von General der Artillerie Theodor Geib, Feldzeugmeister: "Beurteilung der Persönlichkeit vom 17. Februar 1941 unverändert. Weiss, worauf es bei der Dienstaufsicht der ihm unterstehenden Feldzeug-Kommandos und deren Dienststellen im allgemeinen ankommt. Seine Leistungen verdienen Anerkennung. Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern. Bewertung: Füllt gut aus. Empfehlung: Keine Eignung nur nächsthöheren Verwendung, wegen vorgerücktem Alter und Werdegang." Dazu ergänzte General der Infanterie Friedrich Olbricht, Chef des AHA: "Einverstanden. Beförderung zum Generalleutnant zu gegebener Zeit wird befürwortet." Dazu bemerkte am 25. Mai 1942 Generaloberst Friedrich Fromm, Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres: "Nichts hinzuzufügen." Am 15. Januar 1943 schrieb die 1. Staffel vom Personalamt an den Heeresfeldzeugmeister: "Generalmajor Sehmsdorf kann bei Ausscheiden zum Generalleutnant als besondere Ehrung befördert werden. Schriftlicher Antrag mit Begründung dazu erforderlich." Am 18. Januar 1943 schrieb der Feldzeugmeister, General der Artillerie Theodor Geib, an den Chef des HPA: "Ich schlage vor, Generelmajor Sehmsdorf, bisher Kommandeur er Feldzeuggruppe 3, bei seinem Ausscheiden aus dem aktiven Wehrdienst zum Generalleutnant zu befördern. Sehmsdorf ist mit dem 13. Januar 1943 zur Führerreserve des Wehrkreiskommando VII versetzt worden, da seine Spannkraft seit den schweren Schicksalschlägen im Jahr 1941 (einziger Sohn und einziger Schwiegersohn gefallen) nachgelassen hat. Er hat zwar kein Regiment geführt, ist aber im Jahre 1935 ohne Einschränkung als geeignet zum Regimentskommandeur beurteilt worden. Er hat eine ununterbrochene Dienstzeit von 37 3/4 Jahren und ist in dieser Zeit stets gut und sehr gut beurteilt worden. Auch die Stelle des Feldzeug-Inspizienten 3 und des Kommandeurs der Feldzeuggruppe 3 hat er in gleicher Weise ausgefüllt. In diesen leitenden Stellungen hat er mit Umsicht und Tatkraft und unter vollem Einsatz seiner Person erheblichen Anteil an der Führung des Feldzeugwesens genommen und sich damit besondere Verdienste um die Erhaltung und Förderung der materiellen Schlagkraft der Truppe erworben. Ich erachte ihn auf Grund seiner langjährigen Verdienste und nach Persönlichkeitswert für würdig, in Anerkennung seiner im Frieden und im Kriege bewährten Einsatzbereitschaft bei seinem nunmehrigen altersbedingten Ausscheiden aus dem aktiven Wehrdienst zum Generalleutnant befördert zu werden." Am 30. Januar 1943 wurde ihm das Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse mit Schwertern verliehen. Am 30. März 1943 wurde er mit Wirkung vom 10. Februar 1943 in die Führerreserve OKH versetzt unter gleichzeitiger Kommandierung (für die Dauer von unter 4 Monaten) zum Stab des Militärbefehlshabers in Frankreich (MBF) zur Einweisung als Feldkommandant. Inmarschsetzung nach Paris, Meldung im Hotel Majestic. Durch die Versetzung in die Führerreserve entfiel der Grund der beabsichtigten Beförderung zum Generalleutnant. Am 14. April 1943 wurde er mit Wirkung vom 13. Januar 1943 in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte jetzt der Wehrkreis VII. Am 29. Mai 1943 wurde er mit Wirkung vom 24. März 1943 als Vertretung des erkrankten Generalmajor Johannes Hochbaum mit der Wahrnehmung der Geschäfte als Kommandant der Feldkommandantur 757 (FK 757) beauftragt. Am 21. Mai 1943 wurde er als Nachfolger von Oberst Matzky mit Wirkung vom 25. Mai 1943 unter Aufhebung senes Auftrages zur Führung der FK 757 mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Kommandanten der Standortkommandantur Gatschina beauftragt. Die Inmarschsetzung erfolgte über die Frontleiststelle Gatschina. Am 29. Mai 1943 ging ein Fernschreiben an den MBF dass er sich unverzüglich zu seiner neuen Dienststelle zu begeben habe und kein Urlaub gewährt werden kann. Am 4. März 1944 wurde er mit Wirkung vom 18. Januar 1944 zum Kommandant der Standortkommandantur Gatschino (Standort-Kommandantur 312) ernannt. Ab dem 20. Dezember 1943 bis zum 18. Januar 1944 wurde er zugleich mit der stellvertretenden Wahrnehmung der Geschäfte als Kommandant des rückwärtigen Armeegebietes 583 (Korück 583) beauftragt. Am 18. Januar 1944 wurde er zum Kampfkommandant von Gatschina ernannt. Am 15. März 1944 wurde er mit Wirkung vom 10. Februar 1944 wieder in die Führerreserve OKH versetzt, seinen Dienst regelte dieses Mal der Wehrkreis III. Am 19. Februar 1944 wurde er mit Wirkung vom 15. Februar 1944 zum Kommandant der Feldkommandantur 182 (FK 182) ernannt. Er sollte sich umgehend über Tauroggen in Marsch setzen, was vom Wehrkreis VII veranlasst werden sollte. Am 22. Februar 1944 ging ein Fernschreiben an die Heeresgruppe Nord, dass er im Wehrkreis III nie eingetrroffen ist und daher von der Heeresgruppe zum Befehlshaber Heeresgebiet Nord in Marsch gesetzt werden sollte. Am 28. Februar 1944 wurde er mit Wirkung vom 1. März 1944 wieder in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte dieses Mal wieder der Wehrkreis VII. Die Inmarschsetzung sollte nach Übergabe der Geschäfte an Generalmajor Helmuth Walter erfolgen. Diese Versetzung wurde am 4. März 1944 als nicht wirksam geworden wieder aufgehoben. Er blieb damit weiter Kommandant der FK 182. Am 15. März 1944 wurde er als Ersatz für den kranken Generalmajor Bickel mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Kommandanten der Feldkommandantur 756 (FK 756) in Dorpat beauftragt. Seine umgehende Inmarschsetzung über Lemberg wurde ebenfalls beantragt. Am 23. März 1944 erhielt er folgende Beurteilung von Generalleutnant Oskar van Ginckel, Korück 583: "Ein hochanständiger, einwandfreier Charakter; ein sehr gebildeter Offizier. Positive Einstellung zur nationalsozialistischen Weltanschauung. Seit Juni 1943 bis zu Beginn der russischen Offensive am 14. Januar 1944 unterstand er mir als Stadtkommandant von Gatschina. Er hat seine Aufgaben mit grossem Fleiß und regstem Interesse angepackt und besonders bei der Evakuiierung der Bevölkerung im Herbst 1943 sehr Gutes und Anerkennenswertes geleistet. Er hat als Kommandant durch klare Anordnungen und beachtenswerte Energie sowohl in den rein militärischen Belangen wie auch in den Verwaltungsaufgaben voll entsprochen. Seit dem 14. Januar 1944 mit Beginn des russischen Angriffs ist er mir als Kampfkommandant von Gatschina, hernach von Wolossowo und in seinen späteren Verwendungen nicht mehr unterstanden, sodaß ich über ihn für die Zeit des Kampfes ein Urteil zu fällen nicht in der Lage bin. Die neuerliche Unterstellung vom 1. März 1944 bis zum 14. März 1944 war zu kurz, um seine Tätigkeit als Feldkommandant Dorpat beurteilen zu können." Am 8. April 1944 wurde er lobend im Tagesbefehl der Kampfgruppe Auleb vom General der Infanterie Auleb erwähnt. Zur letzten Beurteilung ergänzte am 11. April 1944 General der Artillerie Herbert Loch, Führer der 18. Armee: "Mir nicht näher bekannt geworden." Am 20. Aril 1944 erhielt er folgende Beurteilung von Generaloberst Georg Lindemann, OB der Heeresgruppe Nord: "Nach Rücksprache mit dem Kommandierenden General des L. Armeekorps muss ich feststellen, dass die günstige Beurteilung durch Generalleutnant van Ginckel für ruhigere Zeiten aufgestellt ist. Dafür trifft se zu. In den sehr schweren Krisenzeiten seit dem 14. Januar 1944 als Kampfkommandant von Gatschina und Wolossowo fehlte es ihm jedoch an Überblick, vorausschauendem Handeln und festem Durchgreifen. Ist daher als Kommandant eines festen Platzes nicht geeignet. Dies wurde ihm am 20. April 1944 auch schriftlich durch mich eröffnet." Am 29. Juni 1944 wurde er mit Wirkung vom 25. Mai 1944 zum Kommandant der FK 756 ernannt. Am 5. Oktober 1944 wurde er mit Wirkung vom 6. Oktober 1944 erneut in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte dieses Mal auch wieder der Wehrkreis VII. Er selbst fragte am 8. November 1944 nach seiner möglichen Beförderung zum Generalleutnant nach. Als Antwort wurde ihm folgendes Schreiben zugestellt: "Nach im Mai 1943 vom Führer erlassenen Bestimmungen über die Beförderung zu Generalsdienstgraden ist ihre Beförderung zum Generalleutnant leider nicht möglich, da Sie 1.) keine Eignung zum Divisionskommandeur haben, 2.) keine D-Stelle der Kriegsspitzengliederung inne gehabt haben. Ich bedauere Ihnen keine für Sie günstige Nachricht geben zu können." Am 15. Januar 1945 wurde er mit Wirkung vom 31. Januar 1943 mit der Erlaubnis zum Tragen der bisherigen Uniform aus dem aktiven Wehrdienst entlassen. Über eine Gefangenschaft bei Ende des 2. Weltkrieges ist bisher nichts bekannt. Bis mindestens 1960 wohnte er in der Kaulbachstraße 91. 1964 war er pivat in der Schleißheimer Straße 260 in München M13 gemeldet und hatte die Telefonnummer 379107.

 

Literatur und Quellen:
Krug, Ottomar Deutsche Generale 1918-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur MSG 109/10853
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1906, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1906
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1907, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1907
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1908, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1908
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1909, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1909
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1910, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1910
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1911, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1911
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1912, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1912
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1913, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1913
Ranglisten der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich Württembergischen) Armeekorps 1914, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1914
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich  Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. Mai 1933
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. April 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938
Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Militär-Wochenblatt
Pers 6/1817
PERS 6/300606